11:01 26 Februar 2017
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    Zehn Jahre iPhone und die gefährlichen Folgen der Smartphones

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    Das iPhone feiert sein zehnjähriges Jubiläum, Smartphones sind aus dem Leben gar nicht mehr wegzudenken. Aber man vergisst darüber leicht die schädlichen Auswirkungen neuer Technologien. Und die sind Studien zufolge vor allem für Heranwachsende fatal.

    Seit 10 Jahren gibt es nun schon das iPhone – für ein Gerät gar keine schlechte Dauer, ein rundes Jubiläum. Aber das iPhone wurde auf den Markt geworfen, ohne dass sich jemand Gedanken darüber gemacht hätte, welche Auswirkungen seine Nutzung für Menschen haben könnte. Die Folgen werden nachträglich festgestellt. In einem Sputnik-Interview mit Valentin Raskatov äußerte sich der Psychiater Prof. Manfred Spitzer vom Universitäts-klinikum Ulm zu den negativen Auswirkungen solcher Geräte wie iPhone und iPad und dem ständigen Aufenthalt in den Social Media.

    „Das iPhone hat nicht zufällig den Siegeszug um die Welt angetreten – und zwar so schnell wie keine andere technische Neuerung jemals“, betont Prof. Spitzer. „Es passt nämlich wie der Topf auf den Deckel auf bestimmte menschliche Verhaltensweisen. Menschen sind – um es mal salopp zu sagen – Informationsjunkies, die sind neugierig und zwar vor allem im sozialen Bereich. Das liegt daran, dass jemand, der vor 100.000 Jahren nicht wusste, „wer mit wem, warum und wieso“, dass der sowieso keine Nachkommen hatte und von dem stammen wir also nicht ab. Deswegen interessiert uns das Soziale bis zu einem Grad, der jetzt die ganze Sache pervertiert hat: Wenn mir 150 Freunde täglich schicken, dass sie gerade Gummibärchen essen oder dergleichen, dann ist es natürlich völlig irrelevant und lenkt uns ab. Das ist das Hauptproblem, diese permanente Ablenkung, mit der Erwachsene vielleicht noch halbwegs umgehen können, indem sie sagen: Ich schalt jetzt das Ding ab oder lege es weg, weil ich mich konzentrieren muss.“

    Zu einem großen Problem werden solche Technologien nach Spitzer vor allem bei jungen Menschen. „Im Gegensatz zu Erwachsenen fehlt Schülern oder jungen Menschen noch die Gehirnstruktur, die ein Ziel vorgibt und anderes ausblendet, um unabgelenkt arbeiten zu können. Die ist noch gar nicht ausgebildet. Die reift gerade heran und zwar dadurch, dass man sie benutzt, genauso wie unsere Beinmuskeln dadurch besser werden, dass wir laufen und sie benutzen. Wenn wir es aber gar nicht mehr schaffen, selber ein Ziel zu formulieren, weil wir auf unser iPhone nur noch re-agieren; und wenn wir Ziele nicht mehr durchziehen können, weil wir dauernd dabei gestört werden; dann kann diese Funktion sich nicht mehr ausbilden. Man nennt diese Funktion Willensbildung oder exekutive Kontrolle und wir wissen von ihr, dass sie mithin das Wichtigste ist, was ein Mensch lernen kann. Sie ist für Einkommen, Lebensglück, Gesundheit, Lebenslänge extrem wichtig, wichtiger als der IQ. Das kann sich nicht mehr richtig entwickeln. Und das sind natürlich heftige Nebeneffekte.“

    Wozu so eine fehlgeleitete Willensbildung führen kann, zeigt ein Beispiel Spitzers deutlich: „Ein Kind steht vor dem Aquarium und macht die Hände auf und wundert sich, dass der Fisch nicht größer wird – solche Sachen hat man mittlerweile erlebt und das ist natürlich nicht gut. Solche Kinder sind ja nicht besonders schlau, sondern unendlich verarmt. Denn es ist eine einzige Bewegung, von der man dann vermeintlich weiß, dass sie größer und kleiner machen bedeutet. Aber das tut sie ja nicht. Nur in der Interaktion mit diesem einen Werkzeug tut sie das und ob es in 20 Jahren das wichtigste unserer Werkzeuge sein wird, kann man heute mit Fug und Recht bezweifeln.“

    Bestimmte Formen der Smartphone-Nutzung sind aber nicht nur für die Entwicklung schädlich, sie sind sogar als eine wirkliche Sucht anzusehen. „Sucht ist niemals die Menge der konsumierten Substanz oder die zeitliche Erstreckung des entsprechenden Verhaltens“, erklärt Spitzer. „Die Frage der Sucht ist: Kann ich es einfach noch sein lassen, ohne dass ich depressiv, aggressiv oder angespannt werde oder Angst bekomme? Wie oft mache ich das Verhalten spontan, ohne dazu einen besonderen Anlass zu haben? Jugendliche schauen auf ihre Smartphone 150-250 Mal. Das ist auf jeden Fall schon eine Vorform der Sucht. Nehmen wir ein Extrembeispiel: In Südkorea beträgt die Häufigkeit der Smartphonesüchtigen im Alter von 10 bis 19 31 Prozent. Und wir sind auf dem Weg dahin. Vor zehn Jahren lagen Internet- und Computersüchtige bei uns bei ein-zwei Prozent. Der Wert der Süchtigen nach Smartphones liegt auch hierzulande schon bei acht Prozent.“

