04:51 22 September 2017
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    Schnellzug Strizh für die Strecke Moskau-Berlin der Russischen Eisenbahnen AG (RZD)

    Per Bahn nach Moskau: Alles was Sie über den neuen Schnellzug wissen sollten

    © Sputnik/ Hans-Georg Schnaak
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    Am 17. Dezember startet der neue Schnellzug der Russischen Eisenbahnen AG (RZD) auf der Strecke Moskau-Berlin zu seiner ersten Reise. Eine absolute Neuheit ist dabei die innovative automatische Umspuranlage, die nicht nur die Fahrzeit reduziert, sondern auch für erhöhte Sicherheit der Passagiere sorgt. Alle Details in dieser Sputnik-Reportage.

    Die Spurweite in Europa unterscheidet sich von der in Russland. Aus diesem Grund musste früher in der weißrussischen Grenzstadt Brest ein Umspuren durch das Anheben der Wagenkästen mit Hebeböcken und ein Austauschen der Drehgestelle erfolgen. Dieser Vorgang hat rund zwei Stunden gedauert.

    Alte Umspuranlage in Brest
    Alte Umspuranlage in Brest

    Dieser Aufwand gehört jedoch nun der Vergangenheit an, denn der neue Schnellzug Strizh (zu Deutsch: Mauersegler) vom spanischen Hersteller Patentes Talgo kann sich selbstständig an die europäischen Standards anpassen, und zwar während der Fahrt. Die Wahl fiel auf die spanischen Züge, da die Spanier die einzigen sind, die diese Technologie beherrschen, denn in ihrem Land, genauso wie in Russland, unterscheidet sich die Spurweite von den meisten EU-Ländern.

    Neueste Technologien sorgen für Komfort und Sicherheit

    In einem Interview mit Sputnik erläuterte Alexander Burjak, Chef eines Moskauer Wagendepots bei RZD, dass die automatische Umspuranlage zum Komfort der Passagiere beitragen werde.

    „Im Gegensatz zu den Zügen, die jetzt im Betrieb sind, wird der Passagier überhaupt kein Unbehagen bei der Fahrt verspüren, denn alle Geräte, beispielsweise die Klimaanlage, werden auch weiter funktionieren. Das Einzige, was der Passagier beim Umspuren spüren wird, ist die Reduzierung der Geschwindigkeit auf fünf bis 15 Kilometer pro Stunde.“ Eine Besonderheit des Zuges sei auch seine Autonomie, fügte er hinzu.

    Die Technologie trage unter anderem zur Sicherheit der Passagiere bei, denn „die Wagen werden weder aus dem Zug genommen noch in eine Werkhalle gestellt oder gehoben, was schließlich auch für die Reisenden angenehm ist“.

    Unter anderem unterscheide sich der Strizh „hochwertig von anderen modernen Zügen vor allem durch die Reduzierung der Radsätze“, so Burjak weiter. „Auf diese Weise spürt man die Verbindungsstellen der Gleise weniger, was auch wiederum zum Komfort der Passagiere während der Reise beiträgt, und zwar bei geringer und großer Geschwindigkeit.“

    „Unter anderem gibt es hier eine Luftfederung, die es ermöglicht, dass der Wagen bei großen Geschwindigkeiten auf Kurven nicht lümmelt“, erläuterte der RZD-Vertreter.

    Jetzt auch schneller am Ziel 

    Die Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke Moskau-Berlin soll laut Burjak zunächst 160 Kilometer pro Stunde betragen. Künftig, „nach einer Verbesserung der Gleise und der Infrastruktur wird die Höchstgeschwindigkeit auf bis zu 180-200 Kilometer pro Stunde angehoben.“ Das betreffe das Territorium der russischen Eisenbahnen.

    Schnellzug Strizh für die Strecke Moskau-Berlin der Russischen Eisenbahnen AG (RZD)
    © Sputnik/ Hans-Georg Schnaak
    Schnellzug Strizh für die Strecke Moskau-Berlin der Russischen Eisenbahnen AG (RZD)

    Barrierefreiheit sorgt für sicheres Reisen für alle 

    Ein weiterer wichtiger Aspekt im neuen Zug sei seine Anpassung für Passagiere mit körperlichen Behinderungen.

    „Diese Wagen sind mit Aufzügen für Behinderte ausgestattet. Die Abteile für behinderte Passagiere in diesem Zug sind größer als die herkömmlichen Abteile. Größer sind auch die Duschen. Es wurden alle Bedingungen für den Komfort (dieser Passagiere – Anm. d. Red.) geschaffen“, erläuterte der Depo-Leiter.

    Dabei sei die Erfahrung mit dem Transport von behinderten Passagieren nicht neu für RZD. „Zurzeit sind auf internen Strecken solche Wagen schon in Betrieb“, betonte er. Auf den europäischen Strecken der RZD „ist dies der erste innovative Personenzug, wo es drei solche Abteilungen gibt“.

