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    Leonid BreschnewAlexej Leonow schwebt im Weltraum (Archivbild)

    Raumfahrer an Stelle des Parteichefs: Mordanschlag am Kreml

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    Ein Attentäter wollte den sowjetischen Parteichef Leonid Breschnew töten, nahm aber irrtümlich ein anderes Fahrzeug unter Beschuss – dort saßen vier Kosmonauten. Einer von ihnen, Alexej Leonow, berichtet über jenen Überfall in seinen Memoiren, die jetzt erscheinen. Am 12. April, dem Tag der Raumfahrt, bringt die Zeitung „Iswestija“ einige Auszüge.

    Am 22. Januar 1969 war eine feierliche Veranstaltung im Kreml geplant. Vier sowjetische Kosmonauten, unter ihnen auch Leonow, waren mit einem Regierungswagen unterwegs, der genauso aussah, wie der Wagen des damaligen Parteichefs.

    Breschnew kam aber durch ein anderes Tor in den Kreml – der Attentäter Viktor Iljin wusste das nicht. Zu jenem Zeitpunkt war er mit zwei gestohlenen Pistolen von seinem Militärstandort bei Leningrad geflüchtet und hatte sich eine Polizeiuniform verschafft. So konnte er unmittelbar an die Kreml-Einfahrt gelangen. Als Iljin einen Regierungswagen sah, glaubte er, dass Breschnew dort saß, und eröffnete das Feuer.

    Breschnews Auto im Augenblick des Attentats
    Breschnews Auto im Augenblick des Attentats

    Leonow schreibt: „Innerhalb von wenigen Sekunden schaffte es dieser Iljin, 16 Kugeln abzufeuern. Die erste davon traf unseren Fahrer in den Kopf. Ich wandte mich schnell ihm zu. Hätte ich unbewegt gesessen, hätte mich die nächste Kugel genau in die Schläfe getroffen. Eine weitere Kugel flog an meinem Bauch vorbei, noch eine streifte meinen Uniformmantel an der Brust, die nächste traf die Sitzpolsterung hinter meinem Rücken. Als ob jemand oben tatsächlich die Kugeln von mir ablenkte…“

    • Leonid Breschnew während der Parteisitzung (Archivbild)
      Leonid Breschnew während der Parteisitzung (Archivbild)
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    • Aleksej Leonow (Archivbild)
      Aleksej Leonow (Archivbild)
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    • Brezhnews Geleit in Havanna (Archivbild)
      Brezhnews Geleit in Havanna (Archivbild)
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    Leonid Breschnew während der Parteisitzung (Archivbild)

    Nachdem der Fahrer getötet worden sei, habe sich das Fahrzeug etwas nach hinten bewegt. Kosmonaut Beregowoj habe die Handbremse erreicht und den Wagen gestoppt. Dieser sei also hin und her geruckelt, es habe keine tödlichen Treffer mehr gegeben. Mit dem letzten Schuss habe der Täter einen Motorradfahrer der Begleitmannschaft verletzt, der ihn am Schießen hindern wollte, hieß es.

    Attentäter Viktor Iljin
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    Attentäter Viktor Iljin

    „Während des feierlichen Empfangs kam Breschnew dann auf mich zu und bat, die Kugelspur auf meinem Uniformmantel zu zeigen“, so Leonow weiter. „Er war damals sehr entgeistert. Er sah sich alles aufmerksam an und sagte: ‚Mach dir keine Sorgen, es wurde nicht auf dich geschossen, sondern auf mich‘. So eine Beruhigung…“

    Der Raumfahrer berichtet, viele Jahre später habe er mit dem Schützen gesprochen, als dieser aus einer psychiatrischen Klinik entlassen wurde: „Er bat um Verzeihung und beteuerte, er habe nicht uns anvisiert, sondern gewollt, das Land vom Usurpator zu befreien. Ich sagte – na ja, wieso ist dieser ein Usurpator?“

    Aleksej Leonow heute
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    Aleksej Leonow heute

    „Iljin fragte mich immer wieder: ‚Was soll ich nun tun?‘ Ich sagte ihm: ‚Du hast einen Menschen getötet, der zwei Kinder hat. Such die Witwe des Fahrers auf, den du getötet hast, und die Kinder, die nun keinen Vater haben. Fall ihnen zu Füßen, fleh um Verzeihung… Hilf ihnen, wenn du kannst‘. So ein Gespräch gab es“, schreibt Leonow.

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    Tags:
    Kosmonaut, Attentat, Weltraum, Alexej Leonow, Leonid Breschnew, UdSSR, Russland
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