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16:15 22 Oktober 2019
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    Am Absturzort nahe Bischkek

    Kirgistan: Jet machte Häuser mit schlafenden Menschen dem Erdboden gleich – Anwohner

    © Sputnik / Tabyldy Kadyrbekov
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    Nach dem Flugzeugunglück in der Nähe der kirgisischen Hauptstadt Bischkek ist die Leiche eines vierten Besatzungsmitglieds gefunden worden. Die Anwohner erzählten von den schrecklichen Minuten nach dem Absturz der riesigen Boeing 747, die die Hälfte ihrer Datschensiedlung zerstörte.

    „Genau vor einer halben Stunde wurde die Leiche des vierten Piloten entdeckt, der türkischer Bürger ist“, sagte der Chef des Katastrophenschutzministeriums, Kubatbek Boronow.

    Laut dem ersten kirgisischen Vize-Premier Muchammetkalyj Abulgasijew ist die Opferzahl inzwischen auf 38 gestiegen. Zur Fortsetzung der Bergungsarbeiten müssten größere Trümmerteile der verunglückten Boeing vom Absturzort weggebracht werden.

    Zuvor war berichtet worden, dass bereits 32 Leichen identifiziert wurden. Bei den meisten Opfern handelt es sich um Anwohner der Datschensiedlung „Datscha-Suu“. Unter den Opfern sind den kirgisischen Behörden zufolge 13 Kinder und Teenager.

    Die Anwohner schilderten den Journalisten entsetzliche Szenen, die sie am frühen Montagmorgen erleben mussten. Der Jet habe die Wohnsiedlung im wahrsten Sinne des Wortes über Hunderte Meter durchpflügt und Häuser mit schlafenden Menschen gerammt. Eine Fläche von der Größe eines Fußballfeldes sei dem Boden gleichgemacht worden.

    „Ich bin jetzt allein, alle meine Nachbarn sind tot“, sagte die 65-jährige Rentnerin Anarkan Koschojewa gegenüber den Journalisten.

    Manche Anwohner hatten eigenen Angaben zufolge zuerst an ein Erdbeben gedacht. „Zuerst haben wir gedacht, dass etwas in unserem Bad explodiert ist. Der nächste Gedanke war ein Erdbeben“, sagte eine Anwohnerin der Zeitung „Rossijskaja Gaseta“. „Wir sind hinausgelaufen und haben gesehen, dass ein Flugzeug auf das Nachbarhaus, in dem eine Familie mit drei Kindern lebte, gestürzt war. Alle kamen ums Leben. Wir sind hingeeilt, um den anderen zu helfen. Auf dem Weg sahen wir eine tote schwangere Frau.“

    „Ich schlage die Augen auf – im Fenster sind Flammen. Ich konnte noch nichts begreifen, als die Decke auf uns einzustürzen begann“, sagte die Anwohnerin Baktygul Kubatowa. Sie habe ihren Sohn zugedeckt und sich nicht bewegt. Ihre Tochter habe auf einem Sofa nebenan geschlafen. Sie seien wie durch ein Wunder am Leben geblieben: Ihr Mann und ein Nachbar hätten sie und ihre Kinder aus den Trümmern geborgen.

    Am frühen Montagmorgen war ein Frachtflugzeug beim Anflug auf den internationalen Flughafen Manas in der Nähe von Bischkek über einer Datschensiedlung abgestürzt. Die Maschine war von Hongkong nach Istanbul unterwegs und sollte in Bischkek zum Nachtanken zwischenlanden.

    Die verunglückte Maschine soll mehr als die Hälfte der Siedlung schwer beschädigt haben. 17 Häuser sind laut den kirgisischen Behörden vollständig zerstört, 23 weitere schwer beschädigt.

    Als Ursache werden bislang widrige Witterungsbedingungen vermutet: Im Raum des Flughafens herrschte dichter Nebel. Auch ein Fehler des Piloten könnte die Tragödie verursacht haben. Laut Marat Amankulow, dem Chef des Hohen Rates Kirgistans für Verkehr, Kommunikation, Architektur und Bauwesen, hatte die Boeing die Landepiste verfehlt und dabei einen Zaun mit dem Rumpf erfasst. Einen Terroranschlag schließen die kirgisischen Behörden aus.

     

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    Tags:
    Flugzeugabsturz, Boeing 737, Bischkek, Kirgistan