10:31 26 Juni 2019
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    Studie: Online-Hetzer wollen gar nicht anonym sein

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    Internet-User, die gezielt Kommunikation in Online-Foren durch aggressive Kommentare stören, zur Preisgabe ihrer Identität zu zwingen, damit diese nicht unter dem Deckmantel der Anonymität agieren können – klingt logisch, bringt aber nichts. Denn so genannte Internet-Trolle wollen gar nicht anonym sein, weil sie sich im Recht sehen.

    „Internet-Trolle sind nur ganz selten anonym, weil sie ihre Kommentare moralisch rechtfertigen können“, sagte Lea Stahel, Mitarbeiterin des Soziologischen Instituts der Universität Zürich, das die Studie erstellte, im Interview mit Sputnik. „Es gibt keinen Grund für sie, sich zu verstecken“, ergänzt Stahel. Zudem sei die Wahrscheinlichkeit, sanktioniert zu werden, sehr gering. 

    Die Wissenschaftler untersuchten zwischen 2010 und 2013 Hasskommentare in verschiedenen Netzwerken und fanden heraus, dass Hetzer eher dazu neigen, unter ihrem richtigen Namen aufzutreten. Unter Hasskommentaren verstanden die Forscher „normales“ Fluchen genauso wie Ausdrücke, die im juristischen Sinn strafbar sind. 

    Heraus fanden sie auch, dass bestimmte Themen die Internet-Trolle  besonders auf die Palme bringen. „Tier und Umweltschutz lösen besonders viele Aggressionen aus“, erklärte Stahel. Da die Hetzer dabei für andere Wesen kämpften und nicht für ihre eigene Interessen, seien sie dabei selten anonym, erläuterte sie. Rückschlüsse auf Herkunft oder Geschlecht ließen die Daten nicht zu. „Wir können aber sagen, dass Personen, die auf dem Land wohnen, aggressiver sind als Personen, die in der Stadt wohnen“, sagte die Forscherin.

    Nach Einschätzung der Wissenschaftler kommt es nach Verletzung sozialer Normen zu so genannten Shitstorms. Die Wahrscheinlichkeit, für Hasskommentare bestraft zu werden, ist relativ klein. „Deswegen macht es wenig Sinn, anonym zu sein“, stellte Stahel klar. Zudem seien soziale Normen im Internet noch nicht so ausgeprägt wie im öffentlichen Raum.

    Trotz der Erkenntnis, dass Anonymität für Hetzer gar nicht so viel bedeutet, plädiert Stahel für solch ein Verbot. „Ein Anonymitätsverbot könnte helfen, zu einem zivilisierten Diskurs im Internet zu gelangen“, sagte sie zu Sputnik-Korrespondentin Ilona Pfeffer und forderte eine gesellschaftliche Debatte darüber, welcher öffentliche Raum gewünscht sei. 

    „Die meisten von uns sitzen vor dem Computer und lesen sich diese aggressiven Kommentare durch“, konstatierte sie. Die Frage sei aber zum Beispiel, ob nicht jeder die moralische Pflicht habe, sich dort einzuschalten und zu sanktionieren. „Wir brauchen mehr Diskurs darüber, welchen öffentlichen Raum wollen wir? Was ist die Rolle von jedem in der digitalen Öffentlichkeit?“, forderte die Forscherin.

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