22:15 21 Februar 2018
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    Schlafen im Zug wird unbequem: Bahn schafft Liegewagen ab – Hoffnung auf Fußball-EM

    © AFP 2018/ DPA / Jan Woitas
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    Am Wochenende startet der letzte Nachtzug der Deutschen Bahn aus Berlin. Nachtzüge sind unwirtschaftlich und nicht mehr zeitgemäß, lautet die Begründung des Bahnvorstands. Dem gegenüber steht die Meinung von Experten und der Bevölkerung. Die hält nach wie vor viel vom klimafreundlichen und komfortablen Reisen mit dem Nachtzug.

    Sabine Leidig, Mitglied der LINKE-Fraktion im Bundestag, setzt sich für den Erhalt der Nachtzüge ein. Ihre Erklärung für die Einstellung des Nachtzugverkehrs ist, dass die Verantwortlichen der Bahn AG scheinbar noch niemals mit dem Nachtzug gefahren sind. Die Fakten sprechen laut Leidig ganz klar für den Nachtzug. In einem Sputnik-Gespräch sagt sie:

    „Die Nachtzüge waren gut ausgelastet, wir haben da auch ganz konkrete und aktuelle Zahlen.“

    Nach Ansicht der Politikerin muss es einen anderen Grund geben, warum die DB die Nachtzüge loswerden wollte: „Es ist ein relativ aufwändiges Segment im Bahnverkehr. Zum einen braucht man bestimmte Waggons, die sind aber von der Deutschen Bahn AG auf Verschleiß gefahren worden, da hätte man jetzt Geld investieren müssen für neue Waggons. Zum anderen ist es so, wenn man die Nachtzüge „flügelt“, das heißt dass sie eine bestimmte Strecke komplett fahren und dann in unterschiedliche Richtungen abzweigen lässt, dann braucht man Rangiermöglichkeiten, die es auch gibt und auch Personal, das es auch gibt. Aber das alles fand das Management der DB AG viel zu umständlich — und das ist schade.“

    Die Bahn behauptet, sie würde weiterhin Nachtzüge anbieten. Damit ist jedoch der gewöhnliche „InterCityExpress“ gemeint, der dann zukünftig auch über Nacht fährt. Das dies ein schlechter Ersatz ist, liegt auf der Hand. Denn in einem Nachtzug kann man schlafen und morgens ausgeschlafen an einem anderen Ort ankommen – im Unterschied zu einem eher unkomfortabel Übernachten in einem ICE.

    Ein Teil der Strecken soll nun von den Schlafwagen der Österreichischen Bundesbahn übernommen werden. Diese würden laut Leidig erkennen, dass der Nachtzugverkehr ein Zukunftsfeld ist, der im Gegensatz zum Flugverkehr eine klimafreundliche Alternative für Europareisende darstellt. Vor allem für Reisende, die in die Skigebiete wollen.

    Doch warum wurden die Experten, die Bevölkerung und die Opposition nicht gehört? Sabine Leidig meint dazu:

    „Wir haben uns nach Kräften eingesetzt als Fraktion der Linken im Bundestag und auch die Grünen. Wir haben Anträge gestellt, wir haben Anhörungen organisiert und die Petition, die ja auch von 50 000 Leuten unterschreiben wurde, thematisiert.“

    Augenscheinlich gebe es in der großen Koalition ein Dogma, das besagt, dass die Deutsche Bahn AG ein eigenwirtschaftliches Unternehmen ist und die Politik sich nicht einmischen darf.

    Aber Leidig hat noch einen anderen Verdacht: „Ich glaube einfach, dass die Entscheider, also auch die Verantwortlichen im Ministerium und der Verkehrsminister, es einfach altmodisch finden und nichts übrig haben für eine solche Form des Reisens.“

    Man hätte die Erklärungen des Bahnvorstandes einfach akzeptiert und in den Debatten übernommen.

    Einen Hoffnungsschimmer gibt es jedoch laut Sabine Leidig immer noch: die Fußball-EM 2020, die in ganz Europa ausgetragen wird. Spätestens dann sei es an der Zeit, noch einmal über den Nutzen der Nachtzüge nachzudenken.

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    Deutsche Bahn, Sabine Leidig, Deutschland