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    Frauen im Kosmos: von Tereschkowa bis zu einer deutschen Astronautin

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    Die erste deutsche Frau soll laut Gerhard Kowalski, Raumfahrthistoriker, Autor einer Dokumentation über Juri Gagarin, um das Jahr 2020 ins Weltall fliegen. Unter 400 Bewerberinnen wurden am 1. März sechs Finalistinnen ausgewählt. Mitte des Monats werden dann zwei von ihnen ausgesucht, die zum Training ins Sternstädtchen bei Moskau reisen werden.

    Im Moment habe Deutschland zwölf Kosmonauten bzw. Astronauten, von denen elf schon geflogen seien, aber keine Frau dabei, sagte Kowalski im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin. „Und weil die Gesellschaft damit nicht zufrieden ist, hat Claudia Kessler, Raumfahrtmanagerin von einem Privatbetrieb aus Bremen, die in den 90er Jahren selbst Astronautin werden wollte, aber es nicht geschafft hatte, die Initiative „Die Astronautin“ gegründet und ein Auswahlverfahren eingeleitet. Man ist jetzt dabei, etwa 40 Mio. Euro für den Flug zusammenzubekommen.“

    Die erste Frau aber, die 1963 im All war und innerhalb ihres dreitägigen Fluges in der Raumkapsel Wostok-6 49 Mal die Erde umkreiste, war Valentina Tereschkowa, die am 6. März ihren 80. Geburtstag feiert.

    „Somit vollbrachte die damalige Sowjetunion zum dritten Mal hintereinander eine Pionierleistung und überholte die Amerikaner bei der Erschließung des Weltraums“, führt der Raumfahrtjournalist aus. „Der Sputnik war ein sowjetischer Satellit, Gagarin war ein Sowjetbürger und mit Tereschkowa war zum ersten Mal eine Sowjetfrau in den Weltraum geschossen worden.“

    Erste Kosmonautin musste mehrere Pannen beheben

    Allerdings sei bei ihrem Flug eine Menge schiefgegangen, so Kowalski. „Der Bordcomputer war nicht richtig programmiert, sodass anstatt das Raumschiff wieder zur Erde zurückfliegen zu lassen, es praktisch in den Weltraum abgedriftet ist. Als Valentina Tereschkowa das mitbekommen hatte, hat sie an die Bodenstation gefunkt, bekam dann neue Daten und musste das Programm ihres Raumschiffes verändern, sodass die automatische Landung hinterher möglich war.“

    Das habe sie äußerst nervös gemacht, so Kowalski weiter. Außerdem habe Valentina Tereschkowa sich von der ersten Minute des Fluges an nicht besonders gut gefühlt. „Offenbar hatte sie Probleme mit der Raumkrankheit. Das hat dazu geführt, dass das wissenschaftliche Programm von ihr nicht voll erfüllt wurde. Sie sollte zu bestimmten Zeiten Weltraumnahrung zu sich nehmen, zu bestimmten Zeiten trinken und auch den Flug von Waleri Bykowski, der parallel zu ihr mit „Wostok 5“ unterwegs war, beobachten.“

    Член основного экипажа транспортного пилотируемого корабля Союз ТМА-14М, космонавт Роскосмоса Елена Серова
    © Foto : Roscosmos Press Service
    Das habe aber nicht funktioniert, schildert Kowalski, „weil die Flugbahn von Bykowski etwas tiefer war, so dass beide keinen Sichtkontakt hatten. Es gab dazu noch große Probleme mit dem Funkverkehr zwischen den beiden Raumschiffen. Der damalige Chef des sowjetischen Weltraumprogramms, Sergei Koroljow, war nicht besonders glücklich darüber und sagte in einem kleinen Kreise:,Mir kommen keine Weiber mehr ins All‘.“

    Sechzehn Jahre nach seinem Tod kam 1982 doch die nächste Kosmonautin, Swetlana Sawizkaja. Und bis jetzt gibt es insgesamt vier russische bzw. sowjetische Frauen, die im Weltraum gewesen sind, die Amerikaner haben allerdings inzwischen mehr als 30. 

    Frau oder Mann besser für Kosmos geeignet?

    Der weibliche Organismus unterscheide sich von dem männlichen im Grunde genommen nicht bedeutend, in gewissen Punkten aber doch, behauptet der Forscher. „Die Frauen haben zum Beispiel dadurch Vorteile, dass sie den Menstruationszyklus haben und verlorengegangenes Blut schneller ersetzen können als der männliche Körper. Ansonsten verhalten sie sich im Weltraum fast genauso wie die Männer, teilweise bringen sie sogar günstigere Voraussetzungen mit.“

    Bei der ISS gab es schon 37 Frauen, die an 94 Einsätzen teilnahmen und zusammengerechnet vier Jahre im Weltraum arbeiteten. Kowalski kommentiert: „Es ist gut, wenn gemischte Teams fliegen. Die Anwesenheit von Frauen in diesem Kollektiv wirkt sich positiv aus. Die Männer können sich nicht mehr wie Machos benehmen, sondern sie müssen sich schon mal überlegen, was sie sagen und was sie tun. Außerdem sorgt eine Frau dafür, dass ein bisschen mehr Ordnung an Bord herrscht.“

    Jedoch seien das keine gesicherten Erkenntnisse, sondern eher Gefühlsmomente, bemerkt der Raumfahrthistoriker. Die Kosmonauten, die er kenne, „haben ganz gut gefunden, wenn Frauen dabei waren. Ich kenne das von russischen Kosmonauten und auch von Ulf Merbold, der mit Jelena Kondakowa einen Monat lang auf der russischen Raumstation Mir arbeitete. Alle haben sich immer mit großer Hochachtung über die Leistung der Frauen geäußert.“

    Gerhard Kowalski meint jedoch, dass die Frauen noch ein Riesenpotenzial für die Raumfahrt haben, das bis jetzt nicht in dem Maße genutzt worden sei, wie es erforderlich wäre.

    Das komplette Interview zum Anhören

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    Tags:
    Kosmonaut, Claudia Kessler, Gerhard Kowalski, Walentina Tereschkowa, Weltraum