17:24 08 April 2020
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    Die ukrainische Redaktion des TV-Senders Euronews in Frankreich wird geschlossen. Die Mitarbeiter wollten in die russische Redaktion wechseln, aber der Sender will sie dort nicht anstellen, und zwar wegen ihrer ausgeprägten politischen Haltung. Nun protestieren die Journalisten unter dem Motto „Wir sind alle in einem Land – der UdSSR – geboren“.

    Die ukrainische Euronews-Redaktion wurde 2011 gegründet. Der Vertrag läuft 2017 ab. Gemäß diesem Vertrag muss die ukrainische Regierung Euronews fünf Millionen Euro für die Lizenz zahlen und seine Nachrichten auf dem führenden Fernsehsender der Ukraine, „Perschyj Nazionalnyj“ (zu Deutsch: Erster nationaler Sender), übertragen.

    Wegen mangelnder Finanzierung seitens der Ukraine will Euronews nun das Personal der ukrainischen Redaktion ab dem 1. Januar entlassen. Der Beschluss hat eine Protestaktion hervorgerufen. Außer finanziellen Problemen hat die ukrainische Redaktion aber auch politische, wie ein Euronews-Vertreter, der anonym bleiben wollte, in einem Interview mit Sputnik France erläuterte.

    „Die ukrainische Version des Senders wurde noch 2011 unter Janukowitsch auf der Welle der Eurointegrations-Erwartungen und dem damit zusammenhängenden Wirtschaftswachstum gestartet. Vor 2014 gab es zwischen den Mitarbeitern der russischen und der ukrainischen Abteilungen überhaupt keine Konfrontation – alle haben gearbeitet und praktisch den gleichen Inhalt produziert. Aber nach Februar 2014 wurde die ukrainische Redaktion viel politisierter und trat oft aus einem nationalistischen Standpunkt auf“, sagte er.

    Dies beziehe sich vor allem auf die Berichterstattung über den Konflikt im Osten der Ukraine und die Krim-Frage. Laut der Quelle sollte Euronews den Journalisten der ukrainischen Redaktion andere Stellen anbieten. So wollten diese in die russische Abteilung wechseln.

    „Die Forderung, die Mitarbeiter der ukrainischen Redaktion in die russische Abteilung zu versetzen, begründen sie (die ukrainischen Journalisten – Anm. d. Red.) mit der französischen Verfassung, gemäß welcher ein Mitarbeiter mit unbefristetem Vertrag bei seiner Entlassung ein Angebot entsprechend seiner Qualifikation erhalten muss. Die ukrainischen Euronews-Mitarbeiter beherrschen in der Tat russisch, jedoch alle auf unterschiedlichem Niveau – einige sprechen mit Akzent“, so der Vertreter des Senders.

    Der Hauptgrund aber, warum der Sender den Ukrainern keine Stellen in der russischen Redaktion anbieten kann, habe aber vor allem ethische anstatt professionelle Grundlagen.

    „Außer professioneller Eignung entsteht hier vor allem ein ethischer Konflikt: WGTRK (russische Medienholding-Gesellschaft – Anm. d. Red.) zahlt weiterhin die Lizenzgebühren (für die russische Redaktion – Anm. d. Red.) und wird gleichzeitig beschuldigt, dass sie sich in die Arbeit der Redaktion einmischt, und zwar von Menschen mit ausgeprägter politischer Haltung (den ukrainischen Journalisten – Anm. d. Red.), die den Sender auffordern, sie in der russischen Redaktion anzustellen“, sagte der Euronews-Sprecher.

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    Tags:
    Protest, WGTRK, Euronews, Russland, Ukraine, Lyon, Frankreich