08:02 18 November 2019
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    Israel: Nachtruhe-Gebot sprengt den Frieden – Experten

    © AFP 2019 / Thomas Coex
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    In Israel wird es leiser, zumindest auf dem Papier: Die Knesset (israelisches Parlament) hat am Sonntag einem Gesetzentwurf zugestimmt, wonach die Muezzins keine Lautsprecher mehr einsetzen dürfen, um die Muslime zum Gebet aufzurufen. Experten sehen darin eine Gefahr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt, wie das Portal „news.ru“ berichtet.

    „Wegen dieses Lärms leiden alle: Juden, Muslime, Christen. Ich zähle nicht mehr mit, wie oft ich schon gebeten wurde, das Problem zu lösen“, sagte der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu, als er den Gesetzentwurf der gesetzgebenden Versammlung vorstellte.

    Hunderttausende israelische Bürger fühlten sich täglich vom Lärm gestört, den die Muezzins der Moscheen verursachten. Der Lärm sei vor allem für die Einwohner gemischter Städte eine Plage, wie etwa für die Gemeinde Lod, heißt es im Entwurf.

    Das Gesetz sei nicht religiös, sondern diene dem Umweltschutz, sagte daraufhin der Bürgermeister der Stadt in einem Radiointerview: „Als Bürgermeister kämpfe ich auch gegen den Party-Lärm aus den Karaoke-Bars im jüdischen Viertel. Wir dürfen nicht zulassen, dass unsere ganze Siedlung wegen der Muezzins um fünf Uhr morgens aufwacht“, so der Kommunalpolitiker.

    Das Gesetz versetze der Religionsfreiheit einen Schlag und schüre Hass gegen die arabische Bevölkerung Israels, mahnen indes die Vertreter der Palästinenser in der Knesset: „Statt die Vielfalt der Kulturen zu fördern und zu leben, setzt die Netanjahu-Regierung die Verfolgungen fort und versetzt diesmal der Freiheit des Islams in Israel einen Schlag“, so ein Sprecher der arabischen Volksvertreter. Das Gesetz sei rassistisch und populistisch, fügte er hinzu.

    Juden
    © Sputnik / Valery Melnikov

    Die Autoren der Gesetzesinitiative weisen jedoch alle Vorwürfe zurück und betonen, dass die Religionsfreiheit nicht auf Kosten der Lebensqualität israelischer Bürger gehen dürfe. Als Kompromisslösung hätten die Befürworter des neuen Gesetzes vorgeschlagen, dessen Wirkung auf die Nachtstunden zwischen 23 Uhr abends und sieben Uhr morgens zu beschränken, schreibt das Portal. Zudem könnten die Gläubigen – einem Beispiel aus Ägypten folgend – über eine Smartphone-App zum Gebet aufgerufen werden.

    Das Institut für Demokratie in Israel hat sich laut dem Nachrichtenportal gegen das Gesetz ausgesprochen. Das wahre Ziel der Gesetzesinitiative sei „nicht das Vorbeugen von Lärm, sondern das Stiften von Unruhe, die der ganzen Gesellschaft schaden und die Anstrengungen zur Beruhigung der Beziehungen zwischen Juden und Arabern zunichtemachen wird“, sagte ein Institutssprecher.

    Ein ähnlicher Entwurf sei der Knesset bereits in 2011 vorgelegt worden. Damals sei die Initiative jedoch abgelehnt worden, so „news.ru“.

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    Benjamin Netanjahu, Israel