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    Die Knolle ist eines der wichtigsten Grundnahrungsmittel der Menschheit. Und sie ist in Gefahr: Der Klimawandel könnte ihre Existenzgrundlage zerstören. Doch das Internationale Kartoffel-Zentrum in der peruanischen Hauptstadt Lima will die wertvolle Pflanze für die Nachkommen sichern.

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    © Foto : capture d`écran: Youtube
    „Wir stehen vor dem gewaltigen Problem des Klimawandels. Alle Regionen werden davon betroffen sein“, sagte der Agraringenieur Alberto Sala vom peruanischen Kartoffelzentrum im Sputnik-Interview. „Es ist wichtig, die Kartoffelsamen in einem Keimplasma zu erhalten – einer Mischung aus Genen, die durch Reproduktion mithilfe der Keimzellen vererbt werden. Unser Zentrum verfügt über eine der weltweiten größten Kartoffelbanken, um das Welthungerproblem der Zukunft zu lösen“, erklärte der Fachmann.

    Ihren Ursprung hat die Knolle in den südamerikanischen Anden. Dort ist die wilde Kartoffel erstmals zu einer Nutzpflanze entwickelt worden. Über 4.000 Sorten gibt es nun allein in Peru. Die Kartoffel ist nach Weizen und Reis das drittwichtigste Grundnahrungsmittel des Menschen. Angebaut wird sie in über 100 Ländern der Welt. Mehr als 1,4 Milliarden Menschen verzehren regelmäßig Kartoffelgerichte.

    „Laut Prognosen sind für die Kartoffelanbaugebiete Südamerikas infolge des Klimawandels Dürreperioden zu erwarten, was sich auch auf das Keimplasma in diesem Bereich auswirken wird“, sagte Sala. „Aber in allen 16 Andenländern, wo die Wildkartoffel wächst, wird seit 45 Jahren Material gesammelt und gelagert“, betonte der Experte.

    Seit 50 Jahren beschäftigt sich Alberto Sala mit der Kartoffel. Deshalb gilt er seinen Kollegen als der „Kartoffel-Pate“. Die Kartoffel-Bank ist 1971 in Lima gegründet worden, verfügt inzwischen aber über Filialen in 20 Ländern Lateinamerikas, Asiens und Afrikas. Von den 151 bekannten Arten der Wildkartoffel sind heute 140 in den Beständen der Bank enthalten. „Das macht insgesamt 4.300 Sorten“, sagt Agraringenieur Sala.

    Einst wuchs die Wildkartoffel weitflächig, ist jedoch durch die Landwirtschaft verdrängt worden. Heute wird auf den Flächen Intensivwirtschaft betrieben – unter Einsatz von Pestiziden und Herbiziden.

    „Die Wildkartoffel ist heute nur in schwerzugänglichen Orten und in kleinen Stückzahlen zu finden. Der letzte große Fund zählte gerademal 1.000 Pflanzen“, so der Experte. „Normalerweise wachsen maximal 100 Wildkartoffel-Pflanzen an einem Stück, weil ihre Gebiete vom Menschen eingenommen wurden.“

    Vor 500 Jahren, als Amerika erobert wurde, war die Kartoffel das Grundnahrungsmittel der Inka. „Die Maia hatten Mais, die Chinesen Reis, die Ägypter Weizen. Zusammen mit der Kartoffel sind das die vier Säulen der Welternährung“, betont der Agraringenieur.

    Doch im Vergleich zu den drei anderen Nutzpflanzen habe die Knolle ein enormes Adaptionspotential. Das sei eine wichtige Eigenschaft angesichts des bevorstehenden Klimawandels, vor allem wenn Wasser knapp werde, resümiert Sala.

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    Tags:
    Kartoffel, Alberto Sala, Südamerika