15:42 29 November 2020
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    Der aus Kirgistan stammende 28jährige Iache Maschrapow gilt als Verdächtiger im Fall des Silvester-Anschlags auf den Istanbuler Nachtclub Reina. In einer Videobotschaft wies er aber alle Anschuldigungen zurück: Er behauptet, zum fraglichen Zeitpunkt gar nicht in der Türkei gewesen zu sein.

    Sputnik Deutschland hat Kontakt mit Taalay Oroskulov, Sputnik-Korrespondent in Kirgistan, aufgenommen. Laut seinen Informationen überprüfen die türkischen und die kirgisischen Behörden den Hinweis, während über die Identität des Verdächtigen nach wie vor spekuliert werde. Mittlerweile verbreiten Medien teils widersprüchliche Angaben zur Nationalität und Staatsangehörigkeit des mutmaßlichen Täters: Erst hieß es, er sei Kasache, dann Kirgise, später Uigure.

    Inzwischen soll ein Video aufgetaucht sein, in dem sich der Verdächtige selbst zu Wort meldet und die Anschuldigungen zurückweist.

    „Im Netz ist ein Video aufgetaucht, wo er seine Beteiligung am Terroranschlag dementiert. Außerdem sagt er, dass er zum Zeitpunkt des Anschlags in Kirgistan war. Er sagt, er komme aus Kara-Suu und besuche die Türkei nur, um Waren für seinen Handel einzukaufen. Dieses Business betreibe er seit 2011. Am 31. Dezember sei er in Kirgistan gewesen und habe mit Freunden in einem Café gegessen“, sagt Oroskulov im Gespräch mit Ilona Pfeffer.

    Doch wie soll Maschrapow ins Visier der Fahnder und sein Pass in die Medien gelangt sein?

    „In seinem Video erklärt  Maschrapow, dass er beim Überqueren der türkischen Grenze auf dem Rückweg nach Kirgistan von der Polizei überprüft wurde. Er habe seinen Pass vorgezeigt und dieser sei aus irgendeinem Grund abfotografiert worden. Ansonsten sei die Überprüfung problemlos abgelaufen und er sei nach Kirgistan zurückgekehrt. Solange wir aber keine gesicherte Information von offiziellen Stellen haben, können wir dazu nichts Genaueres sagen.“

    Während in den Medien Gerüchte kursieren und die staatlichen Stellen keine Informationen rausgeben, spricht man in den kirgisischen Sozialen Netzwerken von Korruption.

    „In den sozialen Netzwerken sprechen einfache Bürger und Experten davon, dass die Korruption eine Rolle spielen könnte – der Pass war nur drei Monate alt“, fügte Oroskulov hinzu. „Es könnte sich auch um einen gefälschten Pass handeln. Es wäre nicht das erste Mal, dass Terrorverdächtige oder sonstige Kriminelle mit kirgisischen Pässen reisten. In Russland, der Türkei und Europa sind solche Pässe aufgetaucht. Warum gerade kirgisische, ist nicht ganz klar. Da Kirgistan zur Eurasischen Wirtschaftsunion gehört und seine Bürger z.B. in Russland dadurch gewisse Privilegien haben, lässt sich die Verwendung der Pässe zumindest auf Russland bezogen erklären. Sie werden nicht überprüft und können sich frei bewegen. Auch in der Türkei ist man zu kirgisischen Staatsbürgern freundlicher als zu Staatsbürgern anderer GUS-Länder.“

     

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    Tags:
    Spekulationen, Identität, Tatverdächtige, Medien, Anschlag, Istanbul, Türkei