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03:34 20 Oktober 2019
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    Der russische Revolutionär und Anführer des russischen Proletariats Wladimir Lenin

    100 Jahre Oktoberrevolution: Lenin war kein bezahlter Spion

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    Revolutionenjahr 1917 (8)
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    In der Sowjetunion wurde die Oktoberrevolution von 1917 als ein wichtigstes Ereignis in der Geschichte der Menschheit bezeichnet. Damals herrschte der Kult der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution. Wie bewerten die Historiker heute das, was sich vor einhundert Jahren ereignete?Vor genau 100 Jahren: Die Februarrevolution 1917

    „Dieses Ereignis ist sicherlich vielschichtig für unser Land. Es hat unser Leben und den Vektor der historischen Entwicklung verändert. Wir haben es noch nicht aufgearbeitet, haben es noch nicht endgültig überwunden. Die Gesellschaft ist bisher in Rote und Weiße geteilt“, sagte Sergej Spiridonow, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Museums für politische Geschichte in S.-Petersburg im Gespräch mit Sputniknews. 

    Vor genau 100 Jahren: Die Februarrevolution 1917 in FOTOs

    Februartage. Maler I. A. Wladimirow
    © Foto : Museum für politische Geschichte in S.-Petersburg
    Februartage. Maler I. A. Wladimirow

    Als eine große Tragödie für Russland mit vielen Opfern bezeichnete er den Oktober-Umbruch in Petrograd. Jene Veränderungen, die die Revolution brachte, waren einerseits progressiv, andererseits negativ.

    „Wir gingen den Weg zur Schaffung eines Staates, wie es ihn zuvor nie gegeben hatte. In vieler Hinsicht war das utopisch. Der Versuch war gescheitert und hat bis heute Folgen für unser gegenwärtiges Leben. Wir hatten einen Staat aufgebaut, der bis 1991existierte, und jetzt erleben wir die Folgen des Zusammenbruchs der Sowjetunion. In der Geschichte ist ein Ereignis mit dem anderen verbunden, es ist eine Kette von Ereignissen, die nicht voneinander zu trennen sind.“

    Goldene Uhr des Bolschewiken N. Podwojskij, nach der das Signal zum Schuss aus dem Geschütz des Kreuzers „Aurora“ gegeben wurde
    © Foto : Museum für politische Geschichte in S.-Petersburg
    Goldene Uhr des Bolschewiken N. Podwojskij, nach der das Signal zum Schuss aus dem Geschütz des Kreuzers „Aurora“ gegeben wurde

    In der Ausstellung zum 100-jährigen Jubiläum der Revolution sind einzigartige Exponate zu sehen, die seit 1919 gesammelt wurden. Flugblätter und Plakate, Kriegsauszeichnungen und Waffen, Fotos, Dokumente und Bilder der Filmchronik stellen die Tragödie des russischen Volkes dar, das in das Epizentrum des bewaffneten Kampfes der verschiedenen politischen Kräfte hineingezogen wurde.

    „Wir zeigen viele Dokumente, die im Zusammenhang mit antibolschewistischer Tätigkeit in der Sowjetzeit verboten waren. Von diesen Flugblättern und Programmheften gibt es nur noch wenige, denn ihr größter Teil wurde in den Stalin-Zeiten vernichtet“, so Spiridonow.

    Die Historiker unterstützen nicht den Mythos, dass die Revolution in Russland mit Geldern aus Deutschland gemacht worden sei.

    „Bestimmt gab es deutsches Geld, aber Lenin war kein bezahlter Spion zugunsten Deutschlands. Viele Parteien wurden in einem gewissen Maße aus dem Ausland finanziert, und die Bolschewiki betrachteten es nicht als peinlich, Geld von Deutschland zu bekommen. Doch Lenin tat das, was er wollte. Nach der Juli-Krise in Russland, als die Partei der Bolschewiki in den Untergrund gehen musste, hatte Deutschland entschieden, dass es sinnlos sei, auf dieses Pferd zu setzen, und die Finanzierung wurde gestoppt. So dass die Bolschewiki die Oktoberrevolution aus eigener Kraft organisiert haben.“

    Harnisch, den die Aufständischen einem Polizisten Ende Februar 2017 abgenommen haben
    © Foto : Museum für politische Geschichte in S.-Petersburg
    Harnisch, den die Aufständischen einem Polizisten Ende Februar 2017 abgenommen haben

    Vielleicht wird jemand über die Rolle eines Zufalls in der Geschichte nachdenken, wenn er folgende Zahlen liest:

    Am Abend des 24. Oktobers verließ Lenin, wie gewohnt mit verändertem Äußeren, seine letzte konspirative Wohnung in der Serdobolskaja-Straße 1, schaute sich um und ging in Richtung der Bolschoi-Sampsonowski-Straße. Dort stieg er in eine Straßenbahn und fuhr bis zur Botkinskaja-Straße. Auf der heutigen Akademik-Lebedjew-Straße stieg Lenin aus, ging über die Litejnyj-Brücke und stieß zweimal auf Junker, die seine gefälschten Ausweispapiere kontrollierten und ihn passieren ließen. Hätten sie diese Dokumente aufmerksamer geprüft, hätte alles anders kommen können: Es wäre ein anderer Oktober gekommen, es hätte andere Helden gegeben, und Petrograd wäre nicht in Leningrad umbenannt worden.

    Die Geschichte kennt aber kein wenn.

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    Themen:
    Revolutionenjahr 1917 (8)
    Tags:
    Oktoberrevolution 1917, Sergej Spiridonow, Wladimir Lenin, UdSSR, Deutschland, Russland