13:45 06 Dezember 2019
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    Jüdische Partisanen: Vom Holocaust bis Trump

    © Foto : Yad Waschem / Staatsarchiv
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    Nachdem im US-Wahlkampf Donald Trump Antisemitismus vorgeworfen worden war, erzählte im Sommer Jared Kushner, der Schwiegersohn Trumps, Kritikern und US-Wählern, dass er selber Jude sei. Seine Verwandten hätten den Holocaust überlebt und wüssten daher, was „echter“ Antisemitismus sei.

    Mideast Israel Lithuania World War II Tunnel
    © AP Photo / Ezra Wolfinger/Israel Antiquities Authority
    Er schilderte, wie sein Urgroßvater und seine Großmutter mit seiner Schwester aus dem Ghetto von Nawahrudak geflohen waren und als Partisanen in den weißrussischen Wäldern gegen die Nazis kämpften.

    Tatsächlich waren die Kushners Juden und Mitglieder einer jüdischen Kampfeinheit. Diese war Teil der Partisanenbewegung und einer Brigade angeschlossen. Die Sprengung von Eisenbahnzügen und Überfälle auf die faschistischen Besatzer gab es also in der Tat. Doch die Verwandten von Trumps Schwiegersohn beteiligten sich — wie auch der Großteil ihrer Kampfgruppe — nicht aktiv daran. Denn die Geschichte der Bielski-Partisanen ist nicht allein eine Geschichte des Widerstandes, sondern vor allem eine der Rettung.

    Helden der Arbeit

    Nawahrudak
    © Foto : Weißrussland
    Nawahrudak

    Alle Juden von Nawahrudak – vor dem Krieg waren es rund 7.000 – wurden im Dezember 1941 in ein Ghetto getrieben. Dort wurde ihnen befohlen, zu einer bestimmten Zeit an einen bestimmten Ort zu kommen. Dorthin kamen sie auch. Die Kushners gingen ebenfalls dorthin. Sie waren zu fünft: der Hutmacher Zaidel mit seiner Frau und den gemeinsamen drei Kindern. Bei der darauffolgenden Massenerschießung im Ghetto kam fast die Hälfte aller Inhaftierten ums Leben. Die Kushners blieben jedoch verschont und beschlossen, in die Wälder zu fliehen. Sie schafften es, sich der Bielski-Einheit anzuschließen.

    Im Wald gab es Lehmhütten mit Platz für jeweils 20 bis 25 Menschen, eine Küche, zwei Krankenstationen und sogar Werkstätten, eine Mühle und eine Backstube.

    Lehmhütte
    © Foto :
    Lehmhütte

    Im weißrussischen Staatsarchiv gibt es einen ganzen Ordner, in dem die Korrespondenz zwischen Kommandeuren der sowjetischen Truppen und der befreundeten Bielski-Einheit aufbewahrt wird. Darin sind hauptsächlich Anfragen zu finden – Bitten, eine Uhr zu reparieren, einen Schuhmacher oder einen Arzt zu schicken, Kolben für Waffen anzufertigen oder ein Pferd zu beschlagen.

    In einer der Werkstätten arbeiteten die beiden Hutmacher-Brüder Zaidel und Haim Kushner – der Urgroßvater von Jared Kushner und sein Bruder. Haim dürfte der Dienstälteste gewesen sein, denn die Berichte über die geleistete Arbeit für April und Mai 1944 trugen die Unterschrift eines gewissen „H. Kushner“.

    Die Namen Zaidel Kushner und Haim Lejbowitsch (sein zweiter Nachname war ebenfalls Kushner) werden auch im Erlass zum Feiertag des 1. Mai 1944 erwähnt. Die Brüder dürften wahre „Helden der Arbeit“ gewesen sein, denn ihnen wurde „für die rechtzeitige, korrekte und ununterbrochene Ausführung der Anweisungen“ gedankt.

    Aufruf zum Kampf

    Obwohl es sich nicht um keine klassische Kampfabteilung, sondern eher um einen Familientrupp handelte, war die Disziplin sehr hart. Um 8:00 Uhr morgens begann der Tagesdienst, um 22:00 Uhr war Zapfenstreich. Ohne Ausweis durfte man das Territorium weder verlassen noch betreten. Es war strikt verboten, sich nach Dienstschluss in den Werkstätten aufzuhalten. Bei Verletzung der Regeln drohte eine Strafe nach den Gesetzen der Sowjetunion. Und diese hatten es in sich.

    Bielski-Partisanen
    © Foto : Yad Waschem / Staatsarchiv
    Bielski-Partisanen

    Nachdem die Bielski-Einheit im Februar 1943 in die Partisanenbewegung einbezogen worden war, kämpfte sie aktiv – wenngleich als Teil der sowjetischen Truppen. Wie auch immer – auf das Konto der Bielski-Einheit gingen sechs entgleiste Güterzüge, eine gesprengte Eisenbahnbrücke, viele zerstörte Fahrzeuge und neun Kilometer zerstörte Telefonleitungen, zwölf offene Kämpfe und das Töten von deutsche Soldaten, Offiziere sowie rund 260 Polizeibeamten und Militärangehörigen. An die 1.000 sowjetische Bürger konnten gerettet werden.

    Das Leben nach dem Krieg

    Die überlebenden Angehörigen der Familien Bielski und Kushner landeten letztendlich in den USA. Ihr Leben wurde nun anders: Die Kushners wurden mit der Zeit reich. Rays Sohn Charles (Zaidels Enkelkind) stieg in den Immobilienmarkt ein und wurde Milliardär. Sein Sohn Jared, der Schwiegersohn von Donald Trump, wurde Mitinhaber der Firma seines Vaters und Gründer der Zeitung „The New Yorker Observer“.

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    Tags:
    Ghetto, Nazis, Juden, Donald Trump, Weißrussland