22:46 12 Dezember 2017
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    „Durcheinander ohne Kohärenz“: Europas Journalistenverband zu Propaganda-Resolution

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    Die Europäische Journalistenföderation (EFJ) hat sich auf ihrer offiziellen Webseite deutlich gegen die jüngste Resolution des Europarlamentes zur Bekämpfung der angeblichen „russischen Propaganda“ ausgesprochen.

    EFJ-Generalsekretär Ricardo Gutiérrez kritisiert unter anderem scharf die Wortwahl der Resolutions-Autoren:

    „Meiner Meinung nach ist die größte Schwachstelle des Textes sein Durcheinander und sein Mangel an Kohärenz. Es ist verantwortungslos, russische Medien mit Terrorgruppierungen wie dem ‚Islamischen Staat‘ gleichzustellen“, so Gutiérrez. „Der Bericht verwechselt strategische Kommunikation, staatliche Propaganda, Terror-Propaganda, Gegenpropaganda und unabhängige Informationen. Die endgültige Version der Resolution war zwar verbessert worden, aber der allgemeine Ton bleibt beunruhigend. Es ist ein typisches Kalter-Krieg-Klima, das Europa betäubt.“

    Darüber hinaus hätten sich die Autoren der Resolution nicht an die EFJ als größte Journalistenorganisation in Europa gewandt. „Wir hätten uns gefreut, manche der Widersprüche und Ungenauigkeiten des Texts zu korrigieren“, betont der EFJ-Generalsekretär.

    „Heutzutage versuchen viele Entscheidungsträger Medien als politisches Instrument zu verwenden. Der einzige Weg, Hass und Medien-Missbrauch zu bewältigen, ist die Förderung von Qualität und verantwortungsvollem Journalismus“, sagte dazu die EFJ-Vizepräsidentin von der Russischen Journalisten-Union (RUJ), Nadeschda Aschgichina. „Wir müssen alle unser Bestes tun, um uns jeglichen Versuchen, Praktiken des Kalten Krieges wiederherzustellen, zu widersetzen. Diese sind nämlich die wahren Gefahren der Demokratie und Kooperation in Europa.“

    Die umstrittene Resolution „Strategische Kommunikation der EU, um gegen sie gerichteter Propaganda von Dritten entgegenzuwirken“, welche sich ausdrücklich gegen russische Medien richtet, haben 304 Parlamentarier befürwortet, während sich 179 Abgeordnete dagegen äußerten und 208 sich der Stimme enthielten. Die Berichterstattung russischer Medien wie Sputnik oder RT wird in dem Entwurf mit Propaganda der islamistischen Terrororganisationen Daesh (auch „Islamischer Staat“, IS) und al-Qaida gleichgesetzt

    Der russische Präsident Wladimir Putin wies in seiner Stellungnahme auf die degradierte Demokratie-Vorstellung des Westens hin und gratulierte den Journalisten von Sputnik und RT zu ihrer „ergebnisreichen Arbeit“.

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    Tags:
    Resolution, Propaganda, EU-Parlament, Europäische Journalistenföderation (EFJ), Wladimir Putin, Europa, Europäische Union, Russland