22:42 07 Dezember 2019
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    „Unregelmäßigkeiten“ in Deutschland: Wie Uber mit Geheim-Software Kontrollen entgeht

    © AFP 2019 / Mark Ralston
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    Mit einem bislang geheimen Software-Programm namens Greyball soll der Online-Taxidienst Uber schon seit Jahren Kontrollen umgehen. Auch Mitarbeiter in Deutschland stellten bei Testfahrten „Unregelmäßigkeiten“ fest, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) berichtet.

    Greyball soll demnach eigentlich dazu dienen, die Uber-Fahrer zu schützen – vor gewalttätigen Fahrgästen, vor Konkurrenz wie dem US-Wettbewerber Lyft sowie vor „Gegnern, die mit Kontrolleuren in verdeckten Operationen gemeinsame Sache machen“, wie das Unternehmen bestätigte.

    Schon 2014 hatten Kontrolleure der US-Stadt Portland (Bundesstaat Oregon) versucht, Uber genauer unter  die Lupe zu nehmen. Sie wollten laut FAZ als gewöhnliche Kunden getarnt Beweise dafür sammeln, dass die Wagen illegal – also ohne nötige Genehmigung – unterwegs waren. Doch die Fahrten wurden jeweils binnen kürzester Zeit storniert, sodass die Kontrolleure niemanden zu greifen bekamen.

    Mittels Greyball sollen also Uber-Mitarbeiter beobachtet haben, welche Nutzer sich häufig in der Nähe von Regierungsgebäuden in die App einloggten. Darüber hinaus sollen sie geprüft haben, ob die in der App hinterlegten Kreditkarteninformationen Hinweise gaben, und die sozialen Netzwerke durchforstet haben. Sollten sie fündig geworden sein, hätten sie zu verschleiern versucht, wo sich die Uber-Wagen tatsächlich aufhielten, und den Nutzern „Geisterfahrzeuge“ angezeigt. Laut einem Bericht der US-Zeitung „The New York Times“ soll Uber auf diese Weise in Boston, Las Vegas und Paris, aber auch in Australien, China und Südkorea behördliche Kontrollen vermieden haben.

    Ob die Software legal ist, sei derweil unklar, schreibt die FAZ, „doch wieder einmal zeigt das mit rund 70 Milliarden Dollar bewertete Unternehmen, wie weit es zu gehen bereit ist, um sich im harten Konkurrenzkampf um die Gunst der Kunden durchzusetzen.“

    Ob und zu welchen Zwecken Greyball auch in Deutschland zum Einsatz kam, ist laut der Zeitung vorerst nicht bekannt. Nur in Berlin und München soll der Fahrtenvermittler überhaupt aktiv sein. In der Hauptstadt liege kein Verdacht vor, hieß es dort bei der zuständigen städtischen Behörde.

    Ein Pressesprecher der Verwaltung in München sagte gegenüber der FAZ, dass Mitarbeiter des Kreisverwaltungsreferats im Jahr 2014 Testfahrten durchgeführt hätten. Dabei seien zwar „Unregelmäßigkeiten bei der App-Benutzung aufgefallen, die aber nicht eindeutig belegbar waren“.

    Die Uber-App vermittelt in Deutschland ausschließlich professionelle Chauffeure, die ebenso wie Taxifahrer einen gültigen Personenbeförderungsschein besitzen müssen. Der Service Uber Pop, bei dem auch Privatleute ohne Lizenz Fahrten mit dem eigenen Auto anbieten können, ist in Deutschland seit März 2015 verboten.

    Uber hat in den vergangenen Jahren schon mehrmals für Negativschlagzeilen gesorgt. So behauptete eine Ex-Uber-Mitarbeiterin, von ihrem ehemaligen Chef sexuell belästigt worden zu sein. Außerdem kam Uber-Mitgründer Travis Kalanick in Erklärungsnot, als ein Video veröffentlicht wurde, auf dem ein hitziger Streit zwischen ihm und einem Fahrer festgehalten wurde.

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    Tags:
    App, Software, Kontrolle, Uber, Paris, Südkorea, China, Australien, München, Berlin, USA, Deutschland