07:50 29 März 2020
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    Die Kanäle von Venedig sind für Romantiker das Traumziel schlechthin. Jetzt haben auch Forscher die Lagunenstadt für sich entdeckt: Die trüben Gewässer von Venedig sind optimal, um sie mit Roboterschwärmen zu erforschen. Sputnik sprach mit Projektleiter Prof. Thomas Schmickl.

    „Drei Sorten von Robotern gibt es“, sagt Prof. Thomas Schmickl, Leiter des Artificial Life Lab der Uni Graz. „Sie sind echten Lebewesen nachempfunden: Es gibt Seerosen, Fische und Muscheln“, beschreibt  der Wissenschaftler die Mitglieder des Schwarms. 

    Von Haus aus ist Schmickl Zoologe. Früher hat er mit Bienen geforscht. Daher rührt sein Interesse an Schwärmen. In einem Bienenstock herrsche Hochbetrieb. „Es wimmelt und wuselt. Es ist dunkel, laut und schwierig zu kommunizieren“, sagt er. Doch trotz der widrigen Umstände gelinge es den Bienen sich auf einfache Weise zu verständigen und letztlich erfolgreich Ertrag – große Mengen Honig – einzufahren. 

    Roboterschwärme
    © Foto : Artificial Life Lab
    Roboterschwärme

    Diese Schwarmintelligenz wendet er auch bei den Robotern in Venedig an. Die Bedingungen dort seien ideal: „Das Wasser ist trüb, es gibt Strömungen und es herrscht Hochbetrieb“, beschreibt Schmickl. Die rund 120 Roboter sind autark unterwegs, bekommen lediglich Impulse durch die Wissenschaftler. So müssen sie sich an die Bedingungen anpassen und lernen, in der Lagune zurechtzukommen. Mit der Zeit werden sie immer klüger. 

    Quasi als Nebenprodukt sammeln sie in den Kanälen Daten aller Art: Wassertemperatur, Salzgehalt, Strömungen, zählt der Zoologe auf. Diese Informationen sind wichtig für andere Wissenschaftler, wie etwa Hydrogeologen. Die Roboter machen sogar Fotos von den lebenden Bewohnern der Kanälen, von Fischen und Muscheln: „Davon profitierten dann Meeresbiologen“, sagt der Forschungsleiter.  

    Roboterschwärme
    © Foto : Artificial Life Lab
    Roboterschwärme

    Vier Millionen Euro lässt sich die EU das Projekt kosten. „Das ist günstig“, findet Schmickl und schwärmt für seine Schwärme: „Sie sind wesentlich effektiver und zuverlässiger als Einzelroboter. Auch wenn diese mit teurerer und besserer Sensorik ausgestattet sind, können sie immer nur an einem Ort sein und messen.“ Dazu kommt das Risiko eines technischen Schadens. Der Einzelroboter falle dann ganz aus, der Schwarm dagegen könnte Ausfälle verkraften. 

    Roboterschwärme
    © Foto : Artificial Life Lab
    Roboterschwärme

    Die Lagune von Venedig sieht der Forscher nur als Spielwiese für seine Roboter. Schmickl strebt nach Höherem: „Als Biologe bin ich natürlich besonders interessiert, ob es außerhalb der Erde auch noch Lebewesen gibt.“ In den kommenden Jahrzehnten sollen Schwarmroboter die Monde von Saturn und Jupiter besuchen. Unter kilometerdicken Eisschichten gibt es Ozeane. In denen hoffen Forscher Leben zu finden. Zum Schluss macht der Leiter des Artificial Life Lab der Uni Graz eine Prognose – und zwar eine geerdete: „Der erste Roboterschwarm, der uns im Alltag begegnen wird, sind selbstfahrende Autos, die miteinander kommunizieren.“

    Das komplette Interview finden sie hier: 

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    Tags:
    Roboter, Artificial Life Lab der Uni Graz, Thomas Schmickl