03:15 23 März 2017
Radio
    Al-Baath University students hold a rally in Homs in support of Russia's military operation in Syria

    Deutsche Professoren stellen Mainstream-Meinungen zu Syrien-Krieg bloß

    © Sputnik/ Dmitriy Vinogradov
    Panorama
    Zum Kurzlink
    64232147125

    Eine Gruppe deutscher Professoren ist in einer gemeinsamen Erklärung der westlichen Mainstream-Meinung zur Rolle Russlands und des Iran im Syrien-Konflikt entgegengetreten und auf die Ursprünge des seit Jahren andauernden Konfliktes eingegangen.

    Die Verfasser, die im wissenschaftlichen Beirat von „Attac Deutschland“ sitzen, stellen in ihrer „Erklärung zum Syrien-Krieg“ fest, dass Russland und der Iran „zunächst alle Möglichkeiten für eine diplomatische und friedliche Lösung des Konfliktes ausgeschöpft“ und erst dann militärisch eingegriffen hätten. Attac ist ein globalisierungskritisches Netzwerk, das sich nach eigenen Angaben „für eine sozial und ökologisch gestaltete Globalisierung“ einsetzt. 

    Sturz Assads seit 2001 auf dem Plan

    Die Unterzeichner erinnern daran, dass die US-Regierung – nach Aussagen des ehemaligen Nato-Oberkommandeurs Wesley Clark – sich bereits unmittelbar nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 vorgenommen habe, in sieben Ländern die Regimes zu wechseln, darunter auch in Syrien.

    Seit 2005 seien die Rahmenbedingungen dafür geschaffen worden. Dazu gehörten „zahllose mediale Propagandaaktionen gegen das Assad-Regime“, und die „Finanzierung und Ausbildung einer Armee von Dschihadisten“, die in der westlichen Berichterstattung jedoch „unter dem verharmlosenden Label ‚gemäßigte Opposition‘ firmierte“.

    „Dabei gehörten die weitaus stärksten militärischen Kräfte dieser Opposition dem Al-Kaida-Netzwerk und der radikal-islamischen al-Nusra Front an, die zuvor von den USA selbst als ‚Terror-Organisationen‘ eingestuft worden waren.“ Gerade diese Truppen sollten, so die Erklärung, für den Sturz der Regierungen in Damaskus und Teheran eingesetzt werden.

    Russland habe sich in den Syrienkonflikt zunächst nicht eingemischt, „solange dieser Konflikt noch als ein rein innenpolitischer Konflikt angesehen werden musste“.
    Russland sei erst dann aktiv auf der Seite der syrischen Regierung eingetreten, als es der Terrormiliz Daesh (auch Islamischer Staat, IS), gelungen sei, „mit den Mitteln des Terrors und mit militärischer und logistischer Unterstützung durch die Geheimdienste der USA, Saudi-Arabiens und der Türkei im Norden des Irak weite Gebiete mit der Metropole Mossul unter ihre Gewalt zu bringen.“

    Sarin-Angriff und C-Waffen-Abrüstung

    Barack Obamas überraschende Entscheidung vom August 2013, den Militärschlag auf Syrien aufzuschieben, erklären die Unterzeichner mit dem Einsehen, dass der Giftgas-Angriff in Ghuta bei Damaskus, der Hunderte von Menschen getötet hat und auf den Obama zuerst mit einem gezielten militärischen Schlag gegen das Assad-Regime antworten wollte, nicht diesem letzteren zugeschrieben werden konnte. Denn die Chemieproben aus Ghuta hätten bereits nachgewiesen, dass „das Sarin nicht aus den Arsenalen des syrischen Militärs stammte“.

    Daraufhin habe Obama den Plan B gewählt: Kein Bombenangriff, wenn Assad der Vernichtung all seiner chemischen Waffen unter Aufsicht der Uno zustimmen würde.
    „Es war schließlich Russland und kein anderer Staat, das mit diplomatischem Geschick diesen Kurswechsel dazu nutzte, dass sämtliche Chemiewaffen Syriens unter Mitwirkung der USA und der Kontrolle der UN vernichtet wurden“, so die Erklärung. Doch diese friedenspolitische Leistung Russlands sei von den Regierungen und Medien des Westens mit keinem Wort gewürdigt worden.

