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    Reality-Check: Die sechs schrägsten Projekte von Elon Musk

    © AP Photo / Arthur Mola/Invision
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    Der Unternehmer Elon Musk ist bekannt für seine Visionen und spektakulären Projekte. Manchmal sind seine Ideen allerdings in der Praxis schwer umsetzbar, zumindest in naher Zukunft. Und dies bei immensen Kosten und fraglicher Rentabilität. Hier sind die womöglich größten Flops des Unternehmers, die laut Musk aber die Welt verändern werden.

    Elon Musk wird oft dafür kritisiert, dass er mit seinen unfassbaren Ideen immer weitere Investitionen anlockt, aber keine erfolgreiche Umsetzung seiner Absichten aufweisen kann. Im Mai 2015 berichtete die Zeitung „Los Angeles Times“ unter Berufung auf eigene Recherchen, dass Musks Unternehmen Tesla Motors, SolarCity und SpaceX fast fünf Milliarden Dollar staatliche Unterstützung erhielten.

    Tesla Model S P85D
    © AFP 2019 / JOHANNES EISELE
    Im Juli dieses Jahres schrieb Bloomberg, dass Musk weitere dutzende Milliarden Dollar für die Entwicklung von Tesla beziehen wolle. Dies erläuterte der Unternehmer in einem sogenannten „Masterplan“.

    Es scheint nicht die Rede von bescheidenen Summen zu sein, wenn es um Musks innovative Ideen geht. Dabei muss Tesla Motors regulär mit einem schwankenden Aktienkurs kämpfen, während SpaceX noch gar keinen einzigen Dollar verdient hat.

    Vor Kurzem stellte der US-Amerikaner mit sicherer Einstellung seinen Plan zur Kolonisierung des Roten Planeten vor, doch bislang scheint dieser nur in Form eines Videos zu existieren. Auch bei anderen Projekten – einige davon funktionieren im realen Leben – sieht es manchmal eher nach einem Szenario für einen Sci-Fi-Film aus.

    1. Hyperloop

     

     

    Schneller als ein ICE? Ganz sicher – und auch schneller als ein Flugzeug! Mit dem Hyperloop-Projekt will Elon Musk den Zug der Zukunft schaffen. Dabei handelt es sich um ein Hochgeschwindigkeits-Transportsystem, das durch Solarenergie angetrieben werden soll. Gewöhnliche Züge sollen somit mit speziellen Transportkapseln auf Luftkissen ersetzt werden. In einem Rohr mit Vakuum soll das System eine Geschwindigkeit von bis zu 1.225 Kilometer pro Stunde erreichen.

    Trotz menschenorientierter Absichten geriet das Hyperloop-Projekt unter heftige Kritik. John Hansman, Leiter des International Center for Air Transportation beim Massachusetts Institute of Technology (MIT), bezeichnete die Idee als sinnlos. Ihm zufolge ist sie aus wissenschaftlicher Sicht zwar umsetzbar, aus dem wirtschaftlichen Standpunkt aber habe solch ein Projekt keinen Sinn, weil es zu teuer werde.

    Andere Experten gehen sogar noch weiter und halten Hyperloop einfach für unrealistisch. Vor allem sind die Wissenschaftler besorgt, was die Sicherheit der Passagiere betrifft, ob bei einem Erdbeben oder anderen Notfällen.

    Dennoch hatten Ende Mai die russische Staatsbahn RZD und das US-Unternehmen Hyperloop One eine Arbeitsgruppe für die Beratung über potentielle Zusammenarbeit gebildet. Dirk Ahlborn, CEO von Hyperloop Transportation Technologies, ist seit mehreren Jahren in Russland unterwegs und hält das Land vor allem im Transport-Bereich attraktiv für Investitionen:

    „Ich bin der Meinung, dass Russland stetig weiter nach oben geht und sich immer weiter entwickelt. Russland ist ja ein sehr großes Land, es ist sehr interessant, wenn man die Städte und die Bevölkerung näher bringt“, sagte er gegenüber Sputniknews beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg.

