11:45 16 Juni 2019
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    "Überwältigende Indizien" zu russischen Hackern: Brief von Ex-Geheimdienstlern

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    Die Hysterie um die angebliche Cyber-Einmischung Russlands in die US-Wahl nimmt weiter zu. Doch warum gelingt es den US-Nachrichtendiensten nicht, handfeste Beweise zu erbringen? Ex-US-Geheimdienstler liefern nun die Antwort in einer Denkschrift, die unlängst auf dem Portal „Consortium News“ veröffentlicht wurde.

    „Im Folgenden bedienen wir uns unserer Erfahrung, die wir über Jahrzehnte in hochrangigen Positionen mit einem Schwerpunkt in den Bereichen Cyber-Aufklärung und —Sicherheit gesammelt haben, um den Nebel aus Unwissen und Parteilichkeit zu lichten“, heißt es in der Denkschrift.

    Das Original wurde von den namhaften ehemaligen NSA- bzw. CIA-Mitarbeitern William Binney, Mike Gravel, Larry Johnson, Ray McGovern, Elizabeth Murray, und Kirk Wiebe verfasst.

    Hackerangriffe, die keine waren

    In einem Bericht der „New York Times“ vom 12. Dezember hieß es, die CIA glaube aufgrund „überwältigender Indizien“, dass Russlands Präsident Wladimir Putin persönlich die Hackangriffe auf US-Server koordinierte, um Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentschaftswahl zu verhelfen. 

    Wie die Ex-Geheimdienstler nun aber betonen, fehlt dem Bericht jeglicher Beweis. Für sie sei es ein „Kinderspiel“, diese Behauptungen zu widerlegen. Die E-Mail-Enthüllungen seien nämlich das Ergebnis eines Leaks, und keines Hackerangriffs.

    Dabei konkretisieren sie den Unterschied: Man spreche von einem Leak, wenn jemand physisch Daten einer Organisation entnehme, z.B. mittels USB-Stick, und diese dann einer anderen Person oder Organisation übergebe, wie es einst beispielsweise der Whistleblower Edward Snowden tat. Bei einem Hackangriff durchdringt hingegen jemand von außen Betriebssysteme, Firewalls oder andere IT-Schutzsysteme, um Daten zu entnehmen. 

    Laut den Ex-Geheimdienstlern deuteten alle Anzeichen auf einen Leak hin. „Wenn es sich um Hackerangriffe gehandelt hätte, dann wüsste das die NSA – und würde sowohl Absender als auch Empfänger kennen“, heißt es weiter in dem Dokument.

    NSA verrät sich selbt

    Die NSA besitzt umfassende Fähigkeiten zur Rückverfolgung von E-Mails, da sie einen „beispiellosen Zugang zu Daten, die innerhalb der USA fließen und in die übrige Welt hinausgehen, sowie zu Daten, welche die USA überqueren“  besitze.

    Sämtliche Daten, die von Servern des Democratic National Committee (DNC) verschickt werden, werden demnach von der NSA in kleinen Segmenten, sogenannten Paketen, gesammelt. Die darin enthaltenen Erfassungsquellen würden es ermöglichen, die Datenübertragung durch das Netz aufzuspüren und zu verfolgen.

    Darum wüsste die NSA, wo und wie irgendwelche gehackten E-Mails von den DNC-Servern durch das Netz geleitet worden wären. Dass die Sprecher von US-Nachrichtendiensten häufig ihre Aussagen mit Phrasen wie „unsere starke Vermutung“ oder „unserer Einschätzung nach“ etc. relativierten, zeige nur noch deutlicher, dass die angeblich gehackten E-Mails nicht über das Netz aufgespürt werden können. Und das bedeute wiederum, dass die angeblich gehackten Server der Demokraten in Wirklichkeit gar nicht gehackt worden seien.

    „Daher folgern wir, dass ein Insider die E-Mails durchsickern ließ“, so die Ex-Geheimdienstler. „Ein solcher Insider könnte jeder in einem Ministerium oder einer Behörde sein, der Zugang zu NSA-Datenbanken hat, oder eventuell jemand innerhalb des DNC.“

    „Angesichts dessen, was wir über die bestehenden Fähigkeiten der NSA wissen, ist es völlig unglaubwürdig, dass die NSA nicht in der Lage wäre, jeden – ob Russe oder nicht – zu identifizieren, der versuchen würde, durch Hacking in eine US-Wahl einzugreifen.“

    Der Dreck auf Hillary – Made in rUSsia
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    Made in Russia

    Im Oktober hatte das US-Innenministerium die russische Regierung der Beteiligung an Hackerangriffen beschuldigt, die vor den Wahlen auf US-Politiker und Parteien verübt worden sein sollen. Daraufhin hatte Russlands Präsident Wladimir Putin im Interview mit der Agentur Bloomberg mitgeteilt, Moskau beschäftige sich nicht mit Hacker-Angriffen auf Staatsniveau und habe mit den Angriffen nichts zu tun. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow ergänzte, Washington solle seine an Moskau gerichteten Vorwürfe entweder einstellen oder stichhaltige Beweise vorlegen. „Sonst sieht das sehr unanständig aus“, gab er an.

    Im Sommer des laufenden Jahres hatte die Enthüllungsplattform WikiLeaks mehr als 19.000 interne E-Mails der Demokraten veröffentlicht. Diese Korrespondenz zeugte davon, dass die Parteifunktionäre bei den Präsidentschaftsvorwahlen, allen Regeln zum Trotz, Hillary Clinton zu Ungunsten ihres Konkurrenten Bernie Sanders ihre Unterstützung zusicherten. Die Verantwortung für die Cyber-Attacke auf die Server der US-Demokraten hat angeblich der Hacker Guccifer 2.0 übernommen.

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    Tags:
    Leak, Cyber-Attacke, Hackerangriff, US-Geheimdienst NSA, WikiLeaks, CIA, William Binney, Ray McGovern, Hillary Clinton, Edward Snowden, Dmitri Peskow, Wladimir Putin, USA, Russland