19:23 25 Februar 2020
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    Statistisch gesehen stirbt alle drei Minuten irgendwo in Deutschland ein Facebook-Nutzer. Die wenigsten Menschen sorgen jedoch rechtzeitig dafür vor, was nach ihrem Ableben mit ihrer digitalen Existenz passieren soll. Das kann Ärger für die Angehörigen bedeuten oder sogar ein Sicherheitsrisiko darstellen. Aber wie stirbt man online richtig?

    Im digitalen Zeitalter ist das Thema des digitalen Erbes weder bei den Verbrauchern, noch bei den Anbietern von Online-Diensten richtig angekommen. Das hat eine nicht-repräsentative Untersuchung der rheinland-pfälzischen Verbraucherzentrale im Jahr 2014 ergeben.

    Screenshot des Machts-gut-Site
    © Foto : Screenshot
    Screenshot des Machts-gut-Site
     

    Dabei kann es von großer Wichtigkeit sein, genauso wie bei persönlichen Besitztümern, sich rechtzeitig Gedanken um den Nachlass zu machen. Denn online passieren nicht nur Chat-Gespräche unter Freunden in sozialen Netzwerken. Viele Verträge werden online geschlossen und die Rechnungen per Email zugestellt, das Geld wird per Online-Banking überwiesen, Dokumente und Fotos geistern in Clouds umher. Selbst mit den entsprechenden Zugangsdaten also keine leichte Aufgabe für die Hinterbliebenen, alles in Ordnung zu bringen. Wenn diese Accounts nicht betreut werden, können sie außerdem ein Sicherheitsrisiko darstellen, sagt Barbara Steinhöfel, Leiterin des Referats Digitale Medien in der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz.  

     „Es ist nie auszuschließen, dass Nutzerdaten gestohlen werden, dass es Hackerangriffe gibt. Wenn die Betrüger auf solche stillliegenden Email-Postfächer stoßen und diese in kriminellen Netzen zum Versand von Spam oder Ähnlichem einsetzen, dann fällt das so schnell niemandem auf.“

    Screenshot des Machts-gut-Site
    © Foto : Screenshot
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    Will man es richtig machen, sollte man sich also zu Lebzeiten Gedanken um die digitale Nachlassverwaltung machen. Dabei könne man am besten den Weg der klassischen Vollmacht gehen, sagt die Verbraucherschützerin. Hat man nicht vorgesorgt, beginnt für den Erben die Suche im Heuhaufen: 

    „Der Angehörige sollte sich zunächst den PC des Verstorbenen anschauen. Wenn man Glück hat, hat er vielleicht Emails runtergeladen oder man kann zumindest erkennen, bei welchem Anbieter er ist. Man kann auch in der History des Browsers gucken, auf welchen Seiten er war. Wenn man keine Zugangsdaten zu seinen Accounts hat, bleibt einem nichts anderes übrig, als jeden einzelnen Anbieter anzuschreiben und ihn aufzufordern, den Account zu löschen.“, so Steinhöfel im Interview mit Sputnik-Korrespondentin Ilona Pfeffer. 

     „Wenn man Zugriff auf wichtige Sachen wie Email-Konten braucht, ist das mit relativ hohen Hürden verbunden. Die meisten Anbieter verlangen einen Nachweis über den Tod desjenigen, was man mit einer Sterbeurkunde belegen kann. Wenn man aber Zugriff auf ein Postfach haben möchte, braucht man oft einen Erbschein. Den muss man beim Nachlassgericht beantragen, der kostet auch Geld und richtet sich von den Kosten her nach dem Gesamterbe – für ein Email-Postfach viel zu aufwendig.“

    Screenshot des Machts-gut-Site
    © Foto : Screenshot
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    Klingt kompliziert und aufwendig, ist es auch. Um den Verbrauchern zu helfen, ihren digitalen Nachlass zu regeln und somit ihren Erben den Ärger mit den Online-Untoten zu ersparen, hat die rheinland-pfälzische Verbraucherzentrale die Seite www.machts-gut.de ins Leben gerufen. Dort wird man mit allerhand wissenswerten Fakten rund um unsere digitale Existenz versorgt und kann einen Test machen, um zu prüfen, wie gut man selbst auf das Ableben vorbereitet ist. 

    Die Reaktionen auf den Dienst seien sehr positiv und bei den meisten Verbrauchern setze ein Aha-Effekt ein, so Barbara Steinhöfel. Und auch auf politischer Ebene sei der Handlungsbedarf mittlerweile erkannt worden:

     „Konkrete gesetzliche Regelungen, die sich damit befassen, gibt es nicht. Es geht zunächst nach dem klassischen Erbrecht, aber man muss dann natürlich auch schauen, was das Telekommunikationsgesetz sagt, möglicherweise auch der Datenschutz. Hier sehen wir Handlungsbedarf und den hat auch die Politik mittlerweile erkannt.  Man prüft auf politischer Ebene, welche Regelungen gegebenenfalls geändert, angepasst oder neu geschaffen werden müssen.“

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    Tags:
    Cyberattacken, Deutschland