16:53 12 Dezember 2017
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    Kommune der Zeugen Jehovas im französischen Deyvillers

    Wie „Zeugen Jehovas“ Druck machen: Von US-Zentrale aus auf Menschen und Gerichte

    © AFP 2017/ Jean-Christophe Verhaegen
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    Im Obersten Gericht Russlands hat am Mittwoch die dritte Sitzung im Prozess zum Verbot der „Zeugen Jehovas“ stattgefunden. Gleichzeitig enthüllen Medien neue Details zu Tätigkeit und Aktivitäten der skandalösen Organisation.

    Demnach wurden am Mittwoch vier ehemalige Mitglieder der Religionsgemeinschaft verhört:

    Natalia Korezkaja aus Sankt Petersburg, die von 1995 bis 2009 Mitglied der Organisation war, sagte, dass alle Mitglieder „unter totaler Kontrolle durch Adepten des Verwaltungszentrums leben“ würden.

    „,Die Zeugen Jevohasʻ folgen formell einer kanonischen Normbefolgung, aber in Wirklichkeit geht es um eine totale Kontrolle des Privatlebens der Menschen – Intimleben, Ausbildung, Arbeit.“

    Pawel Swerew behauptete vor Gericht, dass er die Leitung der „Zeugen Jehovas“ ihm eine Ausbildung untersagt habe.

    „In der Organisation meint man, dass die Hochschulausbildung für Organisationsinteressen nicht nützlich ist. Wegen dieser Behauptung habe ich derzeit keine Ausbildung und leide darunter im Alltag“, sagte Swerew.

    Zwei weitere Zeugen bestätigten diese Behauptungen.

    Während das russische Justizministerium versucht, die Religionsgemeinschaft in Russland zu verbieten und sie offiziell als extremistisch einzustufen, berichtete die russische Zeitung „Komsomolskaja Prawda“, dass ihr ein Dokument der Organisationsleitung vorliege, in dem beschrieben sei, wie man Druck auf Gerichte ausüben könne, um eigene Verluste zu minimisieren. Das Hauptinstrument, das von der amerikanischen Hauptverwaltung entwickelt wurde, ist demnach „eine weltweite Kampagne zum Schreiben von Briefen“. Das sei eine Art Spam-Attacke auf den russischen Präsidenten, Premierminister, Staatsanwalt, Justizminister und Vorsitzenden des Obersten Gerichts Russlands. Es gehe dabei um mehr als 10.000 Briefe. Solche Botschaften sollen auch an russische Behörden im Ausland geschickt werden: Lateinamerika, im Kosovo und sogar in Mosambik.

    „Schicken Sie einen persönlichen Brief an einen und mehrere Beamte, die am Ende dieses Dokumentes angegeben werden. Es können auch mehrere Briefe geschickt werden. Der Brief soll nicht mehr als eine Seite lang sein. Weitere Literatur schicken Sie mit dem Brief nicht mit. Erwähnen Sie nicht den Namen ,Zeugen Jehovasʻ in Russland“, heißt es in dem Dokument.

    Russlands Justizministerium hat am 17. März 2017 Klage gegen die „Zeugen Jehovas“ eingereicht. Nach einer Untersuchung zwischen dem 8. und 27. Februar wurde demnach festgestellt, dass die „Zeugen“ gegen das russische Anti-Extremisten-Gesetz verstießen. 95 Bücher der Gemeinschaft sowie ihre acht Abteilungen wurden demnach als extremistisch eingestuft. Am 23. März wurde die Tätigkeit der Organisation eingestellt. Das Justizministerium fordert nicht nur die Einstellung der Gemeinschaft sondern ihre komplette Auflösung. Falls dies erreicht wird, werden die „Zeugen Jehovas“ die strafrechtliche Verantwortung tragen müssen. Am Donnerstag soll auch ein Moskauer Gericht prüfen, ob die Einstellung der Organisation durch das russische Justizministerium legal gewesen sei. Dafür beginnt die Vorbereitung auf den Zivilprozess.

    Die „Zeugen Jehovas“ sind eine christliche, chiliastisch ausgerichtete und nichttrinitarische Religionsgemeinschaft. Sie bezeichnen ihre innere Verfassung als „theokratische Organisation“, die derzeit aus über sieben Millionen Mitgliedern bestehe. Der Sitz befindet sich in New York. Die „Zeugen Jehovas“ sind durch ihre ausgeprägte Missionstätigkeit, ihre Ablehnung von Bluttransfusionen, das Nichtbegehen aller christlichen Feier- und Festtage außer dem Abendmahl und das Nichtfeiern von Geburtstagen bekannt.

    Tags:
    Briefe, Druck, Kontrolle, Extremismus, Ausbildung, Gericht, Zeugen Jehowas, USA, Russland
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