10:18 18 Februar 2020
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    Fast 15 Monate nach den sexuellen Übergriffen auf Frauen in der Kölner Silvesternacht hat der Untersuchungsausschuss des nordrheinwestfälischen Landtages einen Abschlussbericht erstellt. Dabei werden nach Informationen der Zeitung „Express“ schwere Vorwürfe gegen die Polizei erhoben.

    Denn die Aufklärer sind überzeugt: Der Sex-Mob am Kölner Hauptbahnhof hätte gestoppt werden können. „Die Übergriffe der Silvesternacht 2015/2016 hätten, zumindest weitgehend, verhindert werden können, wenn schon bei den ersten Straftaten frühzeitig und entschlossen durchgegriffen worden wäre. Für ein solches Vorgehen fehlten der Überblick und die nötigen Kräfte“, zitiert das Blatt aus dem Abschlussbericht.

    In dem Bericht wird die Einsatzplanung von Köln und der Landespolizei wegen mangelnder Berücksichtigung der Erfahrungen aus den Vorjahren als „unzureichend“ bewertet. Auch die Reduzierung der angeforderten Kräfte durch das Land wird als „grober Fehler“ mit „fatalen Folgen“ bezeichnet.

    Der Untersuchungsausschuss übt zudem scharfe Kritik an der Öffentlichkeitsarbeit von Polizei und Politik nach den massenhaften sexuellen Übergriffen. „Die falsche und irreführende Kommunikation der Behörden über die Ereignisse sowie die über Tage ausbleibende Reaktion der politisch Verantwortlichen haben bei vielen Betroffenen und ihren Familien aus Unverständnis Wut werden lassen“, heißt es in dem Berichtsentwurf.

    Es bleibe „völlig unverständlich“, dass trotz einschlägiger Erfahrungen aus den Vorjahren keine angemessene Einsatzplanung zwischen der Stadt Köln sowie der Landes- und Bundespolizei sichergestellt“ worden sei.

    Laut dem eigens beauftragten kriminologischen Gutachten von Professor Rudolf Egg hatte die Tatenlosigkeit der Beamten schwere Folgen nach sich gezogen.

    „Als die Tätergruppen in Köln merkten, dass die Polizei nicht eingriff, entstand ein fataler Sogeffekt, der eine kriminelle Dynamik, Gruppenverhalten und sexuelle Gewalttaten nach sich zog“, so der Bericht.

    Das Ausmaß der Straftaten in dieser Nacht hätte dem Bericht zufolge durch ein möglichst rasches und vor allem frühzeitiges Eingreifen der Polizei und sonstiger Schutz- und Ordnungskräfte, also die konsequente Verfolgung erster Straftaten sowie die frühe Räumung und Sperrung größerer Flächen, verhindert werden können, heißt es im Bericht weiter.

     

     

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    Tags:
    Sexualdelikte, Kritik, Polizei, Bericht, Deutschland, Köln