19:57 18 September 2020
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    Kopfgeld auf U-Bahn-Treter „Was wäre, wenn die Frau schwanger gewesen wäre?“

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    Der Sicherheitsexperte Michael Kuhr aus Berlin hat ein Kopfgeld zur Ergreifung des U-Bahn-Treters von Neukölln ausgesetzt. 2000 Euro Belohnung für denjenigen, der der Polizei den entscheidenden Hinweis gibt. Sputnik hat mit Kuhr, der eine Security-Firma leitet, über die Aktion gesprochen.

    „Ich komme gar nicht zum Arbeiten, das Telefon steht nicht still!“ sagt Kuhr gleich zu Beginn des Gesprächs. Wie zig-Tausende Menschen in Deutschland  hatte der Security-Experte das Video einer Überwachungskamera des U-Bahnhofs in Berlin-Neukölln gesehen. Auf den Bildern schleicht sich ein Mann an eine junge Frau heran und tritt ihr ohne Vorwarnung in den Rücken. Sie stürzt eine metertiefe Treppe hinab.

    Der feige Angriff schockiert ganz Deutschland – auch Kuhr. „Ich will, dass der Täter so schnell wie möglich hinter Schloss und Riegel kommt. Was wäre, wenn diese Frau schwanger gewesen wäre?“ fragt der Security-Fachmann. Kuhr war so empört, dass er via Facebook ein Kopfgeld von 2000 Euro zur Ergreifung des Täters auslobte. Der Sicherheitsexperte besteht auf diesen Ausdruck: „Ich finde den Ausdruck Belohnung nicht so treffend, ich finde „Kopfgeld“ besser, der passt zu dieser Brutalität. Das ist kein Aufruf zur Selbstjustiz, absolut nicht! Der Mann soll der Polizei überführt und dann verurteilt werden!“ 

    Kuhr ist von dem Zuspruch und der Anzahl der Hinweise überwältigt. Auf Facebook haben über 17.000 Menschen seinen „Kopfgeld“-Beitrag geliked, er wurde über 7.400 Mal geteilt. „Es gibt fast 50.000 Menschen, die sich bei mir gemeldet haben. Ich komme fast nicht dazu, allen Hinweisen nachzugehen“, gesteht der Mann, der seit 30 Jahren im Sicherheitsgeschäft ist.  Es sei ihm egal, ob der Mann ein Deutscher, ein Chinese oder ein Flüchtling sei – wichtig sei nur, „dass er für diese brutale Tat bestraft wird!“ 

    Das sehen auch die Ermittler so. Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Berlin, findet es generell gut, wenn Privatpersonen mit Belohnungen die Arbeit der Sicherheitsbehörden unterstützten würden. So hätte ein anderer Berliner weitere 500 Euro Belohnung für Hinweise ausgesetzt, sagt er Sputnik. Nur den Ausdruck „Kopfgeld“ findet Steltner unpassend: „Der Begriff ist nicht treffend, weil der Täter noch nicht feststeht. Es geht hier darum, Hinweise zu finden, die zur Identität des Tatverdächtigen führen.“ Bei Mordfällen oder besonders schweren Raubdelikten, würde auch der Staat Belohnungen ausschreiben.

    Laut B.Z. hat ein anonymer Unternehmer ebenfalls 10.000 Euro ausgeschrieben. 5.000 Euro für den entscheidenden Hinweis auf den Täter und 5.000 Euro für das Opfer. „Damit die Frau Urlaub machen und sich von den Schmerzen erholen kann“, zitiert das Blatt den Spender. Der jungen Frau geht es nach Angaben von Staatsanwalt Steltner etwas besser: „Sie hat sich den Arm gebrochen. Aber es hätte bei dem Sturz auch das Genick sein können“, sagt Steltner. Sie habe sehr großes Glück gehabt bei dieser „extrem brutalen Tat.“

    Das komplette Interview mit Michael Kuhr finden Sie hier:

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    Tags:
    U-Bahn, Berlin