    „Assad kann überhaupt nicht zurücktreten“

    Russland und der Iran hätten sich große Mühe gegeben, um den Syrienkrieg diplomatisch und auf dem Verhandlungswege zu beenden, schreiben die Verfasser der Erklärung und erinnern an die vielen Vorschläge für mehrtägige Waffenruhen in Aleppo, die jedoch von den Rebellen für ihre weitere Aufrüstung missbraucht worden sei.

    Sie kritisieren, dass die westlichen Staaten und vor allem die bewaffneten Rebellen jegliche Verhandlungen mit Assad ablehnten und seinen Sturz zur Vorbedingung für Verhandlungen machten.

    „Dabei müsste es jedem Politiker mit Weitsicht und Verstand sonnenklar gewesen sein, dass Assad überhaupt nicht zurücktreten kann, selbst wenn er wollte.“

    Denn: „Assad repräsentiert sämtliche religiösen Volksgruppen und  Minderheiten, insbesondere Aleviten, Christen, Yeziden und andere in Syrien, die sein Regime wegen seines erklärten Laizismus unterstützen und von ihm auch erwarteten, nicht einfach das Feld zu räumen und es dem IS zu überlassen mit der sicheren Aussicht einer dann zu erwartenden Massenabschlachtung der religiösen Minderheiten und Aleviten.“

    Gute Bomben, böse Bomben

    Des Weiteren gehen die Autoren auf die zivilen Kriegsopfer ein. Auch da gibt es aus ihrer Sicht in den West-Medien eine „einseitige antirussische Berichterstattung und Propaganda“ und Stillschweigen, wenn Rebellen Verbrechen an Zivilisten begehen.

    „Zwar widerstrebt es uns, die Toten beider Seiten gegeneinander aufzurechnen. Doch angesichts der einseitigen antirussischen Berichterstattung und Propaganda in den West-Medien muss daran erinnert werden, dass 40 000 irakische Zivilisten —mindestens viermal so viel wie in Aleppo — seit August 2014 durch die Bomben der US-Geführten Koalition starben. Davon allein 15.000 in der Region Mosul“, heißt es in der Erklärung. Und weiter: „Seit 1980 haben allein die USA 14 muslimische Länder überfallen, besetzt oder bombardiert. Nicht ein einziges Mal griff in den letzten zwei Jahrhunderten ein muslimisches Land den Westen an.“

    Auch bei der Evakuierung der Rebellen durch syrische, iranische und russische Militärs hätten die westlichen Medien immer nur von einer schuldigen Kriegspartei berichtet: Russland und Iran. „Als aber die Rebellen für jedermann ersichtlich acht syrische Busse, die zur Evakuierung der Rebellen und ihrer Familien gekommen waren, in Brand geschossen haben, waren dieselben Medien plötzlich sprachlos.“

    „Fatale Regime-Change-Politik“

    Die Verfasser geben sich „außerordentlich befremdet“, dass die West-Medien „die fatale US-amerikanische Politik des Regime Change im Nahen und Mittleren Osten mit keinem Wort erwähnen, geschweige denn kritisieren“.

    Die sogenannten gescheiterten Staaten, die den Nährboden für die weitere Ausbreitung des Terrorismus und den Hauptgrund für die anhaltenden Flüchtlingsströme bilden, seien das offenkundige Ergebnis dieser Politik.

    Zum Schluss zeigen sich die Autoren besorgt über den „neuen Kalten Krieg zwischen dem Westen und Russland, der immer mehr Fahrt aufzunehmen scheint, und rufen „alle gesellschaftlichen Gruppen dazu auf, sich zusammen mit der Friedensbewegung für konflikt-und kriegsvorbeugende Wege in die politischen Auseinandersetzung einzubringen.“

    Zum Thema:

    Dresden: Deutsche gratulieren Putin mit Geburtstags-Graffiti
    Lawrow: Abstrakte Ideen von Regimewechsel in Syrien fruchtlos
    Lawrow: Westen strebt mit Sanktionen Regimewechsel in Russland an
    „Eine Shit Show“: Obama schiebt Schuld für Chaos in Libyen auf Cameron
    Tags:
    Syrien, Russland