15:51 18 Dezember 2017
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    Blumen und Kerzen vor der St. Petersburger U-Bahn

    Experte analysiert Terroranschlag von Sankt Petersburg

    © AFP 2017/ Olga Maltseva
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    Bombenanschlag in der Sankt Petersburger U-Bahn (63)
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    Der Terroranschlag in der U-Bahn von St. Petersburg ist laut einem Experten eine typische Aktion, deren Zeitpunkt und Ort speziell ausgewählt wurden. Der Vize-Präsident der Assoziation der Veteranen von „Alpha Antiterror“, Oberst a.D. Alexej Filatow, analysiert den jüngsten Terroranschlag in Russland.

    „St. Petersburg ist die zweitgrößte Stadt Russlands. Die U-Bahn ist eine komplizierte Verkehrsinfrastruktur mit Anlagen im tiefen Untergrund der Stadt. Es ist ein Sprengsatz von 300 bis 400 Gramm Trotyl-Äquivalent explodiert, doch der angerichtete Schaden ist enorm – Panik, Angst und Lähmung wichtiger Verkehrsverbindungen in der ganzen Stadt für den ganzen Abend. Wir sehen das typische Bild des Anrichtens eines Blutbades – mit wenigen Mitteln ein kommutatives Ergebnis erreichen.“

    Laut Filatow ist es merkwürdig, dass die terroristische Organisation „Islamischer Staat“ bisher noch nicht die Verantwortung für den Anschlag übernommen hat. Das rege zu einem großen Nachdenken an.

    „Es ist notwendig zu verstehen, wer der Auftraggeber dieses Anschlages ist. Wenn nicht der Islamische Staat, so bleibt ein kleiner Kreis von Akteuren. Ich würde vermuten, dass es möglicherweise ukrainische Nationalisten sein könnten, denn die Schärfe der Leidenschaften in Bezug auf Russland wächst dort. Oder  — radikale Gruppierungen in Russland selbst.“

    Dass der mutmaßliche Selbstmordattentäter laut den jüngsten Medienberichten aus Kirgisien stammen könnte, hat dem Experten zufolge keine prinzipielle Bedeutung. An seiner Stelle könnte auch ein Tadschike oder ein Usbeke stehen. Auf jeden Fall seien sie Menschen, die in manchen Fällen sogar nicht einmal wissen, was sie tun.  Der Veteran der Sondereinheit „Alpha“ nannte drei mögliche Varianten eines solchen Anschlages.

     

    „Erstens. Man wirbt einen Mann an, der eine Tasche mit der Bombe an einem gewissen Ort zu einer bestimmten Zeit abstellen soll. Dieser Mann geht dann weg und löst die Zündung der Bombe aus. Im zweiten Fall geht es um einen Selbstmordattentäter. Das ist ein Mensch, der in den Tod geht, psychologisch gesehen ist er unsicher, sein Zustand ist instabil. Es gab Fälle mit Selbstmordattentäterinnen, die sich zurückzogen, sobald sie an ihrem Zielort einen Mann in Uniform sahen.  Im dritten Fall ist es so, dass der Auftraggeber einen Unbekannten bittet, einen Rucksack zu einer bestimmten U-Bahn-Station zu bringen und ihn dort an jemanden zu übergeben. Dafür bekommt er etwa 200 Dollar. Der Betreffende wird bis zum Zug verfolgt. Der Beobachter sieht, dass der Mann in den Zug einsteigt, der Zug fährt in den Tunnel hinein, und Sekunden später wird die Explosion ferngesteuert ausgelöst.“

    Der Sprengsatz soll vermutlich in einem Feuerlöscher verstaut gewesen sein. Ein ähnlicher Sprengsatz wurde in einer anderen St. Petersburger U-Bahn-Station gefunden und entschärft. Ein Feuerlöscher sei ganz normal und ungefährlich, niemand würde auf ihn achten, wenn er ihn in einem Waggon sehe.

    „Nach den Verletzungen an den Körpern der Opfer zu urteilen, befand sich der Sprengsatz im Bereich des Rückens oder des Bauches. Jetzt wird dieser Version besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Es gibt die Überreste eines Körpers, die die Vermutung zulassen, dass er die Bombe getragen hat. Sehr viele Menschen wurden genau in Hüfthöhe verletzt. Wir gehen davon aus, dass der Sprengsatz in einer Höhe von 1,00 bis 1,20 Meter über dem Boden explodiert ist. Man kann nicht ausschließen, dass es eine zufällige Person war, die blind ausgenutzt wurde.“

    Der Ausführende der terroristischen Handlungen könnte jede kriminelle Gruppe gewesen sein. Es gebe kriminelle tadschikische und kirgisische Gruppen, die auch als zentralasiatische bezeichnet werden. Aber der Terrorismus stütze sich immer auf die Wirtschaft und auf Banknoten. Ohne Finanzierung würde Derartiges niemand tun. Darum sei es jetzt die Hauptsache zu verstehen, wer der Auftraggeber sei, betonte Filatow.

    Die Maßnahmen der Behörden und Dienste zur Rettung der Bürger nach den Anschlägen, ebenso das Handeln des Zugführers schätzte der Experte als kompetent ein. Mit den Sofa-Experten, die sagen, dass die Sicherheitskräfte wieder etwas „verschlafen“ hätten, sei er nicht einverstanden. In den letzten Jahren sei das Niveau der terroristischen Bedrohung in Russland gewachsen. Die Sicherheitsstrukturen könnten hunderte Anschläge verhüten, aber einen verpassen. Man müsse die terroristische Bedrohung insgesamt verringern, betonte der Veteran der Anti-Terror-Einheit „Alpha“.

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