21:56 16 November 2019
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    Medienkritikerin zu "Kontaktschuld": Es gibt richtige Denunziationsplattformen

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    Medienkritik ist wichtig, doch nicht jede Form erwünscht. Während das Rechercheportal Correctiv von Staat, einflussreichen Konzernen und Stiftungen, wie auch von den etablierten Medien selbst großzügig unterstützt wird, werden andere Medienkritiker und diejenigen, die Correctiv hinterfragen, als Verschwörungstheoretiker und Rechte diffamiert.

    So geschehen im Fall des freien Journalisten Paul Schreyer, der durch seine kritische Berichterstattung und jüngst durch einen Artikel über Correctiv in den Fokus der Denunzianten gerückt ist. 

    Auch Maren Müller, die Vorsitzende des Vereins Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien e.V., setzt sich dafür ein, dass Falschmeldungen in den Medien aufgedeckt und per Programmbeschwerde bei den Verantwortlichen angezeigt werden. 

    „Wir machen seit zwei Jahren diese Programmbeobachtung und reichen Beschwerden ein, die bei uns über das Publikum eingehen. Es ist schon zu verzeichnen, dass da jeden Tag irgendetwas entweder nicht vollständig oder falsch dargestellt wird. Es ist krass, was an Desinformation auch über die öffentlich-rechtlichen Medien verbreitet wird.“

    Müller findet, tendenziöse Berichterstattung hat in den Öffentlich-Rechtlichen nichts verloren, dennoch seien eben diese Tendenzen bei sensiblen Themen oft präsent. In der Syrien-Berichterstattung würden die „Rebellen“ mit Wohlwollen behandelt, die Regierung hingegen als „Regime“ und Präsident Assad als „Machthaber“ bezeichnet. Das gleiche gelte auch für die Russland-Ukraine-Berichterstattung, so Müller im Interview mit Ilona Pfeffer. 

    Die Ausgewogenheit der Berichte in den Öffentlich-Rechtlichen soll eigentlich durch Rundfunkräte und den Presserat gewährleistet werden, doch Maren Müller bezweifelt deren Effizienz.  

    „Letztendlich sind aber diese Gremien mitunter als verlängerter Arm der  Intendanz zu sehen. Das sieht man in der ganzen Art und Weise, wie Programmbeschwerden behandelt werden. Die Beschwerden, die auch unabhängig von uns eingereicht werden und wirklich Hand und Fuß haben, werden fast ausschließlich zugunsten der Sender entschieden.

    Dass die Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien Hinweise von den Zuschauern entgegennimmt, prüft und bei falscher Berichterstattung Programmbeschwerde einlegt, werde vom Publikum begrüßt. Bei den Sendeanstalten reagiere man aber eher schmallippig und räume zwar teilweise Fehler ein, korrigiere sie meist jedoch nicht, weil sie keinen Verstoß gegen Programmrichtlinien darstellen würden, so Müller. 

    Obwohl sie Medienkritik für wichtig hält, kann Maren Müller sich nicht mit dem Konzept des Rechercheportals Correctiv anfreunden, das Fake News auf Facebook aufdecken und markieren soll.

    „Es ist ja offensichtlich, was da passiert: Es sollen unbequeme Meinungen ausgeblendet werden. Es geht nicht um Fehler oder Fake News. Fake News hat es schon immer gegeben, das nannte sich früher Zeitungsente. Es hat schon immer Falschmeldungen, fehlerhafte Übersetzungen, falsche Zitate gegeben, die Politikern in den Mund gelegt wurden, die das niemals gesagt haben. Aber dass hier nur auf alternative Medien geschaut wird nach dem Motto „was Journalismus ist, bestimmen wir“, ausgerechnet von einer Organisation, die selbst schon so viel Blödsinn verzapft hat wie Correctiv, ist eigentlich nicht hinzunehmen. Das ist Zensur, nichts weiter.“

    Die Medien seien traditionell ein Herrschaftsinstrument der Mächtigen, so Müller. Solange nur winzige Minderheiten eine abweichende Meinung vertreten würden, könne man sie als Nazis oder Verschwörungstheoretiker diffamieren. Doch nun drohe das Ganze zu kippen, immer mehr Menschen würden eine andere Meinung als die veröffentlichte Meinung der Etablierten vertreten. Daher versuche man nun, mit Correctiv einzugreifen. Das Hauptproblem dabei sei aber, dass Meinungen statt Inhalte dem Rotstift zum Opfer fallen könnten.

    „Inhalte kann man überprüfen und wenn sie nicht stimmen, dann kann man ja was dagegen unternehmen. Aber eine Meinung kann man nicht korrigieren, denn eine Meinung ist frei, wie die Gedanken frei sind. Solange man nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommt und keine Meinung vertritt, die vielleicht strafbewehrt ist, ist es Zensur. Medienkritik sollte in Zukunft breiter angelegt sein, eine richtige Bürgerbewegung, wo Leute in die Lage versetzt werden, Inhalte nachzuprüfen. Das ist heute einfacher als je zuvor, uns stehen alle Möglichkeiten offen.“

    Genauso wie anderen Kritikern von Mainstreammedien und Correctiv kennt auch Maren Müller die Versuche der Diskreditierung durch die sogenannte „Kontaktschuld“ am eigenen Leib. 

     „Das ist eine Sache, die schon eine Weile läuft. Den Begriff „Kontaktschuld“ kannte ich noch nicht, finde ihn aber sehr gut gewählt.  Als ich angefangen habe, mit der Publikumskonferenz an die Öffentlichkeit zu gehen, fanden das alle interessant. Auch die etablierten Medien haben Interviews mit mir geführt. Das änderte sich schlagartig, als ich mit RT gesprochen habe. Das war eine Todsünde und wurde dann auch überall festgehalten. Es gibt Leute, die dann Screenshots davon machen und ins Netz stellen. Es werden Klicks überprüft, was man liked und was man teilt. Inzwischen gibt es lustige Seiten im Netz, eine davon heißt Psiram. Das ist eine richtige Denunziationsplattform, dort wird auch mit Screenshots und Kontaktschuld gearbeitet: Der hat mal mit dem gesprochen und der hat mal die Meinung vertreten… Ich kann doch sprechen, mit wem ich will und meine Meinung ist frei! Wenn das den Leuten nicht gefällt, dann haben sie ein Problem mit demokratischen Gepflogenheiten. Da bin nicht ich auf der falschen Seite, sondern die Leute, die diese Meinungszensur betreiben.“

    Maren Müller will sich nicht einschüchtern lassen, sie wird auch weiterhin mit der Ständigen Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien ARD, ZDF & Co. auf die Finger schauen.

     „Ich denke überhaupt nicht daran, mein Verhalten zu ändern. Die Geschichte, die da läuft, macht mich nur noch sturer: Jetzt erst recht oder trotz alledem!


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    Tags:
    Zensur, Correctiv, Ständige Publikumskonferenz der öffentlich-rechtlichen Medien, ZDF, ARD, Paul Schreyer, Maren Müller, Deutschland