17:06 14 Dezember 2019
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    Ist der Bierbauch ein Organ? Forscher streiten sich

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    Phänomenales wurde Anfang des Jahres bekannt: Der Mensch hat vielleicht ein Organ mehr. Das sehen zumindest die Forscher aus Irland so, die dafür argumentieren. Andere sehen die Diskussion um das Organ, das auch den wohlbekannten Bierbauch ausbildet, als für die Forschung überflüssig an.

    Anfang Januar haben Prof. Calvin Coffey und Dr. Peter O'Leary von der University of Limerick in Irland eine Studie veröffentlicht, in der es um ein neues menschliches Organ geht, und zwar das Gekröse. Die Headlines in den Medien fielen entsprechend laut aus. Aber was hat es mit diesem Gekröse auf sich? Zwei Sputnik-Interviews lieferten zwei Antworten – und einen Konsens.

    Eine wichtige wissenschaftliche Entdeckung liegt beim Gekröse als Organ nicht für jeden vor. Der Internist und Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin Prof. Ulrich Fölsch sagt dazu: „Dieses Gekröse oder, lateinisch, Mesenterium ist eine Organisationsstruktur, um den Darm in der Bauchhöhle festzuhalten und auch um Fettgewebe einzulagern. Daran kann man jetzt natürlich Forschung machen: Stoffwechselforschung, warum Fett eingelagert wird, warum dann der Bierbauch entsteht, der im Volksmund ja bekannt ist. Was es darüber hinaus noch machen kann, das kann man gerne erforschen, das ist soweit noch nicht bekannt. Man kann sich damit beschäftigen, was die Fettzellen dort machen, was sie einlagern, auf welche Hormone sie reagieren. Ob man das als Organ bezeichnet oder eben als Gekröse, hat keine großartige Bedeutung.“

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    Der Forscher und einer der Macher der Studie Prof. Coffey betont hingegen, dass das Gekröse alle Merkmale eines Organs erfüllt und darum als eines zu werten sei. „Ein Organ sollte aus anatomischer Sicht eine diskrete und bedeutende Struktur sein. Es sollte eine lebenswichtige Funktion haben. Und es sollte verschiedene Gewebearten umfassen, die zu seiner Funktion beitragen“, führt er aus. „Das Gekröse ist eine diskrete anatomische Struktur. Und es erfüllt eine lebenswichtige Funktion, indem es dem Darm Blut zuführt. Es hängt zudem den Darm im Bauchraum auf und gibt dem Darm festen Halt. Es hat auch weitere Funktionen, die zu erforschen sind. Zum Beispiel gibt es Daten, die darauf hindeuten, dass es als eine Art Signalbox fungiert, das Signale des Darms empfängt und Aktivitäten im ganzen Körper koordiniert.“

    Aber wieso überhaupt diese neue Einsicht? „Früher dachte man, dass das Gekröse nicht zusammenhängend sei. Jetzt wissen wir, dass es durch eine bestimmte Art der Freilegung des Bauchraums als eine Struktur mit klarer Gestalt erscheint“, erklärt Coffey. „Die Ernennung zum Organ schafft einen neuen Kontext. Damit kann seine konkrete Rolle im Körper untersucht werden. Wir können es in Zusammenhang mit anderen Strukturen und Organen untersuchen. Wenn wir seine normalen Funktionen feststellen, können wir auch Abnormalitäten sowie Krankheiten verstehen lernen. Das kann zu einer besseren Untersuchung und Behandlung beitragen.“

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    Das lässt auch der Internist Fölsch gelten, nur dass er den ganzen Vorgang eher als eine Wortklauberei betrachtet. „Ich halte das für eine ziemlich überflüssige Diskussion“, bemerkt er. „Es geht um eine bestimmte Zellart, die in diesem Bereich vorhanden ist. Und wenn man eine bestimmte Zellart als Organ bezeichnen will, so möge man das tun. Und man möge daran forschen, wenn man will. Aber die Forschung, die daran durchgeführt, ist davon unabhängig, ob man das Ganze als Organ oder als einen Zellhaufen bezeichnet.“

    Es spielt also letztlich keine große Rolle, ob man hier ein Organ oder kein Organ untersucht, wenn man anständig forscht. Was aber bleibt, ist der Bierbauch und der profitiert von der Diskussion: Immerhin kann man ihn künftig als stattliches Organ bezeichnen und von seinem eher lästigen Image erlösen.

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    Tags:
    Organe, Bierbauch, Peter O'Leary, Calvin Coffey