17:29 04 Juli 2020
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    Bei biometrischen Tests als andere Person perfekt abschneiden? Die Justiz auf falsche Fährten locken? Mit entsprechenden Tricks alles möglich – mit teilweise fatalen Folgen.

    Mit einem einfachen Foto lässt sich heute eine fremde Identität ganz einfach kopieren. Wie das geht, hat der Hacker Jan Krissler, weltweit als Starbug bekannt, gezeigt. Über die Details und mögliche Folgen solcher Umgehungen hat sich der Hacker und Mitglied des Chaos Computer Clubs in einem Sputnik-Interview geäußert.

    In vielen Bereichen erfolgt heute die Identifizierung einer Person auf Grundlage von Biometrie. Dabei lässt sich diese relativ leicht umgehen. „Gesichts- und Iriserkennung lassen sich häufig mit einem einfachen Foto überwinden“, erklärt Starbug, „Bei der Iris gilt die Besonderheit, dass die Aufnahmen für dunkle Augen im Infrarotbereich gemacht werden müssen. Für die Gesichtserkennung verwendet man je nach System eventuell ein Video statt eines Fotos.“ Die Iris-Aufnahmen können außerdem auch auf Linsen aufgedruckt werden, die man tragen kann.

    Was für die Augen gilt, gilt auch für die Finger, erklärt der Hacker: „Viele Fingerabdrucksysteme lassen sich mit einfachsten Attrappen austricksen. Als Abformgrundlage dient der Ausdruck eines Fingerabdrucks auf eine Folie mittels Laserdrucker. Die Tonerpartikel bilden beim Druck eine 3-dimensionale Form, die mit Holzleim gefüllt wird. Nach dem Trocknen kann die Attrappe dann nahezu unsichtbar auf den eigenen Finger geklebt werden“

    Aus einem etwas anderen Grund verfolgt in den USA der Künstler Leo Selvaggio ein ähnliches Projekt: Er druckt sein eigenes Gesicht als Maske über den 3D-Drucker aus und bietet diese zum Kauf an. Damit protestiert er gegen ein Zuviel an öffentlicher Überwachung durch Videokameras – und bietet allen zum Schutz sein eigenes Gesicht.

    Mit ausgedruckten Fingerabdrückten und Gesicht sowie Irislinsen könnte man sich selbst in der Öffentlichkeit als eine andere Person sehen lassen. Die Folgen? „Der so erlangte Zugang kann vom Verlust von Geld bis hin zum kompletten Identitätsdiebstahl führen. Wird die Biometrie als Zugangsschutz von Gebäuden eingesetzt kann ein Angreifer diese Gebäude im Zweifel ungehindert betreten und dort Schaden anrichten“, so Krissler.

    Aber das schlimmste Szenario ist für den Hacker, wenn die Justiz auf falsche Fährten gelockt wird: „Das vermutlich größte Problem ist das Hinterlassen von gefälschten Spuren, zum Beispiel Fingerabdrücken, an einem Tatort. So kann einer Person ein schweres Verbrechen untergeschoben werden. Da diese Spuren einen sehr hohen Wert bei der Beweisführung haben, ist es für das Opfer sehr schwierig, seine Unschuld zu beweisen.“

    Was die Justiz angeht, so muss diese sich etwas einfallen lassen, in Sachen Authentifizierung ist der Rat Krisslers ganz einfach: „Neben der Biometrie kann man sich auch mittels Besitz (RFID, Smartcards oder Tokens) oder dem Wissen (Passwort) authentifizieren. Gut gewählte Passwörter gelten allgemein als ein sicherer Weg. Allerdings muss man auch hier darauf achten, in welcher Umgebung diese eingegeben werden, also ob zum Beispiel nicht jemand über die Schulter guckt. Und auch Chipkarten können beispielsweise geklont werden.“

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    Tags:
    Leo Selvaggio, Jan Krissler