22:41 20 November 2018
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    Weihnachtsmarkt (Symbolbild)

    Weihnachtsmärkte schließen? GdP-Chef Radek nimmt Stellung

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    Lkw-Anschlag auf Berliner Weihnachtsmarkt (111)
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    Ist Deutschland ausreichend auf terroristische Anschläge vorbereitet? Jörg Radek, der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), ist für eine Erhöhung der Sicherheitsmaßnahmen, betont jedoch in einem Interview mit Sputnik, dass man dem Terror nicht seine Lebensweise unterordnen dürfe.

    Allein in Deutschland gibt es mehr als 2.100 Weihnachtsmärkte, in Berlin sind es über hundert. Eine hundertprozentige Sicherheit gegen Terrorismus könne die Polizei nicht gewährleisten, räumt der GdP-Chef ein: „Wir können keine hundertprozentige Sicherheit gegen Terrorismus geben, das geht nicht, aber wir müssen aufpassen, dass wir zu 100 Prozent die Zivilgesellschaft schützen“.

    Dabei zählen Radek zufolge Weihnachtsmärkte zu „weichen Zielen“, die man „mit noch so viel Personal nicht zu 100 Prozent“ schützen könne. Die Polizeipräsenz soll dennoch tageweise erhöht werden – für einen verstärkten Personaleinsatz über Wochen hinweg würden die Ressourcen aber nicht reichen.

    Gleichzeitig werde jetzt geprüft, ob Zugangskontrollen zu Weihnachtsmärkten wie an den Flughäfen eingerichtet werden sollen. Dabei verwies Radek darauf, dass „jede Sicherheitsmaßnahme nicht nur die Sicherheit erhöht, aber auch psychologisch die Unsicherheit“. Man müsse „Maß und Mitte“ behalten, um die Bevölkerung nicht zusätzlich zu verunsichern.

    Weihnachtsmärkte zu schließen, wäre allerdings ein völlig falscher Ansatz. „Das wäre ein Kniefall vor den Gewalttätern, das sollten wir auf keinen Fall machen“, ist Radek überzeugt.

    Von einem Kriegszustand zu sprechen, so wie es Klaus Bouillion (CDU), der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, tat, sei allerdings „völlig unangemessen“. Zwar müsse man sich bewusst werden, dass Deutschland nach wie vor Anschlagsziel sei, doch dürfe man sich nicht die Handlungsweisen der Terroristen aufzwingen lassen, schließt der GdP-Vorsitzende.

    Am 19. Dezember raste ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz an der Gedächtniskirche in Berlin. Zwölf Menschen kamen ums Leben, mindestens 50 wurden teils schwer verletzt.

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    Weihnachtsmarkt, Polizei, Anschlag, Terror, Sicherheit, Deutsche Polizeigewerkschaft, Jörg Radek, Berlin, Deutschland