    Und es gibt auch bei dieser Sucht die typischen Folgen des Konsums. „Wir haben hier ganz klare Nebenwirkungen: Ängste, Depressionen – je mehr Sie ihr Smartphone nutzen, desto depressiver werden Sie – bis hin zu Aufmerksamkeitsstörungen. Und dann der ganze körperliche Bereich: Wir haben smartphonebedingte Kurzsichtigkeit bis hin zu hohem Blutdruck – wenn Sie mit dem Smartphone ins Internet gehen, dann ist die Chance, dass Ihr Blutdruck steigt erhöht. Bei 25 Stunden die Woche ist er doppelt so hoch wie bei ein paar Stunden“, so Spitzer.

     „Wir haben noch nicht gelernt mit diesem neuen Medium umzugehen“, erklärt Prof. Spitzer unseren aktuellen Umgang mit den Geräten. „Jede technische Neuerung fordert uns Menschen heraus. Einerseits erfinden wir die, andererseits fällt uns das irgendwann auf die Füße. Als die Röntgenstrahlen erfunden waren, haben sich die Leute auf Parties gegenseitig geröngt, bis dann klar war, wie furchtbar das ist.“

    Er gibt sich aber, was die Zukunft betrifft zuversichtlich: „Ich gehe davon aus, dass wir auch lernen werden, ab welchem Jahr die Exposition von Smartphones sinnvoll ist. Dass zum Beispiel in Deutschland die Zwei- bis Vierjährigen im Durchschnitt schon zwei Stunden täglich ein Smartphone nutzen – das kann nicht gut sein und wir sollten das massiv eindämmen. Das ist nämlich nicht „Vorbereiten auf die Arbeitswelt“, wie es uns immer verkauft wird, sondern das ist süchtig machen. Abgesehen davon lernen die, wenn sie über eine Oberfläche wischen, nicht, mit der Welt umzugehen. Die lernen etwas, was sie im Moment noch nicht brauchen können. Und so eine spiegelglatte Oberfläche mit immer der gleichen Handbewegung keine Erziehung für unser taktiles oder unser senso-motorisches System, sondern im Gegenteil: eine Verdummung, weil ich eine Tasse anders anfassen muss als einen Griffel oder einen Löffel und genau das muss ich lernen, indem ich Umgang mit den realen Dingen habe. Genau deswegen müssen Lernprozesse in der frühen Kindheit stattfinden, damit das Denken später darauf aufbauen kann. Wenn einem mal klar ist, dass die Menge an Fingerspielen im Kindergartenalter mit der Fähigkeit für Mathematik mit Zwanzig zusammenhängt, dann wird klar, dass ich im Kindergarten Fingerspiele machen muss und nicht iPads bedienen darf.“

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    Tags:
    smartphone, iPhone, Apple, USA
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    Alle Kommentare

    • Isnogud
      Ein Schelm, wer denkt es gäbe in der Icloud auch nur einen Funken von Privatssphäre oder gar Datenschutz.
    • avatar
      joergAntwort anIsnogud(Kommentar anzeigenKommentar ausblenden)
      Isnogud, Sie müssen das einfach nicht nehmen, das Smartphone war früher mal ein Handy , also ein Telefon für Notfälle. Heute muss man 24 Stunden am Tag erreichbar sein , ebenso muss man die Welt mit Selfies beglücken . Morgens wenn die Schüler zum Schulbus gehen, im Wartezimmer eigentlich überall sind die Leute damit am Gange. Natürlich kostet das Ganze auch Geld , aber das hat man ja zum günstigen Tarif bei einem Vergleichsportal. Das Smartphone ebenso den Vertrag hat man da auch her und das alles zum unglaublichen Preis. Wenn man ehrlich ist ,das Geld könnte man anderswo wesentlich sinnvoller gebrauchen, aber man will ja "in" sein und man ehrlich: können Sie es sich erlauben nicht immer das neueste um beste Smartphone zu haben? Was denken denn ihre Freunde von ihnen. Das mit der Sicherheit und dem Datenschutz, nun das verdrängen wir mal
    • altes.fachbuch
      die evolution kehrt sich um. die affen sind die vollkommeneren menschen!!!
    • avatar
      hvatzigen
      Lacher das wirkt nicht nur bei Kindern,
      auch bei Erwachsenen.
      Habe da praktische Erfahrungen aus der Zeit,
      als die ersten billigen Mobiltelephone
      Alltag wurden.( Binn da nicht alleine mit der Erfahrung,
      die meisten haben es einfach vergessen.)
      Beispiel Beruf, Lacher.
      Das dauerte grad eben eine Woche, dann
      war das Hirn bei gewissen Zeitgenossen,
      zur Hälfte ausser Betrieb, im Eimer.
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