13:15 22 November 2019
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    Mann trinkt Wodka auf der Straße

    Alko-Massensterben: Dutzende Sibirier saufen sich mit Badezusatz tot

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    Im sibirischen Irkutsk haben sich mehr als 70 Menschen mit giftigem Badekonzentrat als billigen Alkoholersatz ins Jenseits getrunken. Weitere 50 Opfer schweben in Lebensgefahr und werden ärztlich behandelt. Jährlich werden in Russland Tausende ähnliche Todesfälle registriert. Allerdings ist die Rate rückläufig.

    Nach Angaben der Ärzte waren am Wochenende insgesamt 57 Menschen wegen derartiger Vergiftungen eingeliefert worden, die meisten bereits im Koma. Sie alle sollen Weißdorn-Badekonzentrat konsumiert haben, welches mit giftigem Metyhalkohol und Frostschutzmittel versetzt war.

    Weißdorn (Crataegus) ist wegen seiner gefäßerweiternden Wirkung in vielen russischen Apotheken erhältlich, darunter auch als alkoholhaltiger Likör. Vor allem ihr niedriger Preis macht die hochprozentige Tinktur bei Alkoholsüchtigen beliebt — als billigen Wodka-Ersatz.

    ​Doch die Opfer in Irkutsk hatten nicht Likör, sondern nicht zum Verzehr bestimmtes Badekonzentrat zu sich genommen, und dabei auch noch ein illegal hergestelltes, wie Anna Popowa, Chefin der Verbraucherschutzbehörde mitteilte.

    Wegen der Vergiftung haben die Irkutsker Behörden nun den Ausnahmezustand in der Stadt ausgerufen: Der Verkauf sämtlicher alkoholhaltiger Hygiene-Mittel wurde bis auf Weiteres verboten. Die Fahnder nahmen nach eigenen Angaben bereits mehr als 2000 Fläschchen mit Weißdorn-Flüssigkeit aus dem Umlauf und fünf mutmaßliche Verkäufer des giftigen Badezusatzes fest. Zudem wurde eine Fabrik entdeckt, in der die Substanz ohne Genehmigung hergestellt worden sein soll.

    Der russische Regierungschef Dmitri Medwedew bezeichnete die Massenvergiftung in Irkutsk als eine Tragödie. Er beauftragte das Kabinett, die Gesetze zum Handel mit alkoholischen Flüssigkeiten zu verschärfen. Auch das Vorgehen gegen gepantschten Alkohol müsse intensiviert werden. Der Vertrieb solcher Präparate müsse verboten werden.

    Laut amtlichen Statistiken haben sich allein von Januar bis Oktober dieses Jahres mehr als 6900 Menschen in Russland mit gepanschtem Alkohol sowie mit alkoholhaltigen, jedoch nicht zum Verzehr bestimmten Flüssigkeiten tödlich vergiftet, immerhin weniger als im Vergleichszeitraum vergangener Jahre. Putzmittel, Frostschutzmittel oder Bremsflüssigkeit, die als billiger Wodka-Ersatz getrunken werden, enthalten oft statt Ethanol hochgiftiges Methanol, das auch bei geringen Mengen zu Erblindung führt, während schon 80 Milliliter tödlich sein können.

    Sergej Pirogow

    Alko-Massensterben: Dieses Weißdorn-Badekonzentrat soll in Irkutsk Dutzenden Menschen das Leben gekostet haben
    © Foto : Innenministerium Russlands
    Alko-Massensterben: Dieses Weißdorn-Badekonzentrat soll in Irkutsk Dutzenden Menschen das Leben gekostet haben
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    Tags:
    Vergiftung, Alkohol, Wodka, Irkutsk, Sibirien, Russland