Widgets Magazine
00:19 23 Oktober 2019
SNA Radio
    Neugeborenes Kind

    „Kinder-Schwarzmarkt“: Kanadier erfährt mit 35 die Wahrheit über sein Schicksal

    © Sputnik / Sergey Krasnouhow
    Panorama
    Zum Kurzlink
    0 023
    Abonnieren

    Harold Rosenberg ist 1949 geboren und mit gefälschter Geburtsurkunde an eine jüdische Familie in der kanadischen Provinz Quebec „verkauft“ worden. Nun erzählte er Sputnik, wie er das Geheimnis seiner Herkunft lüften konnte.

    Gemäß damals geltendem Adoptionsrecht in der kanadischen Provinz Quebec durften rund 1000 jüdische Ehepaare in Montreal und Umgebung aus religiösen Gründen keine Kinder adoptieren, obwohl die Kinderheime der katholisch geprägten Region übervoll waren.

    Wie die Regisseurin Monique Fournier recherchierte, hatte es die Kirche vorgezogen, die Kinder katholisch und nicht jüdisch werden zu lassen, selbst wenn sie dafür elternlos in einem Kinderheim aufwachsen mussten. Viele Paare wurden so gezwungen, auf den „Kinder-Schwarzmarkt“ zurückzugreifen.

    Laut Hochrechnungen gelangten in den Jahren 1940 bis 1950 so etwa 1000 Babys aus Quebec auf illegalem Wege in andere Provinzen Kanadas oder ins Ausland.

    Erst mit 35 Jahren erfuhr beispielsweise Harold Rosenberg, dass die Personen, die ihn erzogen hatten, nicht seine leiblichen Eltern sind. Sein Vater soll ihn durch Vermittlung eines Mitglieds der jüdischen Diaspora in Montreal „gekauft“ haben.

    Auf dem „Kinder-Schwarzmarkt“ in Montreal wurden damals Geburtsurkunden gefälscht und uneheliche Kinder katholischer Frauen an jüdische Familien verkauft. Die Einnahmen der illegalen Organisation, die 1954 aufgelöst wurden, betrugen schätzungsweise drei Millionen US-Dollar. Ein Baby, an dessen illegaler Adoption sowohl Ärzte als auch Anwälte, Sozialmitarbeiter, Rabbiner und mitunter auch Vermittler beteiligt waren, „kostete“ etwa 10.000 US-Dollar. Die Neugeborenen wurden umgehend zu ihren Adoptiveltern gebracht, von denen viele in den USA, vorwiegend in New York, lebten.

    Rosenberg konnte den Namen seiner leiblichen Mutter, die ihn noch vor ihrer Heirat zur illegalen Adoption freigegeben hatte, recherchieren: Marie Boyko. Der Ehemann seiner inzwischen gestorbenen Mutter teilte ihm mit, dass noch ein Halbbruder Rosenbergs, Eugene Trembley, in der Provinz Ontario lebt. Die beiden suchen nun nach dem dritten Bruder, der um ein bis eineinhalb Jahre vor Harald Rosenberg zur Welt gekommen und in Quebec offiziell adoptiert worden sein soll.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Italien: Immer mehr Flüchtlingskinder werden Opfer von Menschenhandel und Gewalt
    Menschenhandel: Moskau nennt USA weltgrößten Importeur von „lebender Ware“ - MEHR
    Tags:
    illegale, Adoption, Schwarzmarkt, Kanada