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11:51 20 September 2019
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    Bananengate in Langenfeld – Zensur oder Hysterie?

    © Foto: Frank Vincentz
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    Erdogan mit einer Banane im Hintern – dieses Bild hat in den letzten Monaten für Kontroversen gesorgt. Nun hat der Kunstverein Langenfeld die Ausstellung „Politische Bilder“ vorzeitig geschlossen. Ganz nach dem bekannten Motto: Ist das Kunst oder kann das weg?

    Der Kunstverein begründet das Ende der Ausstellung mit nachlassendem Publikumsinteresse, aber der Künstler Thomas Baumgärtel glaubt nicht daran. Sein Werk „Unter der Gürtellinie“ habe vielmehr so heftige Kontroversen ausgelöst, dass der Kunstverein um die Sicherheit seiner Mitarbeiter habe fürchten müssen.

    „Seit 30 Jahren kritisiere ich in meiner Kunst alles, was unsere Freiheit angreift, daher wollte ich auch von Anfang an dieses Erdogan-Bild dabei haben. Das hat natürlich Kontroversen ausgelöst: Es gab eine Demonstration von Erdogan-Anhängern vor dem Kunstverein, es gingen Drohungen gegen mich und die Kuratorin der Ausstellung ein. Ich glaube aber, es ist ein ganz schlechtes Zeichen, jetzt einzuknicken und zu signalisieren: Mit Gewaltandrohungen kann man dem Westen immer schaden, was die Freiheit der Kunst angeht.“

    Das Bild habe er zur Unterstützung von Jan Böhmermann und im Namen der Kunst- und Meinungsfreiheit gemacht, so Baumgärtel zu Sputnik-Korrespondentin Ilona Pfeffer, und das müsse eine Demokratie vertragen können.

    „Früher gab es ja schon Karikaturen von Helmut Kohl, er wurde immer als Birne gezeichnet und wurde dauernd durch den Kakao gezogen. Damit muss man einfach leben, wenn man ein Land regiert. Erdogan ist das anscheinend nicht gewöhnt und versucht, seine Diktatur auf Europa auszuweiten. Dagegen müssen wir uns wehren! Es geht um die Meinungsfreiheit, die wir uns über Jahrhunderte erkämpft haben und da werde ich ganz empfindlich, ich sage No Way! So ist das Bild auch gemeint, es ist ein Fuck You!“ 

    Alles Mumpitz, meint Remzi Aru, ein deutsch-türkischer Geschäftsmann und Vorsitzender der Migrantenpartei Allianz Deutscher Demokraten (ADD):

    „Ich glaube, dass Künstler, die eine schwere Kindheit hatten und auch sonst vielleicht unter einer Profilneurose leiden, dieses Bashing für sich als Sprungbrett erkannt haben, um bekannter zu werden, und das Ganze mit Kunst eigentlich nicht mehr viel zu tun hat“, so Aru. „Wenn er behauptet, Drohungen bekommen zu haben, reiht sich das offensichtlich in seine Profilneurose ein. Er ist eben ein D- oder E-Promi und versucht, damit eine Stufe höher zu kommen.“

    Auch der Kunstverein Langenfeld kann in seiner schriftlichen Stellungnahme gegenüber Sputnik nicht bestätigen, dass es massive Proteste oder Drohungen gegeben hätte.

    „Die in manchen Medien als „massiven Protest“ bezeichneten Reaktionen auf die Ausstellung kann der Kunstverein in dieser Form vor Ort nicht bestätigen”, heißt es in dem Schreiben. „Der Protest vor Ort beschränkte sich auf eine friedliche Demonstration von rund 40 türkischen Mitbürgern kurz nach Veröffentlichung des Bildes in der lokalen Zeitung. Mit der Niederlegung von Bananen vor dem Kunstverein haben die Demonstranten eine coole Aktion gezeigt und die Rechte einer Demokratie gelebt.“

    Die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen begründet der Verein, wie folgt: „Für den Sicherheitsdienst hat sich der Kunstverein entschieden, nachdem der Künstler von massiven Drohungen und Polizeischutz seiner Person berichtete. Unter diesem Aspekt hat es der Kunstverein als seine verantwortungsvolle Pflicht angesehen, vorausschauende Maßnahmen auch vor Ort zu ergreifen und die Ausstellungszeiten von einer Person eines privaten Sicherheitsdienstes begleiten zu lassen. Allerdings haben sich die Aufsichtskräfte zu keinem Zeitpunkt bedroht gefühlt, eher wurde die Begleitung durch einen privaten Sicherheitsmann als nicht notwendig erachtet.“

    Viel Lärm um nichts also?

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    Tags:
    Thomas Baumgärtel, Jan Böhmermann, Recep Tayyip Erdogan, Türkei, Deutschland