17:29 18 Dezember 2017
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    Terroranschalg in Sankt Petersburg

    Erste Minuten nach dem Petersburger Anschlag – Exklusivinterview mit Augenzeugen

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    Bombenanschlag in der Sankt Petersburger U-Bahn (63)
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    Ulan Karipbajew, ein kirgisischer Student aus Sankt Petersburg, hat wirklich Glück gehabt: Zu dem Zeitpunkt des jüngsten Anschlags in der U-Bahn befand er sich in einem Zug auf einem anderen Bahnsteig der Station, wo die Explosion stattfand. In einem Interview mit Sputnik erzählte der Student, was zu dem Zeitpunkt in der Metro geschah.

    „Ich fuhr zum Prospekt der Veteranen (Station der Petersburger U-Bahn – Anm. d. Red.). Es gibt da eine Stelle, wo sich die blaue und die rote Metro-Linien kreuzen. Ich war in einem Wagen der roten Linie und der Anschlag passierte auf der blauen Linie gegenüber“, so Karipbajew.

    Zunächst habe er überhaupt nicht mitgekriegt, dass es sich um einen Anschlag handle.

    „Zuerst dachte ich, dass jemand von den Türen eingeklemmt wurde, sonst nichts. Als wir die nächste Station erreichten, habe ich gesehen, dass dort Untersuchungen begonnen haben. Die U-Bahn-Wagen wurden durchsucht. Die Polizei hat sofort reagiert“, beschreibt der Student.

    Auch Spezialeinsatzkräfte seien zu dem Moment bereits vor Ort gewesen. „Die Leute wussten da aber noch gar nicht Bescheid. Manchmal passiert es ja, dass man aufgefordert wird, auszusteigen und die nächste U-Bahn abzuwarten.“

    Erst draußen habe er begriffen, was passiert war. „Als wir gebeten wurden, nach draußen zu gehen, als ich aus der Metro rausging, habe ich gesehen, dass alle einander (über Mobiltelefone – Anm. d. Red.) schreiben und einander anrufen und erzählen, dass etwas passiert ist. So habe ich mitgekriegt, dass etwas Ernsthaftes geschehen ist – ein schrecklicher Vorfall.“

    In der Stadt selbst sei es zunächst ruhig gewesen. „Aber dann gab es die ersten Staus, weil die Metro nicht mehr fuhr. Dann gerieten die Menschen in Panik, rannten ziellos durch die Gegend. Sie fingen an zu schreien“, so der Student. Ihm zufolge war auch Rauch zu sehen.

    Passanten hätten außerdem auf die Tasche reagiert, die der junge Mann bei sich getragen habe.

    „Ich hatte eine schwarze Tasche dabei und die Leute fragten mich, was ich denn da drin hätte. Das waren ganz normale Leute, Anwohner. Das Lustigste war, dass ich ein Buch über Theater dabei hatte und jemand las statt Theater ‚Terrorakt‘. In der Metro werden jetzt wohl Menschen aus Zentralasien angehalten und kontrolliert. Bis zum heutigen Tag bin ich selbst nie aufgehalten worden“, fügte Karipbajew hinzu.

    Erst am Dienstag wurde der Student eigenen Angaben nach 21 Jahre alt. Da sei ihm bewusst geworden, wie viel Glück er gehabt hatte.

    „Es ist alles so traurig! Ich bin heute 21 Jahre alt geworden und ich hatte den Gedanken: Jemand anderer hätte heute vielleicht auch Geburtstag gefeiert, aber er hat sich gestern in die U-Bahn gesetzt und seinen Geburtstag nicht mehr erlebt. Das ist furchtbar“, schloss er.

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    Bombenanschlag in der Sankt Petersburger U-Bahn (63)

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    Tags:
    Augenzeuge, U-Bahn, Anschlag, Russland, St. Petersburg
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