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    Bundesministerin der Verteidigung, Ursula von der Leyen am Tag der Bundeswehr in Hannover, am 13.6.2015

    Bundeswehr im Kreuzfeuer: Diese 10 Skandale machten Schlagzeilen

    © Flickr/ Bundeswehr/Kai-Axel Döpke
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    Nach dem Gewalt-Eklat in der Kaserne für Elitesoldaten in Pfullendorf, Baden-Württemberg steht die Bundeswehr im Kreuzfeuer der Kritik. Aber es ist nicht das erste Mal, dass das deutsche Militär negative Schlagzeilen macht. Ein Überblick von Sputnik.

    1. Sexuelle Erniedrigung

    Laut Medienberichten mussten sich 2006 in der Zweibrücker Niederauerbach-Kaserne Unteroffiziere komplett ausziehen und sich von Kameraden traktieren lassen. Bei einem weiteren Vorfall soll Soldaten Dörrobst ins Gesäß gesteckt und danach mit einem Paddel darauf geschlagen worden sein. Zwei Jahre später wurde in diesem Zusammenhang ein Hauptmann zu einer Geldstrafe in Höhe von 2000 Euro verurteilt, weil er die Vorfälle geduldet habe.

    2. Misshandlungen bei der Ausbildung

    2004: Im westfälischen Coesfeld war es laut einer Meldung des „Spiegels“ zu Misshandlungen in einer Ausbildungskompanie gekommen. Während des Trainings von Geiselnahmen wurden Rekruten in einer Kaserne bei „Verhören“ gefesselt, geschlagen und getreten. Später wurden mehrere Ausbilder zu Bewährungsstrafen verurteilt.

    3. Schändung in Afghanistan

    Totenschädel (Symbolbild)
    Totenschädel (Symbolbild)

    2006: Einem Bericht der „Zeit“ zufolge schändeten Bundeswehrsoldaten in Afghanistan einen Totenschädel. Auf einem Foto sei zu sehen gewesen, wie ein Soldat mit der rechten Hand stolz einen Totenschädel hochhielt. Auf einem weiteren Foto sei zu sehen gewesen, wie ein Soldat seinen entblößten Penis in der linken Hand hielt und dabei gleichzeitig mit der rechten Hand den Totenschädel an sein Glied näherte. Ermittelt sei damals insgesamt gegen 20 aktive und ehemalige Soldaten worden.

    4. Standardwaffe bei hohen Temperaturen unbrauchbar

    Bundeswehrsoldaten mit Sutrmgewehren des Typs G36
    © REUTERS / Fabrizio Bensch
    Bundeswehrsoldaten mit Sutrmgewehren des Typs G36

    2012 berichtete der „Spiegel“ zum ersten Mal über Mängel am Sturmgewehr G36. Demnach würde das Gewehr im heißgeschossenen Zustand an Zielgenauigkeit verlieren. Im März 2015 bestätigte auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen dieses Problem. Der Hersteller Heckler und Koch aus Baden-Württemberg nahm Abstand von der Kritik. Im April 2015 wurde beschlossen, das Gewehr in seiner damaligen Form auszumustern und Ersatz für alle 170.000 Exemplare in der Bundeswehr zu beschaffen.

    5. Mangelhafte Einsatzbereitschaft der Kampfjets

    Mehrzweck-Kampfflugzeug Tornado
    © REUTERS / Fabian Bimmer
    Mehrzweck-Kampfflugzeug Tornado

    Im November 2016 berichtete die Agentur Reuters, dass die Bundeswehr über mangelhafte Einsatzfähigkeit der Kampfflugzeuge Tornado und Eurofighter wegen Problemen bei der Ersatzteilversorgung klagte. Demnach seien 2015 durchschnittlich nur 52 Prozent der Eurofighter und gar 44 Prozent der Tornado-Jets einsatzbereit gewesen, so die Agentur unter Berufung auf einen Bericht des Verteidigungsministeriums zur „materiellen Einsatzbereitschaft der Hauptwaffensysteme der Bundeswehr“. Ziel sei eigentlich, eine durchschnittliche Einsatzfähigkeit von 70 Prozent der Flotte zu erreichen.

