Widgets Magazine
17:15 15 Oktober 2019
SNA Radio
    Polizei in Köln

    „Nafri“-Debatte - MdB Movassat: Sexismus lässt sich nicht durch Rassismus bekämpfen!

    © AFP 2019 / Roberto Pfeil
    Panorama
    Zum Kurzlink
    847115
    Abonnieren

    Racial Profiling als Mittel gegen sexuelle Übergriffe geht für den Linke-Abgeordneten Niema Movassat zu weit. Er fordert stattdessen mehr Transparenz bei den Sicherheitsbehörden, damit es in Deutschland „nicht zu amerikanischen Verhältnissen“ kommt.

    Während die einen den Silvestereinsatz der Kölner Sicherheitskräfte dafür loben, dass sie massive sexuelle Übergriffe wie in der vorangegangenen Silvesternacht durch ihr entschlossenes Vorgehen haben verhindern können, werfen die anderen der Polizei Racial Profiling vor. Auch Movassat sieht den Einsatz der Polizei kritisch.

    „Mein Eindruck ist, dass die Kontrollen ausschließlich aufgrund des Erscheinungsbildes der Personen stattfanden – also aufgrund von Haarfarbe, Hautfarbe, Herkunft. Das ist Racial Profiling und verstößt gegen das Grundgesetz, und das ist, was ich kritisiere.“
    Auch den Begriff „Nafris“, den die Polizei bei Twitter als Kürzel benutzt und damit eine bundesweite Debatte ausgelöst hatte, findet Movassat nicht hinnehmbar.

    „Nafri meint ja nicht nur Nordafrikaner. Im Polizeijargon heißt das vielmehr „Nordafrikanischer Intensivstraftäter“. Wenn man nun Personen, die der Kontrolle erst zugeführt werden sollen, schon als Nafri, also als Straftäter bezeichnet, dann nimmt man im Prinzip das Ergebnis der Kontrolle vorweg. Das ist unsachlich“, so Movassat.

    „Von dem Begriff kann ausgehen, dass eine Verallgemeinerung stattfindet, wo der Nordafrikaner als Straftäter dargestellt wird. Den Nordafrikaner gibt es gar nicht – das sind unterschiedliche Staaten mit unterschiedlichen Gesellschaften. Außerdem ist nicht jeder Nordafrikaner ein Straftäter, genauso wenig, wie jeder deutsche, alleinstehende männliche Urlauber, der nach Thailand reist, ein Sextourist ist.“

    Man könne nicht den Weg der einen Diskriminierung wählen, um eine andere Diskriminierung zu bekämpfen, betont der Abgeordnete im Gespräch mit Sputnik-Korrespondentin Ilona Pfeffer.

    „Die Frage ist, ob man Sexismus durch Rassismus bekämpfen kann – ich sage, das kann man nicht. Deswegen habe ich wenig Verständnis dafür, wenn jemand Racial Profiling lobt.“

    Der Blick in die USA zeige, wie weit Racial Profiling führen könne. Die Auswirkungen von systematischem Racial Profiling seien verheerend und am Beispiel von Ferguson sehe man, dass es dadurch zu massiven Unruhen zwischen Schwarzen und Weißen gekommen und die Stadt in Chaos versunken sei. Racial Profiling könne daher nicht der richtige Weg sein, erklärt Movassat.

    „Deshalb finde ich es wichtig, dass Polizeiarbeit so weit wie möglich transparent stattfindet, dass Sicherheitsbehörden auch kritisiert werden können und dass sie auch im Nachhinein ihre Verhaltensweisen begründen müssen, damit sich die Öffentlichkeit ein Bild machen kann.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Kölner Hauptbahnhof nach Bombendrohung geräumt - Sperrung aufgehoben
    Kölner Silvesternacht: Hälfte aller Verfahren eingestellt
    Kölner Silvesterübergriffe: Nur sechs Täter verurteilt bei 1205 Strafanzeigen
    „Polizisten guckten und taten nichts“: Erkenntnisse zu Kölner Silvesternacht - Studie
    Tags:
    Rassismus, Polizei, Thailand, Deutschland, USA