08:15 22 Oktober 2020
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    Es sollte das Spiel des Jahres für die Sportfreunde Lotte werden. Am 28. Februar freute sich der Drittligist in seinem kleinen Stadion auf Borussia Dortmund zum DFB-Pokal-Viertelfinale. Aber daraus wurde nichts, zu viel ging schief.

    Lotte ist klein: Knapp 12.000 Einwohner, das reicht nicht einmal zum Stadtstatus. Die Gemeinde liegt im Tecklenburger Land, ein paar Kilometer vor den Toren Osnabrücks. Bekannt ist der Ort vor allem durch das Lotter Kreuz. Hier treffen sich die A1 und die A30 zu einem Autobahnkreuz. Viel mehr Aufregendes gibt es nicht.

    Ändern will das der Fußballverein Sportfreunde Lotte. Der schaffte im Sommer 2016 den Aufstieg in die 3. Liga. Noch besser lief es im DFB-Pokal. Nach Siegen gegen Werder Bremen, 1860 München und Bayer Leverkusen zogen die Blau-Weißen im Viertelfinale das große Los: Borussia Dortmund. Das Frimo Stadion, immerhin mit einer Kapazität von 10.000 Plätzen, war schon seit Wochen ausverkauft. Je näher der Anstoß rückte, desto mehr wuchs die Vorfreude auf den schwarz-gelben Weltklub aus dem Ruhrpott. Der legt bekanntlich Wert auf sein Image als Arbeiterverein, auf seine Hemdsärmeligkeit und seine Volksnähe.

     

    Am 28. Februar, ein Dienstag, hatte das Warten ein Ende. Endlich Pokal-Time, hieß es am Lotter Kreuz. Um den – ohnehin nicht gerade in Topform befindlichen – Rasen zu schonen, hatten die Sportfreunde die letzten beiden Liga-Heimspiele im Frimo Stadion abgesagt. Schließlich wollte der Verein für einen perfekten Rahmen sorgen.

    Nach einem Mittagessen beim Italiener nahm die Dortmunder Mannschaft mit ihren Superstars am Dienstag über die A1 Kurs Richtung Lotte. Kurz vor dem Ziel gab es Probleme. Die Einfahrt auf das Stadiongelände war etwas eng für den riesigen Mannschaftsbus der Dortmunder. Um die Einfahrt optimal zu treffen, holte der Fahrer etwas aus, fuhr auf einen nahegelegenen Acker und blieb im Matsch hängen. Reifen drehten durch, es ging nicht vor und zurück. Der Bus des Arbeiterklubs gefangen in der Provinz. Zum Glück gibt es hier Trecker. Ein Landwirt rückte mit seinem blauen Gefährt an und zog den BVB-Bus aus dem Schlammassel. Gerade noch einmal gut gegangen … 

    Das gilt nicht für den Betreiber des Stadionimbisses. Der konnte den Fans keine Pommes Frites anbieten. Der Deutsche Fußballbund (DFB) hatte es verboten, teilten die Sportfreunde auf Sputnik-Nachfrage mit. Ein paar Pokalrunden zuvor gab es im Spiel gegen 1860 München auf der Haupttribüne einen kompletten Stromausfall. Als Verursacher wurden Fritteusen und Glühweinbehälter ausgemacht. Also wurden der Stadionstrom und damit auch die Zuschauer auf Diät gesetzt. Schließlich waren acht TV-Sender im Stadion, da wollte die Verantwortlichen in Lotte kein Risiko eingehen. 

    Genutzt hat alles am Ende nichts. Denn am frühen Abend, kurz vor Spielbeginn, begann es im Tecklenburger Land zu regnen und zu schneien. Es wurde immer mehr. Eine halbe Stunde vor dem Anstoßtermin traf der Schiedsrichter die Entscheidung: Spielabsage. Der malade Rasen war glitschig, nass und unbespielbar, das Verletzungsrisiko zu groß. Die 10.000 Fans wurden nach Hause geschickt: Ohne Fußball und ohne Pommes. Nur der Borussen-Bus, der fand ohne Hilfe den Weg zurück aus der Provinz nach Dortmund.

    Das Spiel soll am 14. März nachgeholt werden. Den Dortmundern wäre es lieb, wenn sie nicht wieder im Frimo Stadion antreten müssten. Die Entscheidung steht aus. Der DFB legt den Sportfreunden Lotte einen Umzug in ein anderes Stadion nahe. Auch die Pommes-Esser und der Dortmunder Busfahrer werden dafür plädieren. Aber der neutrale Fußballfan hofft, dass das kleine Drama in Lotte um einen weiteren Akt fortgeschrieben wird.

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    Tags:
    Deutscher Fußball-Bund (DFB), Borussia Dortmund, Lotte