    2. Elektroflugzeug

    Wem die Perspektive in einem Rohrsystem zu reisen nicht genug Zukunftsniveau zu besitzen scheint, dem wird Musks Idee gefallen, ein Elektroflugzeug zu bauen. Eigentlich gibt es schon Elektroflugzeuge im realen Leben, beispielsweise das Solar Impulse-Projekt. Doch der Tesla-Gründer will noch weiter gehen und einen elektrischen Senkrechtstarter-Jet entwickeln, der keine Start- und Landebahn bräuchte. Davon redet der Unternehmer seit 2009. Im Mai 2016 verkündete Musk bezüglich eines möglichen Elektroflugzeug-Projekts, er sei nah dran. Bislang blieb alles aber bei Gesprächen.

    Das Schweizer Solarflugzeug Solar Impulse 2 hatte währenddessen im Juli die letzte Etappe seiner Weltumrundung beendet und ist erfolgreich am Flughafen von Abu Dhabi gelandet, wo es am 9. März 2015 seine Tour startete.

     

    3. Tesla Model S mit Autopilotsystem

     

    Tesla Model S P85d
    © AFP 2019 / JOHANNES EISELE
    Tesla Model S P85d

     

    Elektroantriebe haben für Musk anscheinend Priorität. Sein wohl bekanntestes Projekt – Tesla – ist ein gutes Beispiel dafür. Die Elektroautos fahren schon längst unter den normalen, mit Benzin angetriebenen Wagen. Für großes, leider auch negatives Aufsehen sorgte aber vor allem das Model S mit der Autopilotfunktion.

    Im Mai dieses Jahres ereignete sich ein erster Unfall im US-Bundesstaat Florida. Der Fahrer eines Tesla-Sportwagens Tesla S hatte auf Autopilot gestellt und war dann an einer Kreuzung mit einem Lkw zusammengestoßen. Der Autopilot konnte offenbar die weiße Außenwand des Lkw nicht vom taghellen Himmel unterscheiden. Im Ergebnis konnte das Tesla-Auto nicht automatisch bremsen. Der Tesla-Fahrer ist an seinen schweren Verletzungen gestorben.

    Tesla verwies in seiner Erklärung zu dem Crash darauf, dass der Autopilot ausdrücklich weiterhin ein Produkt in der Beta-Phase ist – nicht völlig ausgereift und zumindest laut den Nutzungsbedingungen von Tesla stets auf die Kontrolle des Menschen angewiesen. Der Fahrer muss auch dann die Hände am Steuer lassen, wenn der Autopilot die Kontrolle übernimmt. Im Zweifelsfall muss der Fahrer das Steuer übernehmen, wenn der Autopilot nicht mehr weiter weiß.

    Im Juli berichtete die US-Verkehrssicherheitsbehörde „National Transportation Safety Board Office of Public Affairs“ (NTSB), dass das verunglückte Auto mit aktiviertem Autopilot zu schnell fuhr.

    Im September hatte ein Ehepaar aus China Tesla Motors wegen fahrlässiger Tötung verklagt. Die Eheleute machten den Autopiloten einer Tesla-Limousine für den tragischen Tod ihres Sohnes verantwortlich.

    Laut Polizeiangaben starb der 23-jährige Sohn der Eheleute im Januar dieses Jahres, als sein Tesla Model S mit hoher Geschwindigkeit auf einer Landstraße im Nordosten des Landes mit einer Kehrmaschine zusammenprallte. Die Eltern des Verstorbenen beteuerten, dass beim Wagen zum Unfallzeitpunkt die Autopilot-Funktion aktiviert war. Ein Video aus dem Fahrzeuginnenraum und Einschätzungen von Experten bestätigten diese Version.

    Ende September hatten 126 Tesla-Fahrer in Norwegen gegen den US-Elektroautohersteller eine Klage eingereicht. Das Elektroauto soll weniger Pferdestärken als versprochen besitzen. Die Besitzer eines Tesla Models S P85D meinten, das Auto erreiche nur 460 PS statt die versprochenen 700. Die unzufriedenen Fahrer hatten beschlossen, das amerikanische Unternehmen zu verklagen, wobei sie dem Hersteller Betrug bei den angegebenen Leistungszahlen vorwerfen.

