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16:56 19 Oktober 2019
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    Totgesagte leben länger: Forscher streiten über „Nachruf“ auf Great Barrier Reef

    © AFP 2019 / William West
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    Der Reisejournalist und Umweltaktivist Rowan Jacobson hat einen Nachruf auf das Great Barrier Reef geschrieben. Die Nachrede sorgt im Internet für Furore, in den Fachkreisen aber erntet sie heftige Kritik, wie das Portal „Outside Online“ berichtet.

    „Das Great Barrier Reef ist nach langer Krankheit gestorben. Es wurde 25 Millionen Jahre alt“, so beginnt Jacobsons Erzählung über das verstorbene Korallenriff, die der Autor letzten Freitag veröffentlichte. Und aus dem langen Leben des Verstorbenen gibt es auch wirklich viel Interessantes zu berichten: Nicht umsonst zählt das 2.500 Kilometer lange Riff vor der Nordostküste Australiens zu den Weltwundern der Natur. Vor seinem Tod habe es Tausende Tier- und Pflanzenarten beheimatet – allein 1.600 Fischarten fanden zwischen den Korallenästen Nahrung und ein Zuhause.

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    Weltruhm habe das Great Barrier Reef schon im Jahr 1770 erlangt. Damals soll der Entdecker James Cook als erster Europäer das tödliche Labyrinth überwunden haben. Ein Fan des Riffs sei Cook freilich nicht gewesen.

    Das Ende des 20. Jahrhunderts habe das Riff ungeachtet der weltweiten Bekanntheit nicht in seinem besten Zustand erreicht: Allen Versuchen von Umweltaktivisten zum Trotz habe man den Kranken nicht retten können, schreibt Jacobson. Die Korallen seien langsam aber stetig immer bleicher geworden. Die einst farbenprächtige Unterwasserwelt erinnere nur noch an ein verlassenes Schlachtfeld: Vereinzelt schwimme hier und da ein Riffbewohner zwischen abgestorbenen Korallen.

    „Zuvor sind bereits das Korallendreieck im Südpazifik und das Florida Reef von uns gegangen“, schreibt Jacobson. „Noch sind das Belize Barrier Reef und einige Tiefsee-Korallen am Leben.“

    Schuld an dem Tod des Korallenriffs sind laut Jacobson die Regierung Australiens und die gesamte Menschheit mit ihrer Gleichgültigkeit gegenüber der Krankheit des Verstorbenen.

    Jacobsons Vorwürfe haben einige Wissenschaftler und Fachjournalisten auf den Plan gerufen: Das Riff sei nicht Tod, sind sie überzeugt.

    „Solche lauten Überschriften nach dem Motto ‚Alles ist verloren‘ machen die Sache nur noch schlimmer. Sie rauben den Menschen die Hoffnung, obwohl man doch mit vereinten Kräften etwas unternehmen muss“, schreibt der Ökologe Russel Brainard, Leiter des Staatlichen Programms zur Erforschung des Riffs.

    Zu glauben, dass das Great Barrier Reef endgültig tot sei, sei ein grober Fehler, schreiben auch andere Internetnutzer. Sonst könne man ja die Hände in den Schoss legen, obwohl man weiterkämpfen müsse. Gemeinsam könne die Menschheit die Erderwärmung – und damit die Hauptursache für das Korallensterben – wenn nicht stoppen, so doch verlangsamen. Ursächlich für das stetige Absterben der Koralle seien die steigende Temperatur der Weltmeere und das Wetterphänomen El Nino, welches für starke Temperaturschwankungen in den Ozeanen auf der südlichen Halbkugel sorge. Zwar könnten die Korallen in einer solchen Umgebung nicht überleben, doch seien diese Prozesse im Grunde umkehrbar, wenn die Erderwärmung verlangsamt werde.

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    Derweil kursiere die Meinung, dass das Korallensterben nichts als eine Erfindung Chinas und der EU sei. Die Anhänger Donald Trumps meinten, diese hätten sich verschworen, eine Umwelt-Hysterie zu erzeugen, um die USA zu schwächen, schreibt das Online-Portal.

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