18:38 27 Juli 2017
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    Brandenburger Frauenhäuser: Jede dritte Bewohnerin ist Flüchtling

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    Häusliche Gewalt ist auch in den deutschen Flüchtlingsunterkünften ein großes Problem. In Brandenburg ist jede dritte Frau, die Schutz in einem Frauenhaus findet, ein Flüchtling. Das sagt Lydia Sandrock, Leiterin der Koordinationsstelle zur Anti-Gewalt-Koordinierung von Frauen in Brandenburg.

    21 Frauenhäuser gibt es in Brandenburg.  Hier finden Frauen Schutz vor der Gewalt ihrer Partner und Ehemänner. Inzwischen ist jede dritte dieser Frauen ein Flüchtling. „Viele kommen aus Syrien und Afghanistan, aber auch aus Tschetschenien“, sagt Lydia Sandrock. Bevor die Psychologin die Koordinierungsstelle leitete, hat sie 33 Jahre mit Frauen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden, gearbeitet. Sie weiß, wovon sie spricht – auch wenn es um in Gewalt in Flüchtlingsheimen geht.

    „In den Flüchtlingsunterkünften gibt es neben der Partnerschaftsgewalt auch Gewalt durch andere Bewohner und manchmal auch durch das Betreuungspersonal“, erklärt Frau Sandrock.  Manchmal sei es aber problematisch, wie damit umgegangenen werde. So sei einmal ein Opfer, das in einem Flüchtlingsheim vergewaltigt wurde, von dem Betreiber des Heimes in einem anderen Heim untergebracht worden – und zwar mit einem fremden Mann auf dem Zimmer: „So was geht gar nicht!“ bemerkt die Psychologin.

    Sputnik möchte wissen, wie die Frauen, die zum einen kein deutsch sprechen und zum anderen gar nichts von der Existenz der Frauenhäuser wüssten, überhaupt den Weg in die Hilfseinrichtungen fänden. Da gibt es mehrere Möglichkeiten, so Sandrock: „Mit der Polizei gibt es so eine Art Kooperationsvertrag. In Fällen von häuslicher Gewalt sagen sie uns (dem Netzwerk Frauenhäuser d. Red.) Bescheid und dann melden wir uns bei den Frauen.“ Zudem gebe es Nachbarn, Freunde, aber auch Flüchtlingsvereine, die den Opfern davon erzählten.  Und manchmal meldeten sich auch die Betreiber von Flüchtlingsheimen in den Frauenhäusern.

    Die Frauenhäuser haben keine offiziellen Adressen. Nur das Netzwerk kennt sie. Das sei ein Schutz, denn es gebe viele Männer, die sich auf die Suche nach ihren Frauen machten: „Solche Situationen habe ich in der Frauenberatungsstelle erlebt. Da standen Männer vor mir und wollten wissen, wo ihre Frau ist. Das war schon bedrohlich“, erinnert sie sich. In einem Fall habe ein Mann Fotos seiner Frau an Bäume gehängt, um sie ausfindig zu machen. Solche Dinge passierten auch mit Flüchtlingen.

    Es gibt aber noch ein ganz anderes Problem: „Wenn Frauen ihre Männer wegen Körperverletzung oder Vergewaltigung anzeigen, dann macht der Mann sich strafbar. Und damit sinken die Chancen, dass sein Asylantrag bewilligt wird und er wird abgeschoben“, erzählt die Psychologin. „Und die Frauen in der Regel auch.“ Das sei der Grund, warum viele Frauen keine Anzeige gegen ihre Männer stellen würden. Eine Möglichkeit gibt es für die Frauen, ihren Peinigern zu entgehen und in Deutschland zu bleiben: „Das ist das Kirchenasyl.“

    Das komplette Interview finden Sie hier:

    Themen:
    Migrationsproblem in Europa (1281)

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    Migranten, Lydia Sandrock, Brandenburg, Deutschland
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