    4. Coast to Coast: Aufladesystem in ganz USA und Kanada, auch mit Robotern

     

     

    Trotz zahlreicher Kritik gegen die Tesla-Elektroautos gibt es immerhin eine Vielzahl zufriedener Kunden. Um alle auf den Straßen fahrenden Wagen am Laufen zu halten, ist natürlich eine entsprechende Infrastruktur notwendig. Zwar kann man ein Elektroauto mit einer herkömmlichen Steckdose zu Hause oder sonst wo aufladen, doch das dauert mehrere Stunden. Wenn einem der Akku unterwegs ausgeht, man aber keine Zeit für eine „entspannte“ Aufladung hat, muss eine Lösung her. Diese hat Elon Musk parat.

    Sogenannte Supercharger-Systeme werden immer öfter in den US-Städten und auch in Kanada installiert, bald angeblich auch mit Robotern. Mit dem Supercharger kann man die Autobatterie in nur einer halben Stunde vollständig aufladen. Dabei verspricht das Unternehmen eine Reichweite „von Küste zu Küste“, was eine sorglose und leichte Reise durch ganz Amerika ermöglichen soll.

    5. Kolonisierung des Mars mit wiederverwendbaren Raketen

    Ende September hatte Musk seinen Plan zur Kolonisierung des Mars vorgestellt. Dazu sollen wiederverwendbare Raketen benutzt werden, die im Orbit betankt werden, wie Musk bei einer Präsentation im Rahmen des Internationalen Astronauten-Kongresses im mexikanischen Guadalajara erläuterte. Dabei betonte der Unternehmer, dass die Menschheit eine multiplanetare Spezies werden sollte.

    Sein Enthusiasmus wurde zwar von Experten gelobt, aber gleichzeitig haben diese betont, dass das Projekt vorerst wenig realistisch wirke. Nach Ansicht des russischen Raumfahrers Walerij Tokarew ist ein bemannter Mars-Flug im Moment kaum umsetzbar.

    „Wir haben das wichtigste Problem nicht gelöst. Es geht darum, wie die Menschen vor der kosmischen Strahlung geschützt werden sollen. Außerdem kommt die Frage auf, wie sich eine Kolonie versorgen lässt. Vorerst haben wir ja niemanden, abgesehen von Robotern, zum Mars geschickt. Es gibt einfach keine Angaben, wie man auf diesem Planeten leben soll“, sagte er.

    Seinerseits kritisierte Philip Kausche, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Fachgruppe für operationelle Träger am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, in einem Sputnik-Interview Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX, da dieses „bisher keinen einzigen Dollar verdient“ habe.

    Unter anderem seien wiederverwendbare Raketen zurzeit nicht rentabel. Laut dem Wissenschaftler sehen Musks Pläne eher unrealistisch aus. Einer ähnlichen Meinung ist auch Prof. Ulrich Walter von der Technischen Universität München. Ihm zufolge besteht die Hauptfrage auch darin, ob die Idee einer wiederverwendbaren Rakete überhaupt profitabel ist.

    Außerdem gebe es die Schwierigkeit, dass jede Rakete nach ihrem Flug nicht sofort wieder einsetzbar sei. Der Aspekt der Wiederverwendung an sich sei zwar interessant, aber in diesem Fall nicht leicht umzusetzen. Walter zufolge sollte Musk beweisen, dass so etwas möglich sei.

    6. PayPal Galactic

    Musk scheint aber keine Angst vor Kritik zu haben und spricht schon von einer intergalaktischen Währung. Der Mann, der hinter dem Zahlungssystem PayPal steht und den Roten Planeten besiedeln will, ist sicher, dass schon bald der Zahlungsverkehr zwischen Planeten ermöglicht werde. Wenn man die Perspektiven der Kolonisierung des Mars betrachtet, scheint diese Idee erstmal aber eher ein Traum zu sein, jedenfalls was ihre Aktualität betrifft.

     

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