14:51 17 Dezember 2017
SNA Radio
    Russischer Regisseur Andrej Tarkowski (1932-1986) bei Dreharbeiten zum Film Der Spiegel (1975)Russischer Regisseur Andrej Tarkowski (1932-1986)

    Andrej Tarkowski wäre 85 geworden: Sein Sohn über unerfüllten Traum des Regie-Genies

    © Foto: Bibliothek der Filmkunst „Sergej Eisenstein“© Photo : RIA Novosti
    1 / 2
    Panorama
    Zum Kurzlink
    1131

    Am Dienstag, dem 4. April, wäre der 1986 verstorbene herausragende russische Filmregisseur Andrej Tarkowski 85 Jahre alt geworden. Sein Sohn Andrej Tarkowski-der Jüngere erinnert sich an seinen Vater.

    Wie Tarkowski zu RIA Novosti sagte, war sein Vater immer auf seine Arbeit konzentriert gewesen und hat wortwörtlich bis zum letzten Moment von neuen Projekten geträumt. Noch im Sommer 1986, einige Monate vor seinem Tod,  habe er im italienischen Ansedonia über ein Projekt „Leidensgeschichte“ zu Judas‘ Verrat und zur Kreuzigung von Jesus Christus nachgedacht. Leider sei nur wenig Material zu diesem Thema aufzufinden, doch die Idee selbst sei erhalten geblieben: Er wollte unbedingt den Tag des Verrats und der Kreuzigung von Jesus Christus gestalten.

    „Er hatte viel über Judas‘ Gestalt nachgedacht, warum er zum Verräter geworden war, ob er verraten sollte,  ob es sein Schicksal oder seine persönliche Wahl war“, philosophierte der jüngere Sohn des Regisseurs, der bereits 20 Jahre die Internationale Andrej Tarkowski-Hochschule leitet.

    Er sagte dabei, dass Tarkowski interessante Ideen der Verlagerung von Zeit und Raum, ihr Zusammenwirken durch Mikrowelten und Mikrolandschaften betrachtete.

    „Diese Ideen wurden schon einmal von ihm in „Nostalgie“ und in „Stalker“ verwendet, und es könnte noch ein äußerst interessanter Film entstehen. Zu meinem größten Bedauern sind nur wenige Notizen und Aufnahmen dazu geblieben, nur ein paar intuitive Blitze.“

    Der damals fünfzehnjährige Andrej traf seinen Vater nach einer vierjährigen Trennung im Januar 1986 wieder, als ihm nach François Mitterrands Ansprache an Michail Gorbatschow diesbezüglich die Einreise nach Paris genehmigt wurde. Zu der Zeit hatten die Ärzte dem Klassiker des Weltfilmwesens bereits eine schreckliche Krankheitsdiagnose gestellt – Krebs.

    „Damals herrschte die Auffassung, dass Krebserkrankungen am besten in Frankreich geheilt werden können, deswegen begab er sich nach Paris. Wir haben uns in Frankreich getroffen, da er dort behandelt wurde, danach zogen wir nach Italien zum Tirrener Meer in Ansedonia um. Ende September hatte sich sein Zustand verschlechtert, und er kehrte nach Paris in die Klinik zurück. Im Dezember 1986 ist er verstorben“, erinnerte sich der jüngere Tarkowski.

    Während des letzten Lebensjahres habe er vorwiegend die christliche Philosophie gelesen, sei Christenmensch gewesen, all seine Problematik der Kunst und Suche sei ausschließlich christlich gewesen, betonte der Sohn des Regisseurs.

    Nach seinen Worten war das eine besondere Zeitspanne, in der „mein Vater sich sehr stark innerlich konzentriert und alles Unnötige weggelassen hatte“.

    „Sogar sein Lesen lief auf die russische religiöse Philosophie hinaus. Er las viel Berdjajew, Solowjov, Florenskij.“

    „Mein Vater pflegte zu sagen, es wäre am zutreffendsten, sich die Filme mit Kinderaugen anzusehen. Das Kind empfindet die Welt direkt und unbefangen, es hat keine im Voraus aufgebauten Hindernisse, die entweder durch Ausbildung oder Lebenserfahrung geschaffen werden können. Das Kind kann akzeptieren oder aber auch ablehnen. Tarkowski meinte, dass seine Filme gerade auf solche Art und Weise gesehen und miterlebt werden sollten“, sagte der Sohn des Meisters abschließend.

    Zum Thema:

    „Jesus lebt nicht mehr in Holland“ – Experte: Wilders ist der niederländische Trump
    Zeitgenössisches Jesus-Bild aus Blei: Echtheit wissenschaftlich bewiesen
    Eyes Wide Shut: Jesus-Statue schlägt plötzlich die Augen auf – Zeugen-VIDEO
    New York: Für Jesus gebautes Haus zur Vermietung angeboten
    Tags:
    Film, Regisseur, Internationale Andrej Tarkowskij-Hochschule, Jesus Christus, Andrej Tarkowski, Italien, Frankreich, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren