09:01 12 Dezember 2018
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    Eine Antonow An-124-100 Ruslan

    Luft-Transporte: Bundeswehr entscheidet zwischen Russland und Ukraine

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    Wegen der Auflösung des Joint Ventures Ruslan Salis muss Deutschland für die Bundeswehr-Transporte separate Verträge mit Russland und der Ukraine schließen. Doch die Preise unterscheiden sich massiv.

    Seit mehr als zehn Jahren fliegt Ruslan Salis mit ihren riesigen Antonow-Transportfliegern aus Sowjetzeiten für Deutschland und andere Nato-Länder deren Kriegsgerät in Krisengebiete. Wegen der Krise zwischen der Ukraine und Russland steht das Gemeinschaftsunternehmen vor dem Aus. Deshalb braucht es nun zwei Verträge; einen mit Russland und einen mit der Ukraine – weil nur sie den Transport-Service anbieten.

    "Die Antonov 124-100 kann 120 Tonnen Fracht rund 4.800 Kilometer weit fliegen — das ist rekordverdächtig“, schreibt Christian Thiels auf Tagesschau.de. „Der entsprechende Vertrag läuft zum Jahresende aus. Er muss also verlängert werden.“

    Dass die Bundeswehr auf die Frachtflugzeuge angewiesen ist, bestätigt auch Verteidigungsexperte Thomas Wiegold. „Die Bundeswehr selber hat keine Flugzeuge dieser Größe und wird auch keine Flugzeuge dieser Größe beschaffen. Das ist nicht geplant, das wäre auch finanziell illusorisch“, sagte Wiegold gegenüber dem MDR.

    Anfang Dezember warnte der ukrainische Außenminister Pawel Klimkin Nato-Vertreter in Brüssel davor, mit Russland zusammenzuarbeiten. Klimkin gab sich selbstsicher: „Wir haben genug Kapazität, um den Grundbedarf der Nato zu decken.“ „Alle unseren Verbündeten sind sehr positiv eingestellt, eben den ukrainischen Lufttransport in Anspruch zu nehmen“, beteuerte er.

    Doch die Ukrainer lassen sich ihre Dienste ziemlich üppig bezahlen, berichtet tageschau.de unter Verweis auf den 25-seitigen Vertrag. Pro Flugstunde wolle das Antonov Design Bureau 37.509 Euro haben. Die Russen verlangten dagegen 23.341 Euro. Darüber hinaus hat die Ukraine nicht genug Flugzeuge.

    Ukrainer verlangen mehr Geld

    „Etwas verwunderlich ist, dass die Preisgestaltung der beiden Firmen beim Einsatz des gleichen Flugzeuges so unterschiedlich ist – der eine Anbieter ist pro Flugstunde gleich mehrere Tausend Euro teurer als der andere“, sagte Tobias Lindner (Die Grünen), Mitglied des Verteidigungs- und Haushaltsausschusses, im Gespräch mit tagesschau.de.

    Hinzu kommt, dass die Ukraine zu wenig Flugzeuge hat und seit diesem Jahr keine neuen mehr baut: Der in Kiew ansässige „Wissenschaftlich-technische Antonow-Komplex für Luftfahrt“, einst einer der prominentesten Flugzeugbauer der Sowjetunion, hat in diesem Jahr das Fließband stillgelegt. Weil die ukrainische Regierung die Zusammenarbeit mit Russland gekappt hat, um sich der EU zuzuwenden, bekommt Antonow keine Bauteile mehr aus dem Nachbarland. In dieser Woche forderte der Flugzeug-Hersteller von der Kiewer Regierung Subventionen in Höhe von 703,2 Millionen US-Dollar.

    Zusammenarbeit nur mit Russland unmöglich

    Nur mit der russischen Seite zu verhandeln sei nicht möglich gewesen, heißt es in einer Begründung des deutschen Verteidigungsministeriums, die als „vertraulich“ eingestuft ist und tagesschau.de vorliegt. Die Russen hätten nämlich bei vielen Ländern keine Überflugrechte. Ohnehin gebe es „keine reale wirtschaftliche Alternative zu SALIS“. Auch die pannenbehafteten A400M-Transportmaschinen, die die Bundeswehr bei Airbus bestellt hat, wären schlicht zu klein – wenn sie denn überhaupt in ausreichender Stückzahl und verlässlicher Qualität geliefert würden, muss man wohl hinzufügen.

    Russland konzipiert unterdessen einen neuen Riesentransporter: Die PAK TA soll mit einer Tragfähigkeit von 200 Tonnen (Antonov 124-100 kann 120 Tonnen transportieren) das schwerste und zugleich das schnellste Frachtflugzeug der Welt werden.

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    Tags:
    An-124, Flugzeugbauer KB Antonow, Bundeswehr, NATO, Deutschland, Russland