00:13 05 April 2020
SNA Radio
    Panorama
    Zum Kurzlink
    71198
    Abonnieren

    Andrej Solowjow will es wissen. Seit letztem Sommer lebt der 32-Jährige am Ufer des Labynkyr-Sees im Norden Sibiriens. Er hat kein winterfestes Zelt, kein Funkgerät, keine Essensvorräte, kein Gewehr dabei – fernab der Zivilisation mitten in der Taiga. Was ihn dahinzog, berichtet das Portal moya-planeta.ru.

    „Ich habe mich aus mehreren Gründen dazu entschlossen, hier zu überwintern“, sagt er. „Der See an sich ist etwas Besonderes. Der Legende nach lebt hier der Teufel von Labynkyr. Viele haben ihn gesehen. Und außerdem will ich mich selbst, mein Überlebens-Knowhow prüfen. Schließlich bin ich ja ein Überlebenstrainer“, sagt der Mann.

    • Haus am Labynkyr-See im Norden Sibiriens
      Haus am Labynkyr-See im Norden Sibiriens
      © Foto : Russische Geographische Gesellschaft
    • Haus am Labynkyr-See im Norden Sibiriens
      Haus am Labynkyr-See im Norden Sibiriens
      © Foto : Russische Geographische Gesellschaft
    • Andrej Solowjow
      Andrej Solowjow
      © Foto : Russische Geographische Gesellschaft
    1 / 3
    © Foto : Russische Geographische Gesellschaft
    Haus am Labynkyr-See im Norden Sibiriens

    Seine Verwandten hätten sich an die kuriosen Einfälle des Vagabunden schon gewöhnt. „Sie wundert gar nichts mehr“, lacht Andrej. „Aber der psychologische Faktor ist wirklich das allerschwerste an der Sache. Nicht die körperlichen Anstrengungen – das Holzhacken, das Fischen oder die Nahrungssuche sind das Problem, sondern die Einsamkeit“, gibt der 32-Jährige zu. „Die sensorische Deprivation ist das schwierigste, wenn es darum geht, sich selbst zu überwinden. Jeden Tag das Gleiche: Die gleichen Eindrücke, die gleichen Gefühle.“

    Andrej Solowjow
    © Foto : Russische Geographische Gesellschaft
    Andrej Solowjow

    Am meisten vermisse er die Bücher. Zwei habe er dabei und die kenne er inzwischen in und auswendig. Jetzt schreibe er seine eigenen: „Ich schreibe mein eigenes Buch. Ich messe die Lufttemperatur, den Wasserpegel im See. Ich schreibe alles auf, was ich sehe, über Menschen, die ich hier traf, und über die Bräuche der Einheimischen“, erzählt Andrej. Er hoffe, später ein Buch über den Labynkyr-See zu veröffentlichen.

    Haus am Labynkyr-See im Norden Sibiriens
    © Foto : Russische Geographische Gesellschaft
    Haus am Labynkyr-See im Norden Sibiriens

    Was den Teufel von Labynkyr angehe, so glaube er nicht blind an irgendwelche Geschichten, sagt Andrej. Aber ein paar Anomalien habe er schon beobachtet. „Vor zwei Wochen, als das Wasser noch nicht vereist war, tauchte ein großer dunkler Körper an der Oberfläche auf. Aber ich konnte ihn nicht identifizieren“, so der Abenteurer. „Ich habe ein festes Fischnetz aufgestellt. Und es wurde dran gezerrt, was das Zeug hält. Jetzt sind da metergroße Löcher drin, das kann kein normaler Fisch gewesen sein.“

    Andrej Solowjow
    © Foto : Russische Geographische Gesellschaft
    Andrej Solowjow

    Inzwischen hat sich der Russe in seiner Erdlochhütte für den Winter eingerichtet und hält weiter Ausschau nach dem Teufel von Labynkyr. Gut, dass er sich einen Vorrat an Waldbeeren angelegt hat, denn der Winter wird garantiert lang. Und einsam.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Sputnik kommentierenvia Facebook kommentieren

    Zum Thema:

    Zwischen heißen Quellen und Vulkanen: Erstes Iglu-Hotel in Russland
    Der Baikalsee - mein russischer Traum
    Jenissei – größter Fluss Sibiriens
    Sibirischer Winter
    Tags:
    Andrej Solowjow, Sibirien, Labynkyr