09:26 22 Februar 2020
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    Auf Kosmetika müssen alle Inhaltsstoffe angegeben werden, doch oft weiß der Verbraucher nicht, was hier eigentlich bedenklich ist. Bei Spielzeug ist nicht einmal die Angabe von Giftstoffen Pflicht. Die App ToxFox vom BUND klärt Verbraucher über solche Produkte auf – und übt Druck auf Hersteller aus.

    In vielen Produkten sind Giftstoffe enthalten. Vor allem zugesetzte Hormone sind gesundheitlich nicht unbedenklich. Manchmal werden die Stoffe auf den Produkten ausgewiesen, manchmal auch nicht. Damit der Verbraucher sich leichter über enthaltene Giftstoffe in Produkten informieren kann, gibt es die App ToxFox vom BUND (kurz für: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e. V.). In einem Sputnik-Interview mit Valentin Raskatov erklärt Ulrike Kallee, Chemikalienexpertin bei bund.net die Funktionsweise und den Nutzen dieser App.

    „Es ist so, dass viele Produkte mit Schadstoffen belastet sind, darunter auch Kosmetika. Und in Kosmetika findet man unter anderem hormonell bedingte Schadstoffe“, erklärt Kallee. „Das wissen wir beim BUND schon lange, aber viele Verbraucher wissen es nicht und da kam uns die Idee zu dieser App. Von dieser wird man darauf hingewiesen, ob hormonelle Schadstoffe in einem Produkt enthalten sind. Dazu muss man einfach nur den Barcode scannen und dann erkennt ToxFox automatisch das Produkt und guckt in der Inhaltsliste nach, ob bestimmte Stoffe enthalten sind, zum Beispiel Parabene. Wenn das so ist, dann wird einem das sofort gesagt, dann leuchtet ein Ausrufezeichen auf. Da wird dann auch erklärt, was das Problem mit dem Stoff ist. Wenn nichts drin ist, bekommt man einen grünen Haken.“

    Und wie ist es um die Datenbank von ToxFox bestellt? "Zum einen ist es so, dass Sie selbst Produkte eintragen können. Bei Kosmetikprodukten ist es ja tatsächlich so, dass außen drauf steht, was drin ist“, berichtet die Chemikalienexpertin. „Wenn Sie also ein Produkt scannen und die Antwort bekommen: „Es tut uns leid, wir haben das Produkt noch nicht in der Datenbank“, dann können Sie auf eine bestimmte Seite gehen, wo Sie das einfach den Produktnamen und alle Inhaltsstoffe eingeben können. Das ist danach in ToxFox für jeden Nutzer enthalten. Außerdem haben wir im Oktober die App noch erweitert um andere Produkte, zum Beispiel um Spielzeug. Nun ist das beim Spielzeug ein bisschen komplizierter, da gibt es nämlich keine Liste außen drauf. Da müssen Sie erst eine Anfrage an den Hersteller schicken, ob bestimmte Schadstoffe enthalten sind. Der muss Ihnen antworten. Viele können allerdings mit der Antwort nichts anfangen. Deswegen haben wir die App jetzt so erweitert, dass die Verbraucher eine Anfrage schicken, die Antwort geht an den Verbraucher, aber auch an uns und der BUND kann dann die Antwort in die Datenbank einstellen. Und so werden wir immer weiter die Datenbank für Spielzeuge und andere Produkte aufbauen. Bei der Kosmetik sind mittlerweile schon über 80.000 Produkte eingetragen. Mit dem Spielzeug haben wir erst vor ein paar Wochen angefangen. Da sind erst eine Handvoll Produkte drin.“

    Interessenten scheint es zu geben. „Wir haben mittlerweile über eine Million Downloads und wir können auch sehen, dass die Leute damit aktiv einkaufen gehen. Wir haben auch eine Umfrage dazu gemacht, wie die Leute ihr Kaufverhalten verändern. Viele wussten vorher nichts über das Problem mit den hormonellen Schadstoffen und gehen jetzt mit dem ToxFox einkaufen. Und wenn sie sehen, da ist was drin, dann lassen die es im Regal stehen. Und das war genau der Sinn der App“, so Kallee.

    Zudem ist sich Kallee sicher, dass die App schon Früchte auf der Seite der Hersteller trägt. „Wir haben vor drei Jahren eine Auswertung gemacht, wie viele Produkte belastet sind mit hormonellen Schadstoffen und hatten festgestellt, dass es jedes dritte Produkt war. Dann haben wir die Auswertung anderthalb Jahre später wiederholt und da war es dann nur noch jedes vierte Produkt. Wir können da durchaus einen Trend sehen“, führt Kallee aus. „Wir haben auch einmal eine Tox10-Übersicht mit den zehn am meisten gescannten und belasteten Produkten gemacht. Auch da waren drei Produkte relativ schnell unbelastet. Dadurch dass die App von den Verbrauchern genutzt wird, werden die Hersteller natürlich aufmerksam und sind jetzt tatsächlich am Umschwenken.

    Universal ist die App allerdings nicht: „Wir können nur Sachen lesen, die mit dem GS1-Barcode-System ausgestattet sind — das ist das normale. Es gibt auch große Ketten wie IKEA und ALDI, die ihr eigenes System verwenden. Das lesbar zu machen, gibt es bei uns derzeit keine technische Möglichkeit. Es kann nämlich sein, dass Nummern doppelt vorkommen und so weiter — das ist einfach ein bisschen aufwendig. Da ist uns bisher keine gute Idee eingefallen, wie das funktionieren kann“, so Kallee.

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    Tags:
    ToxFox, App, Kosmetik, Spielzeug, BUND, Deutschland