08:57 22 Februar 2020
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    Moscheen in Deutschland spielen nach wie vor eine zentrale Rolle für die Radikalisierung von Islamisten, wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ (FAZ) unter Berufung auf eine bisher noch unveröffentlichte Untersuchung des Verfassungsschutzes berichtet. Vor allem junge Menschen würden dort besonders schnell radikalisiert.

    Demnach waren von 624 Salafisten, die in den Irak und nach Syrien reisten, 268 vor ihrer Ausreise in einer Moscheegemeinde, einem Moscheeverband oder einem Moscheeverein aktiv. Das entspricht 43 Prozent.

    „Die Moscheen spielen für die Radikalisierung von Islamisten in Deutschland weiterhin eine zentrale Rolle“, so eine Sprecherin des Bundesamtes für Verfassungsschutz gegenüber der FAZ.

    Die Untersuchung des Verfassungsschutzes analysiert dem Blatt zufolge Hintergründe und den Verlauf der Radikalisierung der Menschen, die mit islamistischer Motivation nach Syrien oder in den Irak reisten. Die bisherigen Ergebnisse beruhen auf Daten von insgesamt 784 Personen in Deutschland, die ausreisten oder eine Ausreise versuchten. Der Verfassungsschutz gibt laut der Zeitung die Gesamtzahl der Salafisten in Deutschland mit 9200 Personen an.

    Die FAZ schreibt auch, dass die Sicherheitsbehörden „vor einem neuen islamistischen Tätertypus“ warnen würden. Demnach radikalisieren die aus dem Ausland agierenden Aktivisten der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS, auch Daesh) immer mehr junge Leute über das Internet.

    Zu diesem Thema hatte Anfang August die Süddeutsche Zeitung (SZ) konkrete Beispiele genannt, wie Islamisten über das Netz radikalisiert werden. Laut SZ-Angaben hatten die Attentäter von Ansbach und Würzburg kurz vor ihren Taten über einen Chat mit angeblichen Hintermännern der IS-Terrororganisation kommuniziert. Dabei vermuten die deutschen Behörden, die beiden Angreifer seien von Unbekannten nicht nur inspiriert, sondern auch instruiert worden. In den Chats soll beispielsweise ein IS-Kontaktmann dem aus Afghanistan stammenden 17-jährigen Attentäter von Würzburg vorgeschlagen haben, mit einem Auto in eine Menschenmenge zu fahren. Doch dieser lehnte dies ab, angeblich weil er keinen Führerschein besaß.

    „Radikalisierung ist heute eine Frage von Wochen, nicht wie zuvor von Monaten oder Jahren – das zeigt auch das Beispiel des 16 Jahre alten Syrers aus Köln“, zitiert die FAZ den Leiter des nordrhein-westfälischen Verfassungsschutzes, Burkhard Freier.

    Laut der FAZ nahmen am Tag der offenen Moschee am 3. Oktober in Berlin drei Moscheevereine teil, die vom Verfassungsschutz als islamistisch eingestuft werden. Eine der Moscheen, die Ar-Rahman-Moschee im Stadtteil Wedding, wird als salafistisch bezeichnet. Zwei weitere, das „Interkulturelle Zentrum für Dialog und Bildung“ und das „Islamische Kultur-und Erziehungszentrum“ (IKEZ), gelten als islamistisch.

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    Tags:
    Studie, Radikalisierung, Moscheen, Terrormiliz Daesh, Syrien, Irak, Deutschland