    6. Probleme mit Transportfliegern C-130 J und A400M

    Transportflugzeug A400M (Archivbild)
    © REUTERS / Fabrizio Bensch
    Transportflugzeug A400M (Archivbild)

    Oktober 2016: Der Bundeswehr drohen Verzögerungen bei der Einsatzbereitschaft des neuen Transportflugzeugs C-130 J des US-Konzerns Lockheed Martin. Einer Meldung der „Welt am Sonntag“ zufolge kursierte innerhalb der Streitkräfte und im Verteidigungsausschuss des Bundestags ein Dokument, das sich mit der Zulassungsdauer der Maschine auseinandersetzte. Demnach sei im Fall der C-130 J von einer „umfänglichen Flugnachweisuntersuchung“ auszugehen. Auch bei dem Transportflugzeug A400M gebe es Einsatzbereitschafts-Probleme. Ein Bericht des Rüstungsboards des Verteidigungsamts habe gezeigt, dass zuletzt neue, bislang unbekannte Probleme aufgetreten waren.

    7. Incirlik: Alle Bundeswehr-Tornados defekt

    Luftstützpunkt Incirlik, Türkei
    Luftstützpunkt Incirlik, Türkei

    Und wieder Oktober 2016: Der Tornado-Einsatz der Bundeswehr in Syrien und im Irak musste wegen eines technischen Defekts an den Aufklärungsflugzeugen ausgesetzt werden. Nach Angaben der „Bild“-Zeitung waren alle sechs auf der türkischen Nato-Luftwaffenbasis Incirlik stationierten Maschinen der modernsten Version ASST A3 betroffen.

    8. Gefechtshelm M92 und die schwarze Schraube

    Soldaten der Bundeswehr
    © Flickr / Andreas Nowak
    Soldaten der Bundeswehr

    Auch bei solch einfachen Ausrüstungsstücken wie Helmen läuft es anscheinend nicht pannenlos. Der M92, der Standardhelm des Bundeswehrsoldaten, besteht aus 29 Lagen der Aramidfaser Kevlar und schützt den Träger vor Granatensplittern. Klingt fest, ist er aber nicht, wie sich 2015 laut Medienberichten herausstellte. Und an dem Ganzen ist nur eine kleine schwarze Schraube schuld. Diese ist laut Angaben der Bundeswehr nicht ausreichend splitterfest. Aus diesem Grund werden die Helme nach Sichtprüfung aussortiert und nur noch im Inland verwendet. Die fehlerhaften Schrauben sollen dann nach und nach ausgetauscht werden.

    9. Verstoß gegen Nato-Einsatzregeln und fast 150 Opfer

    Ein Bundeswehr-Oberst befahl Kampfjets im Jahr 2009, zwei auf einer Sandbank in Afghanistan festsitzende Tanklastzüge zu bombardieren, wie deutsche Medien berichteten. Dem Oberst sei vorgeworfen worden, gegen Einsatzregeln der Nato verstoßen zu haben, weil er die Bomben ohne genaue Lageaufklärung abwerfen ließ. Bei dem Unglück starben damals 142 Menschen.

    10. EuroHawk: Aufklärungsflugzeuge, die nicht aufklären dürfen

    EuroHawk-Aufklärungsflugzeug der Bundeswehr
    EuroHawk-Aufklärungsflugzeug der Bundeswehr

    Die Aufklärungsdrohne EuroHawk hätte dem damaligen Verteidigungsminister Thomas de Maizière 2013 fast das Amt gekostet, schrieb der „Spiegel“. Das unbemannte Flugzeug hatte massive Probleme bei der Zulassung für den deutschen Luftraum. Unter anderem drohte eine Kostenexplosion von mehreren hundert Millionen Euro. Im Frühjahr 2013 wurde die Entwicklung gestoppt. Seitdem wurde nach einem anderen Flugzeug gesucht, in das die von Airbus stammende Aufklärungstechnik eingebaut werden konnte.

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    Skandal, NATO, Bundeswehr, Thomas de Maizière, Ursula von der Leyen, Incirlik, Deutschland