13:18 18 Oktober 2017
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    Kindersoldaten - Archivfoto

    Studie: Kindersoldaten kämpfen mit deutschen Waffen

    © AFP 2017/ CHARLES LOMODONG
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    Eine jüngst veröffentlichte Studie des Deutschen Bündnisses Kindersoldaten belegt, dass deutsche Waffen häufig in den Hände von Kindersoldaten landen. Die Herausgeber fordern deshalb ein restriktives Exportkontrollgesetz.

    Deutschland gilt seit Jahren als der weltweit größte Kleinwaffenexporteur. Laut der Studie, die einem Bericht des UN-Generalsekretariats zugrunde liegt, sind in den vergangenen 15 Jahren Kleinwaffenexporte im Wert von 800 Millionen Euro genehmigt worden. Deutsche Firmen hätten mit Rüstungsexporten im vergangenen Jahr 6,88 Milliarden Euro und 2015 sogar eine Milliarde Euro mehr verdient.

    „Anstelle einer konsequenten Rüstungsexportbegrenzung stiegen unter Sigmar Gabriel 2016 die Genehmigungen für Kleinwaffenexporte um 47 Prozent auf 47 Millionen Euro“, zitiert das „Handelsblatt“ Frank Mischo, einen Kinderrechtsexperten der Kindernothilfe und Sprecher des Bündnis Kindersoldaten.

    Mehr als ein Drittel solcher „zivilen Keinwaffen“  wie die Pistolen Walther P99 oder Sig Sauer SP 2022 sowie G3-Gewehre seien im Vorjahr in Drittländer exportiert worden, von denen allerdings viele an bewaffneten Konflikten beteiligt seien. In solchen Krisengebieten würden diese Waffen wiederum in mit Kindersoldaten besetzte Armeen und Rebellengruppen gelangen.

    „Das steht im krassen Gegensatz zu den Ankündigungen der Bundesregierung und stellt wirtschaftliche und sicherheitspolitische Interessen über Kinderrechtsverletzungen“, so Mischo. Deutschland strebe einen Sitz im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen an. Dafür sollten Kinderrechte aber beachtet und die Empfehlungen des UN-Ausschuss in dieser Hinsicht umgesetzt werden.

    Derzeit würden weltweit etwa 250.000 Kindersoldaten in mindestens 20 Ländern zum Kämpfen gezwungen, vielerorts seien diese Kinder ausgerechnet mit deutschen Waffen bewaffnet.

    Der Verkauf von Waffen in Spannungsgebiete sei eigentlich verboten, lasse sich aber durch die fahrlässige Vergabepolitik von Produktionslizenzen und dem Ausbleiben einer Endverbleibskontrolle erklären. Die Herausgeber der Studie fordern deshalb ein restriktives Exportkontrollgesetz.

     

    Tags:
    Waffen, Kindersoldaten, Deutschland
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