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13:13 21 August 2019
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    Putschversuch in der Türkei

    Folterangst: Dutzende türkische Nato-Soldaten bitten um Asyl in Deutschland

    © REUTERS / Tumay Berkin
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    Etwa 40 türkische Nato-Soldaten haben wegen der Verhaftungswelle im Zusammenhang mit dem Putschversuch im Land in Deutschland Asyl beantragt, berichtet „Spiegel Online“.

    Sie sollen nach eigenen Angaben von den „Säuberungsaktionen“ in der Türkei erfasst worden sein und mussten ihre Posten in deutschen Nato-Einrichtungen aufgeben.

    „Wenn ich in die Türkei zurückgehe, riskiere ich, verhaftet und womöglich gefoltert zu werden“, sagte ein hochrangiger Offizier im Gespräch mit dem „Spiegel“ und dem ARD-Politmagazin „Report Mainz“. Mit dem Putschversuch in ihrem Heimatland haben sie nach eigenen Behauptungen nichts zu tun.

    „Glauben Sie mir, ich habe keine Sympathien für die Putschisten“, so ein anderer Soldat.

    Doch obwohl die Asylanträge zum Teil schon seit Monaten vorliegen, habe sich bislang nichts getan. Jetzt wachse der Druck auf die Bundesregierung, eine Grundsatzentscheidung herbeizuführen, betonte das Blatt.

    „Es gibt keinen Zweifel, dass wir diese Soldaten nicht in die Türkei zurückschicken können“, sagte der CSU-Innenpolitiker Stephan Mayer. „Sie würden dort sofort im Gefängnis landen.“

    Das Asylverfahren sei rein rechtlich, „politische Erwägungen dürfen dabei keine Rolle spielen und werden es auch nicht“, so der CDU-Abgeordnete Norbert Röttgen, Chef des Auswärtigen Ausschusses.

    Für Angela Merkel kommen, so die Zeitung, die Forderungen zur Unzeit. Bundeskanzlerin plant am Donnerstag in die Türkei zu reisen. „Ihre Hauptsorge ist, dass der Flüchtlingsdeal hält. Streit über die geschassten Soldaten kann sie nicht gebrauchen“, fährt „Spiegel-Online“ fort.

    Wie empfindlich Ankara hinsichtlich solcher Fragen reagiert, hatte sich zuletzt am Freitag gezeigt. Auf den Entschluss des Obersten Gerichts in Athen, die nach dem Putschversuch aus der Türkei nach Griechenland geflohenen Soldaten nicht auszuliefern, reagierte die türkische Regierung sofort. Außenminister Mevlüt Cavusoglu erklärte, Ankara wolle den Deal mit Griechenland über die Rückführung illegal nach Europa eingereister Flüchtlinge aufheben.

    Eine Gruppe türkischer Militärs hatte in der Nacht zum 16. Juli einen Putschversuch unternommen, der aber scheiterte. Der Umsturzversuch kostete rund 300 Menschen das Leben, knapp 1500 weitere wurden verletzt. Ankara beschuldigte den in den USA lebenden islamischen Prediger Fethullah Gülen, hinter dem Putschversuch zu stecken.

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    Flüchtlingsdeal, Asyl, Angst, Folter, Gefängnis, Putschversuch, NATO, Deutschland, Türkei