07:37 29 Juni 2017
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    Menschen in Aleppo (Archivbild)

    „Wird schlecht enden“ Aleppo-Geflüchtete: Terroristen foltern unsere Verwandten

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    Extremistenkämpfer kidnappen Verwandte von Zivilisten, die aus Aleppo über humanitäre Korridore flüchteten, und foltern sie. Dies berichtet die Agentur RIA Novosti unter Berufung auf mehrere evakuierte Einwohner.

    Am Dienstag hatte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, mitgeteilt, dass am Montag 48 Frauen und Kinder Aleppo unter Begleitung syrischer Beamten und Offizieren des russischen Zentrums für Versöhnung verlassen hätten.

    „Fast alle Flüchtlinge haben Verwandte, die dort geblieben sind. Sie sagen (am Telefon – Anm. d. Red.), es herrsche dort eine echte Hölle. Die Kämpfer haben mehrere Menschen gefasst. Verwandte der Geflohenen“, sagte ein Einwohner, der am Montag die Stadt über einen humanitären Korridor verlassen hatte. „Nun sitzen sie alle in einem Gefängnis. Man sagt, sie werden gefoltert. Wir haben Angst“, so der Mann weiter.

    Menschen, die fliehen konnten, wollen gegenüber Journalisten ihre Namen nicht nennen und ihre Gesichter nicht im Fernsehen zeigen. So erzählte ein alter Mann von seiner Tochter und deren Mann, die es nicht geschafft hätten, aus Aleppo zu fliehen.

    „Meine Enkel konnten gestern fliehen. Ihre Mutter und Vater sind dort geblieben. Sollten die Terroristen erfahren, dass wir hier sind, werden sie meine Tochter finden. Dann wird es schlecht enden“, so der alte Mann. „Ich hoffe, dass unsere Regierung, auch die anderen Menschen aus der Blockade hinausführen wird, denn dort gibt es kein Leben“, sagte er weiter.

    Die evakuierten Aleppo-Einwohner wurden in einem humanitären Zentrum im Bezirk al-Aschrafiyya untergebracht. Russische Offiziere aus dem Zentrum für Versöhnung der Konfliktparteien versorgen sie mit humanitären Hilfsgütern: Konserven, Zucker, Grütze. Volontäre aus humanitären Organisationen bringen Matratzen und Kleidung.

    Nach Angaben der Militärs sind auf den unter Kontrolle von Terroristen stehenden Territorien noch etwa 3.000 Zivilisten.

    Die humanitäre Pause war am 20. Oktober um 08:00 Uhr Ortszeit in Kraft getreten. Acht Korridore waren vorgesehen – sechs für Zivilisten und zwei für Kämpfer. Die russischen und syrischen Luftstreitkräfte hatten bereits am Dienstag ihre Angriffe auf die Stellungen der Terroristen eingestellt, um die umkämpfte Stadt auf die großangelegte Feuerpause vorzubereiten.

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    Tags:
    Flucht, Angst, Terroristen, Zivilisten, Gefängnis, Folter, Kämpfer, Evakuierung, Zentrum für Versöhnung der Konfliktparteien in Syrien, Aleppo
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