    Badezimmer im Abteil für behinderte Passagiere im Schnellzug Strizh für die Strecke Moskau-Berlin der Russischen Eisenbahnen AG (RZD)
    © Sputnik/ Hans-Georg Schnaak
    Badezimmer im Abteil für behinderte Passagiere im Schnellzug Strizh für die Strecke Moskau-Berlin der Russischen Eisenbahnen AG (RZD)

    Von einfachen Sitzplätzen bis hin zu Luxusabteilen

    Insgesamt werden drei Züge mit jeweils 20 Wagen auf den Strecken Moskau-Berlin und Berlin-Moskau pendeln, darunter fünf Schlafwagen der zweiten Klasse (größtenteils mit Abteilen für vier Personen), vier Schlafwagen der ersten Klasse (mit Abteilen für zwei Personen), drei Wagen der ersten Klasse (mit VIP-Abteilen und barrierefreien Abteilen), zwei VIP-Wagen und zwei Sitzwagen. Zudem gibt es auch einen Speisewagen mit Büffet und einen Restaurantwagen.

    Von den hinteren Wagen hat man schon ein Stück dorthin zu laufen, denn der Zug hat eine Gesamtlänge von etwa 270 Metern.

    Immer fahrbereit und komfortabel

     Alexander Burjak, Chef eines Moskauer Bahndepots der Russischen Eisenbahnen AG (RZD)
    © Sputnik/ Hans-Georg Schnaak
    Alexander Burjak, Chef eines Moskauer Bahndepots der Russischen Eisenbahnen AG (RZD)

    Laut Burjak hat der Eisenbahnverkehr einen großen Vorteil im Vergleich zu Flugzeugreisen: „Tatsache ist, trotz der Wetterbedingungen, Vereisung oder sonst etwas fahren die Züge bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit.“

    Außerdem bräuchten „die Passagiere keine Extraausgaben, um zum Flughafen zu kommen. Man verliert keine Zeit an den Bahnhöfen, so wie das in den Flughäfen passiert. Dementsprechend muss man nur (zum Bahnhof – Anm. d. Red.) kommen, sich hinsetzen und losfahren. Außerdem ist der Zug perfekt für diejenigen, die unter Flugangst leiden“, sagte er.

    Vorhandene Kunden behalten und neue gewinnen

    Was zukünftige Kunden auf dieser Strecke betrifft, so hoffe RZD diese auch damit anzulocken, dass der neue Zug viel schneller als sein Vorgänger sei. Nun bräuchten die Reisenden nur rund 20 Stunden für die Fahrt von Moskau nach Berlin oder umgekehrt. Bisher waren es 25 Stunden.

    „Dieser Zug ist schneller, als der vorhandene, und genau damit werden wir diejenigen Passagiere behalten, die jetzt schon diese Strecke nutzen. Ich glaube, die Verringerung der Fahrzeit wird auch dazu beitragen, dass wir mehr Passagiere aus dem Bereich des Flugverkehrs anlocken werden“, so Burjak.

    Bereit zum feierlichen Start

    Zugbegleiterin vor dem Schnellzug Strizh für die Strecke Moskau-Berlin der Russischen Eisenbahnen AG (RZD)
    © Sputnik/ Hans-Georg Schnaak
    Zugbegleiterin vor dem Schnellzug Strizh für die Strecke Moskau-Berlin der Russischen Eisenbahnen AG (RZD)

    Währenddessen lernen die Zugbegleiter bereits fleißig Deutsch und Englisch, denn Basiskenntnisse in diesen zwei Fremdsprachen sind eine Voraussetzung für den Job. Für den 17. Dezember ist eine feierliche Aktion geplant. Im Gegensatz zu Seeleuten, die bei der Schiffstaufe traditionell eine Flasche Sekt am Schiffsrumpf zerschlagen, werde man hier ohne Schaumwein auskommen müssen.

    „Es wird beim Start des ersten Zuges am 17. Dezember eine feierliche Zeremonie geben. Die Tradition mit Sekt ist jedoch nicht so ganz für Eisenbahner, weil die Eisenbahn mit hoher Kontrolle und Sicherheit verbunden ist, und Alkohol ist für uns hier, denke ich mal, unpassend“, sagte der Depo-Chef abschließend.
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    Für die ersten Passagiere sind übrigens wesentliche Rabatte auf Fahrtkarten vorgesehen. Ansonsten beginnen die Ticketpreise ab etwa 120 Euro. Für diejenigen, die mit dem Zug von Berlin nach Moskau reisen wollen, eine wichtige Info – der erste Zug startet am 18. Dezember vom Ostbahnhof.

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