13:41 24 Juni 2019
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    Neonazis (Symbolbild)

    Nazis invadieren Schweiz – 6000 Neonazis feiern bei einem Konzert in St. Gallen

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    In dem beschaulichen Schweizer Ort Unterwasser hat am Wochenende eines der größten Nazikonzerte der letzten 20 Jahre stattgefunden. Am Samstag trafen sich bis zu 6.000 Neonazis dort bei einem Rechtsrock-Konzert. „Wir wurden überrumpelt“ sagt Gemeindepräsident Rolf Züllig.

    Das beschauliche Unterwasser ist ein Ort in der Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann im Kanton St. Gallen in der Schweiz. Die touristische Gemeinde hat 2600 Einwohner und es gibt einige Lokalitäten in denen Veranstaltungen stattfinden können.  In dem Event- und Tenniscenter haben mehrere tausend Leute Platz. In diese idyllische Szene sind am Samstag 5000 Rechtsextreme für ein Konzert eingefallen.

    Rolf Züllig ist Gemeindepräsident in Wildhaus-Alt St. Johann. Er hat den vergangenen Samstag vielschichtig erlebt, wie er in einem Interview mit Sputnik erzählt:

    „Zuerst einmal war ich sehr überrascht, als ich davon erfahren habe. Als ich dann vor Ort eingetroffen bin und mit der Polizei zusammen eine erste Disposition getroffen habe, kam dann natürlich auch ein sehr beklemmendes Gefühl auf. Wenn man sich natürlich mal einer Horde von 5000 bis 6000 Rechtsextremen oder Neonazis gegenüber sieht, das ist schon ein beklemmendes Gefühl.“

    Große Chancen eingreifen zu können, die Veranstaltung zu verhindern oder die Halle zu schließen gab es nicht. In dem ganzen Tal waren höchstens 20 oder 30 Einsatzkräfte zur Verfügung gewesen.

    Die Halle wurde für ein Nachwuchskonzert angefragt, so Züllig:

    „Die Tennishalle wurde für ein Konzert von Schweizer Nachwuchsbands angefragt, die natürlich noch nicht so einen großen Bekanntheitsgrad haben. Gerechnet wurde mit 600-800 Zuschauern. Das Ganze hat also gar nicht so unsympathisch geklungen. Deswegen wurde dann auch von der Gemeinde her das Gastwirtschaftspatent erteilt.“

    Eine Veranstaltung sei in dem Sinne sowieso nicht bewilligungspflichtig. Die Gemeinde müsse nur ein Patent erteilen, dass Alkohol ausgeschenkt werden darf.  Schlägereien oder Randale habe es nicht gegeben. Die zuständigen Behörden klären gerade, ob es strafrechtliche Konsequenzen geben wird. Züllig selbst ist jetzt auch feinfühliger geworden, was derartige Themen angeht und erklärt:

    „Wenn diese Musikgruppen CDs herausgeben, dann sind diese meistens juristisch relativ gut geprüft. Man weiß natürlich nicht, wenn sie live musizieren, ob dann dieselben Texte gesungen werden oder nicht. Ich bin auch persönlich in die Halle gegangen. Ich habe mich als Bürgermeister vorgestellt und wurde auch problemlos eingelassen und habe auch ein paar Minuten zugehört. Es war einfach laute Rockmusik und wie es halt bei einem Schweizer ist, ein paar Wortfetzen habe ich verstanden, aber es wäre jetzt für mich unmöglich zu zitieren, was da gesungen wurde.“ 

    Der Gemeindepräsident glaubt die wichtigste Reaktion sei eigentlich, dass man zugestehen muss, dass so etwas auch in Wildhaus-Alt St. Johann passieren könne. Bislang war dort eher die Haltung, so Züllig, dass so etwas dort nicht passieren könne. Darum brauche es eine sehr starke Sensibilität, wenn es künftig um Veranstaltungen geht. In der Gemeinde gebe es diverse Lokale. Größere oder kleinere Veranstaltungen finden dort immer wieder statt. Züllig betont:

    „Es braucht jetzt aber einfach diese Sensibilität. Wenn es jemand Auswärtiges ist, muss halt ganz subtil nachgefragt werden. Auf der anderen Seite: man kann ja nicht jedes Mal den Verfassungsschutz anrufen wenn jemand eine Geburtstagsparty feiern will.“

     

     

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    Neonazis, Konzert, Rolf Züllig, Kanton St. Gallen, Schweiz