14:56 23 Oktober 2020
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    Der Besuch des deutschen Außenministers Sigmar Gabriel in den USA hat keine Aufmerksamkeit von einem der führenden amerikanischen Nachrichtenportale, vom Wall Street Journal (WSJ) erhalten, berichtet die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“. Bei WSJ sei das Thema weder als Eilmeldung, noch in der Rubrik „World“ erschienen.

    „Heißt das, dass Deutschland, trotz einer Einladung an Gabriel seitens des neuen amerikanischen Außenministers Rex Tillerson und aller Bemühungen Angela Merkels, Deutschland als das einzige Symbol Europas zu präsentieren, von den USA nicht als primärer Wert auf dem europäischen Kontinent betrachtet wird?“, fragt sich die Zeitung in diesem Zusammenhang.

    Ja und nein, laute die Antwort auf diese Frage. Schließlich habe WSJ Meldungen über Merkels Besuch in der Türkei und ihr Treffen mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan gebracht sowie über die Visite des russischen Präsidenten Wladimir Putin in Ungarn. Mit anderen Worten habe Washington ein Interesse an Europa insgesamt und speziell an Deutschland, aber nicht an Gabriel, auch nicht als Außenamtschef.

    CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter lenkte in einem Interview mit n-tv vom Donnerstag die Aufmerksamkeit der Leser auf die Besonderheiten bei der Gestaltung der aktuellen US-Außenpolitik. Diese seien anscheinend vom deutschen Außenminister nicht berücksichtigt worden. Kiesewetter rät Gabriel zu Klartext:

    „Gabriel sollte eine sehr offene Sprache wählen. Es sollte von Anfang an klar sein, dass man untereinander Klartext sprechen kann. Würde Gabriel da herumschwurbeln, wäre das nicht dienlich“, sagte er.

    Zwar sei es ein gutes Zeichen, dass Tillerson einen europäischen Außenminister als ersten Besuch wähle, so der Politiker, dennoch sehe er die „Diskrepanzen in der neuen US-Führung mit Sorge“. Trump habe „zwei Aushängeschilder“: einmal den Verteidigungsminister James Mattis und Tillerson. Beide seien „moderate Republikaner und keine Falken“.

    „Ich befürchte jedoch, dass sie nur die schönen Etikette dieser Regierung sind und über kurz oder lang isoliert sein könnten“, fügte Kiesewetter hinzu und erinnerte sich in diesem Zusammenhang daran, wie US-Präsident Donald Trump zuvor die Justizministerin ihres Amtes entließ. „In den USA sind die Minister mehr oder weniger Erfüllungsgehilfen der Präsidialpolitik“, betonte er.

    Laut der „Nesawissimaja Gaseta“ kann man daraus schlussfolgern, dass man die wahren Absichten des US-Staatschefs nicht an den Äußerungen seiner „Assistenten und Kabinettsmitglieder“ bewerten darf, sondern nur an den eigenen Handlungen Trumps.

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    Tags:
    Donald Trump, Rex Tillerson, Sigmar Gabriel, USA, Europa, Deutschland