06:59 22 September 2020
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    Das Jahr 1999 steht in Serbien im Zeichen der Nato-Intervention. Kinder, die damals geboren sind, werden in diesem Jahr volljährig. In einem Sputnik-Gespräch erzählen sie, was sie von den Bombardierungen halten.

    Andjela S. kam in Peć zur Welt. Diese Stadt im Westen des Kosovo war vom 14. bis 18. Jh. Sitz der serbisch-orthodoxen Kirche. Jetzt leben dort keine Serben mehr. Die nun 18-Jährige glaubt, dass 1999 eine große Ungerechtigkeit gegenüber ihrem Volk begangen worden sei. Schuld daran ist aus ihrer Sicht die westliche Propaganda, die die Serben als die Bösen darstellte.

    „Ich weiß nur, dass man uns damals unterstellt hatte, alle Albaner aus dem Kosovo vertreiben zu wollen. Dann fielen die Bomben“, erzählt Andjela im Sputnik-Gespräch. Nach ihrer Einschätzung verstand die friedliche Bevölkerung nach Beginn der Nato-Angriffe die Welt nicht mehr. Ihre eigene Familie habe sich während der Bombardements im Keller ausharren müssen. „Mein Großvater war alt und krank. Für ihn war der Stress zu groß und er bekam einen Schlaganfall.“

    Gavrilo M. verbindet die Ereignisse von 1999 vor allem mit dem Nato-Tarnkappenflugzeug, welches von der serbischen Luftabwehr abgeschossen werden konnte.

    „Mein Vater war nicht beim Militär, aber er hatte als Freiwilliger den Wachdienst an der Fakultät, an der er unterrichtete“, erzählt der Schüler. Seine Mutter  habe ihm später von panischer Angst erzählt, die sie bei jedem Fliegeralarm packte.

    Uros C. lebte nach Kriegsende noch bis 2004 in seiner Heimatstadt Lipljan im Norden des Kosovo. Von seinen Eltern erfuhr er, wie westliche Medien eine „humanitäre Katastrophe“ im Kosovo „fabriziert“ hätten.

    „Als die Bombardements begannen, war mein Vater bei der Armee. Meine Mutter erzählte mit, sie hatte Angst und verstand nicht, was vor sich ging.“

    Uros musste erst als Sechsjähriger seine Heimat verlassen. Von Kugeln beschädigte Hausfassaden stehen ihm aber immer noch vor den Augen. Auch erinnert er sich an Krater von Raketeneinschlägen und an „radioaktive Sperrgebiete“, die die Uranmunition der Nato hinterlassen hat.

    Nach dem Ende des Kriegs und dem Einzug der Nato-Mission Kfor sei das Kosovo für die Serben unsicher geworden, sagt Uros. „Ich durfte nur vor unserem Haus spazieren“, erinnert er sich. Auch wenn der Weg vom Haus bis zum Kindergarten relativ sicher gewesen sei, sei man dort vor radikalen Kosovo-Albanern nicht in Sicherheit gewesen. Seine Familie setzte sich am 11. März 2004 aus Lipljan ab, noch bevor dort wenige Tage später dort antiserbische Pogrome begannen.

    Die Nato hatte im Kosovo-Konflikt vom 24. März bis 8. Juni 1999 ohne UN-Mandat Jugoslawien bombardiert. In dieser Zeit kamen verschiedenen Schätzungen zufolge zwischen 1200 und 2500 Menschen ums Leben, darunter etwa 270 Soldaten und Polizisten sowie 89 Kinder. Rund 12.500 weitere Zivilisten wurden verletzt. Zerstört wurden 148 Wohnhäuser und 62 Brücken, etwa 300 Schulen, Krankenhäuser und Staatseinrichtungen sowie 176 Kulturdenkmäler wurden beschädigt. 2008 erklärten die albanischen Behörden eniseitig die Unabhängigkeit der Provinz. Die USA und die meisten europäischen Staaten erkannten diese Unabhängigkeitserklärung an, völkerrechtlich gehört die Region jedoch weiter zu Serbien.

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    Tags:
    NATO, Kosovo, Serbien