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21:43 23 Juli 2019
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    Pressekonferenz zum Germanwings-Absturz: Günter Lubitz (ganz links), der Vater von Andreas, Luftfahrtexperte Tim van Beveren (ganz rechts) und Anwälte

    Luftfahrtexperte zweifelt: Lubitz war wohl kaum „bei Bewusstsein“

    © AFP 2019 / Tobias Schwarz
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    Der Luftfahrtexperte Tim van Beveren, der von Familie Lubitz für ein neues Gutachten zur Absturzursache der Germanwings-Maschine vom März 2015 beauftragt wurde, zweifelt daran, dass der Copilot Andreas Lubitz beim Aufprall des Flugzeugs bei Bewusstsein war. Das sagte er bei einer Pressekonferenz am Freitag, wie deutsche Medien berichten.

    Durch die Atemgeräusche im Cockpit, die auf den Recordern zu hören waren, sei klar, dass Lubitz am Leben war, aber nicht, ob noch bei Bewusstsein.

    Faktor Cockpit-Tür

    Auch habe nicht nachgewiesen werden können, ob Lubitz den Piloten tatsächlich aus dem Cockpit ausgesperrt habe.

    "Die Behauptung, er habe den Piloten ausgeschlossen, hält sich sehr hartnäckig", so van Beveren ferner. "Es gibt für diese Spekulation überhaupt keinen stichhaltigen Beweis, auch nicht nach einem Jahr akribischer Ermittlungen." 

    Möglich sei, dass das Keypad für den Notfallcode defekt war. Der Experte habe zwei Tage nach dem Absturz die Information erhalten, dass die Cockpit-Tür bei einem anderen Flug kurz davor zugefallen sei. Zwei Piloten hätten sich ausgesperrt und die Tür nicht mehr öffnen können. Erst die Bodencrew habe helfen können. Van Beveren habe diesen Hinweis selbstverständlich weitergegeben, doch sei er nicht weiter untersucht worden. 

    Faktor Wetter

    Am Unglückstag habe außerdem zwar sonniges Wetter geherrscht, doch zugleich Turbulenzen gegeben, die für den Piloten unsichtbar seien, da sie nicht am Wetterradar angezeigt würden — sogenannte Luftlöcher. Piloten, die am gleichen Tag die Route Barcelona-Düsseldorf geflogen seien, hätten wegen dieser Turbulenzen eine niedrige Flughöhe gewählt.

    >>> Germanwings-Absturz: "Unser Sohn war nicht depressiv" — Vater von Copilot

    Am Freitag stellen Günter Lubitz, der Vater von Andreas, seine Anwälte und der Luftfahrexperte van Beveren im Rahmen einer Pressekonferenz am Freitag, am zweiten Jahrestag des Flugzeugunglücks, ein neues Gutachten zur Absturzursache der Germanwings-Maschine vor.

    Ein Teil dieses Gutachtens wird laut dem Experten nun an die Behörden übergeben, die den Fall weiterermitteln sollen.

    "Es gibt jetzt zwei Möglichkeiten, mit meinem Gutachten zu verfahren: Entweder die Behörden nehmen das Verfahren auf. Wir wollen ihnen die Möglichkeit geben, mit unseren Erkenntnissen ihre Arbeit machen zu können. Oder die Ergebnisse gehen auf die Website von Andreas Lubitz, auf der in den nächsten Tagen Auszüge zu lesen sein werden", so van Beveren.

    Bei dem Absturz eines Airbus A320 der Lufthansa-Tochter Germanwings in den französischen Alpen sind am 24. März 2015 alle 149 Flugzeuginsassen umgekommen. Die deutschen Justizbehörden gehen von einer absichtlichen Tat und Alleinverschulden von Co-Pilot Andreas Lubitz aus. An Bord der Maschine, die aus Barcelona nach Düsseldorf unterwegs war, befanden sich neben Deutschen und Spaniern auch Bürger der Türkei, der USA, Belgiens, Dänemarks, Japans und anderer Staaten.

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