00:37 23 Oktober 2018
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    Ukrainer verlassen ihre Häuser in Debalzewo

    Ukrainer wollen Russland nicht verlassen

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    Ukrainische Bürger, die in Russland Zuflucht vor den wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Militärhandlungen gefunden haben, sind nicht bereit, in ihre Heimat zurückzukehren, berichtet die russische Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“. Dabei habe Moskau jegliche Privilegien für diese Bürger aufgehoben und sie Gastarbeitern aus GUS-Staaten gleichgesetzt.

    Um diesem Status auszuweichen und kein gewöhnlicher Gastarbeiter zu werden, müssen Ukrainer einen Antrag auf eine vorübergehende Aufenthaltserlaubnis stellen oder Pässe der selbsterklärten Republiken Donezk und Lugansk bereitstellen.

    Laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Research & Branding Group waren im vergangenen Jahr 34 Prozent der Ukrainer dazu bereit, ihre Heimat für immer zu verlassen. 2015 lag dieser Wert bei 29 Prozent. Als Hauptgründe wurden Arbeitssuche, der Militärkonflikt und wirtschaftliche Probleme angegeben. Unter den Ländern, die die befragten Ukrainer als ständigen Aufenthaltsort betrachten, sind vor allem Polen und Ungarn, aber auch Russland.

    Seit 2017 erfolgt die Einreise für ukrainische Bürger genauso, wie für andere Bürger der GUS-Länder. Angaben des russischen Innenministeriums zufolge haben sich mehr als 900.000 Ukrainer bereits an die zuständigen Behörden gewandt, um eine vorübergehende oder unbefristete Aufenthaltserlaubnis zu beantragen.

    „Zurzeit leben in Russland rund zweieinhalb Millionen Ukrainer, eine Million davon stammt aus den südöstlichen Gebieten des Landes“, geht aus einem Bericht des Innenministeriums hervor.

    Dabei wollen nicht alle ukrainischen Bürger einen offiziellen Asylstatus in Russland erhalten, weil sie in Perspektive auf die russische Staatsbürgerschaft zählen.

    „Bei uns herrscht Krieg, die Menschen haben Angst, viele sterben unter Grad-Beschuss“, sagte Oksana Koljuschnaja, die zuvor im Südosten der Ukraine lebte, gegenüber der Zeitung. Ihr zufolge darf man die Grenze mit Russland mit einem Pass der selbsterklärten Republiken überqueren. Wie Ilja Schablinski, Mitglied des russischen Menschenrechtsrates, erläuterte, es gebe dazu keine Rechtsnormen, und dies sei nur ein Ergebnis von nicht öffentlichen Vereinbarungen zwischen Moskau und den entsprechenden Republiken.

    „Diese Vereinbarungen werden zurzeit eingehalten, und jeder Bewohner aus Donezk und Lugansk wird über die Grenze gelassen. Dem Rat ist kein Fall bekannt, dass jemand nicht durchgelassen wurde“, erläuterte Schablinski.

    Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, hat die Anerkennung von Pässen der selbsterklärten Republiken durch Russland dementiert, bestätigt aber dennoch, dass diese genutzt werden können.

    „Das ist keine offizielle Anerkennung von Pässen, es geht um einzelne Entscheidungen von städtischen und örtlichen Verwaltungsbehörden sowie Unternehmen, und zwar ausschließlich zu humanitären Zielen. Das wurde für diejenigen Menschen getan, die keinen ukrainischen Pass erhalten oder diesen erneuern können. Vertreter der selbsterklärten Republiken behaupten jedoch, dass es Bewohner der ‚großen‘ Ukraine schon Schlange stehen, um Pässe zu bekommen“, sagte Peskow.

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    Tags:
    Ukrainer, Dmitri Peskow, Donbass, Russland, Ukraine